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Jericho: Der Anschlag - Season 2

Filmkritik von Christel Scheja

 

Rezension:

In der ersten Staffel von „Jericho“ beschäftigten sich die Macher mit der Frage: Wie verhalten sich Menschen, die miterleben müssen, wie ihre Zivilisation scheinbar durch einen Atomkrieg zerstört wird und sie in ihrer kleinen (wenn auch fiktiven) Stadt in Kansas, nahe der Grenze zu Colorado zu den Überlebenden gehören, die von der radioaktiven Strahlung weitestgehend verschont bleiben.

 

Bis zu jenem Tag im September geht das Leben in Jericho seinen gewohnten Gang. Die kommende Bürgermeisterwahl ist ein Großereignis und Fremde werden misstrauisch bis neugierig beobachtet, vor allem wenn sie sich als Heimkehrer entpuppen wie Jake, der jüngere Sohn des noch amtierenden Bürgermeisters, Johnston Green. Obwohl er nur kurz vorbeischaut, um sich mit seiner Familie auszusöhnen, was gründlich daneben geht, weil er sich über die Zeit seiner Abwesenheit ausschweigt, so wird sein Aufenthalt länger als gedacht, denn durch die Atompilze ist er zur Umkehr gezwungen.

Abgeschnitten von der Außenwelt, ohne all die Annehmlichkeiten, die vorher selbstverständlich waren, müssen die Menschen den Schock erst einmal verkraften und lernen damit umzugehen. Von nun an werden selbstverständliche Dinge, wie die Versorgung mit Lebensmitteln, Medikamenten, Wasser und Strom zu großen Problemen, mit denen nicht jeder zurecht kommt. Und der kommende Winter macht das Überleben auch nicht leichter.

Jake, der bisher von seinem Vater für einen faulen Tagenichts und Herumtreiber gehalten wurde, wächst unbemerkt zu einer Stütze für Jericho heran, indem er ohne zu fragen immer mehr Aufgaben übernimmt

Wie selbstverständlich geht er mit Waffen um und weiß, was in Notsituationen zu tun ist – so als es darum geht, Bunker wieder instand zu setzen, Aufruhr in Jericho zu verhindern. Wie gut er das alles beherrscht, zeigt sich, als sein Bruder und er sich in einem weiter entfernten Krankenhaus mit plündernden Söldnern des Ravenwood-Konzerns anlegen und diese später auch von Jericho fernhalten müssen. Oder als es darum geht, den Betrug von falschen Marines aufzudecken.

Trotz aller Schwierigkeiten mit Flüchtlingen und der Versorgung bringt Jericho den Winter gut hinter sich. Allerdings stellt sich heraus, dass sich die Dinge in der Nachbarstadt New Bern ganz anders und vor allem in eine gefährliche Richtung entwickelt haben. Denn dort hat Bürgermeister Constantino ein tyrannisches Regime aufgebaut, das sich nicht um die Menschen kümmert, sondern Waffen produziert, durch die man sich andere Städte untertan machen will. Und sein erstes Ziel ist Jericho.

Die erste Staffel endete mit dem Angriff New Berns auf Jericho und dem verzweifelten Versuch von Jake und seinen Leuten, die Übermacht aufzuhalten...

In der zweiten Staffel verändern sich die Dinge überraschend. Da die Städte im Mittleren Westen zu isoliert waren, um mitzubekommen, was anderenorts passiert ist, und es durch den fehlenden Strom auch nicht möglich war, Nachrichten über Funk oder Radio zu empfangen, erfahren sie erst jetzt durch die überraschend auftauchenden Truppen Major Becks, dass die Ordnung im Land nicht ganz zerstört ist. Zwei Regierungen haben sich heraus gebildet, eine in Columbo, eine in Cheyenne. Texas ist noch unabhängig. Er selbst untersteht Cheyenne und soll New Bern und Jericho befrieden, ehe sich die Gemeinden selbst zerfleischen.

Tatsächlich scheint sich nun alles zum Guten zu wenden, denn die Versorgung von Strom und Lebensmitteln wird wieder hergestellt und ein normales Leben scheint gesichert. Allerdings merken Jake und einige andere, das irgendetwas nicht mit rechten Dingen vor sich zu gehen scheint. Denn überall hat ein der Konzern „Jennings & Rall“ seine Finger mit im Spiel, egal in welchem Bereich, und versucht die Bürger zu entmündigen.

Zudem ist Jake durch den ehemaligen Geheimagenten Robert Hawkins sensibilisiert worden, denn ganz offensichtlich wurden die . Ganz offensichtlich sind die Atombomben nicht von einer feindlichen Macht, sondern von verbrecherischen Kreisen in der Regierung der USA gezündet worden. Er war ursprünglich sogar einer der Erfüllungsgehilfen. Deshalb ist immer noch eine der Bomben in seinem Besitz.

Robert Hawkins hat gehofft, in Jericho zusammen mit seiner Familie sicher zu sein, aber er weiß inzwischen auch, dass man immer noch nach ihm sucht und ihn, wie auch die Bombe haben will. Aus diesem Grund musste er bereits einige seiner ehemaligen Kameraden töten und hofft, dass die falsche Spur, die er legen konnte, seine Verfolger auf die falsche Spur führt. Allerdings zieht sich auch um ihn das Netz immer enger, da die Kontrolle über die Stadt schärfer wird.

Ob seinen neuen Kontakten zu trauen ist, speziell dem geheimnisvollen Mr. Smith, der ihn mit Nachrichten und Beweisen versorgt, weiß er selbst manchmal nicht.

Indes hat Major Beck Jake Green zum Sheriff über die Stadt gemacht, aber seine Handlungsbefugnisse und -möglichkeiten sind stark eingeschränkt. Und mit Goetz wird ihm ein ziviler Verwalter vor die Nase gesetzt, der sich nicht nur als guter alter Bekannter erweist – ist er doch vor ein paar Monaten noch der Anführer der marodierenden Ravenwood-Söldner gewesen – sondern auch Jakes Vergangenheit bei der gleichen Firma kennt und ihn damit unter Kontrolle zu halten versucht.

Allerdings haben die Monate in der Heimat den jungen Mann gelehrt, zu den Menschen, seiner Heimat und deren Freiheit zu stehen und viele seiner Freunde sehen das nicht anders. Und nun nutzt er sein Wissen aus, um die Handlanger von „Jennings und Rall“ auszutricksen.

 

Hat es am Ende der ersten Staffel so ausgesehen, als würde die Serie in eine düstere Zukunft voller Gesetzlosigkeit und Grausamkeit fallen, verändert sich die Geschichte überraschend in eine Richtung, die man so nicht erwartet hat. Zwar scheint sich zunächst einiges zum Besseren zu wenden, aber ist dem wirklich so?

Da die Macher für die zweite Staffel nur sieben Episoden bewilligt bekamen, geht es Schlag auf Schlag. Mit einem leicht reduzierten Cast wird gezeigt, wie die Männer und Frauen von Jericho, die sich um Jake und seinen Bruder gruppieren, nach und nach heraus finden, welches Spiel mit ihnen getrieben wird. Kleine Puzzlestückchen fügen sich in den ersten vier Folgen zu einem sehr düsteren Bild zusammen und enthüllen die Wahrheit über die Atombomben und die neue Regierung. Als dann auch noch Jake Greens Erzfeind sich nicht nur als Betrüger, sondern auch als skrupelloser Killer entlarvt, eskaliert die Situation. Der dramatischen Tötung einer Figur aus dem Hauptcast und die nachfolgende Rache folgt ein Aufstand und offene Rebellion, Hawkins wird enttarnt und muss mit der Bombe aus der Stadt fliehen und sucht Hilfe bei Jake, weil er alleine nicht weiter kommt, als man ihm die Waffe abnimmt. Aber auch Major Beck muss nach und nach erkennen, das seine Loyalität vielleicht dem Falschen gebührt.

Mehr als in der ersten Staffel bilden diese sieben Folgen eine Einheit und bauen aufeinander auf, die letzten drei sind nicht einmal mehr voneinander zu trennen. Die Spannung wird bis zum fulminanten Höhepunkt gesteigert.

Zwar konzentriert sich die Geschichte auch wieder auf einzelne Figuren, aber deren Schicksal ist nun enger miteinander verwoben und was der eine tut hat auch Auswirkungen auf die anderen. Man merkt allerdings, dass die Serie aufgrund von Budgetkürzungen mit wesentlich weniger Figuren auskommen muss, was ihr aber eigentlich gut tut. Und gerade mit Major Beck wird eine sehr interessante Figur geschaffen.

Wie auch schon in der ersten Staffel schwankt die Serie irgendwo zwischen Science Fiction und Gesellschaftsdrama, auch wenn diesmal die düstere Utopie eines von einem Konzern kontrollierten Staates im Mittelpunkt steht. Daher sind die sieben Folgen wesentlich actionreicher als die erste Staffel zusammen und verzichten auf eine weitere Ausarbeitung des Beziehungsgeflechts.

Auch wenn man sich bemüht hat, ein halbwegs abgeschlossenes Ende zu finden, so merkt man doch, dass jetzt – wo man die Figuren ins Herz geschlossen hat und das Abenteuer wesentlich mehr zum tragen kommt – noch wesentlich mehr hätte erzählt werden können – wie das verrät die ebenfalls auf der Silberscheibe befindliche alternative siebte Folge. Aber leider waren die Quoten wieder zu schlecht, so dass CBS diesmal kein Einsehen mehr hatte und „Jericho“ entgültig einstellte.

Warum die Serie überhaupt weiter geführt wurde, beschreibt eine der Featurettes, die zeigt wie es engagierte Fans mit einer aufsehenerregenden Aktion gelang, die sieben Folgen zu ertrotzen. Sie schickten dem Sender Wagenladungen von Erdnüssen ins Haus.

Wie bei der ersten Staffel sind Bild und Ton für eine Fernsehserie sehr zufriedenstellend, auch die Präsentation weiß durch ihre schlichte und platzsparende Aufmachung in Slim-Boxen und Schuber zu gefallen. Auch die Extras können sich sehen lassen: Zu etwa der Hälfte der Folgen gibt es gelöschte Szenen und im ausführlichen Making-of beschreiben die Macher, was sie sich bei der zweiten Staffel gedacht haben und wo sie durch die Verkürzung und das geringere Budget Abstriche machen mussten. Und wie sehr sie sich über die Fans gefreut hatten.

 

 

Fazit:

 

Auch in der zweiten Staffel bietet „Jericho“ spannende Unterhaltung, die Menschen in den Mittelpunkt stellt, die erkennen müssen, dass all die Werte an die sie geglaubt haben, nun mit Füßen getreten werden und sich eine moderne Form eines totalitären Regimes vor ihren Augen entwickelt ohne dass sie es zunächst merken.

Zwar werden auch diesmal wieder sehr typische amerikanische Ideale heraufbeschworen, aber eingebettet in die interessante Verschwörungs- und Intrigengeschichte ergeben sie sogar einen Sinn. Diesmal müssen die Bürger selbst etwas unternehmen, um nicht vollständig entmündigt zu werden. Auch wenn der Preis dafür hoch sein wird.

 

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DVD:

Jericho: Der Anschlag

USA 2006

29-teilige Fernsehserie

2. Staffel mit 22 Folgen

Produktion, Idee &Drehbuch: Jon Turteltaub, Stephen Chbosky, Carol Barbee, Karim Zreik

Regie: Jon Turteltaub, Sanford Bookstaver, James Whitmore Jr., Guy Norman Bee, Martha Mitchell

Bildformat: 16:9

Synchro: Deutsch, Französisch, Spanisch, Italienisch (Dolby Surround), Englisch (DD 5.1) Untertitel: Deutsch, Dänisch, Englisch Finnisch, Französisch, Holländisch, Italienisch, Norwegisch, Schwedisch, Spanisch

Spieldauer: 291 min (7 Episoden je. ca. 43 min)

Umfang: 2 DVD

FSK: 16

Paramount, 18. Juni 2009

 

Extras:

 

  • Gelöschte Szenen
  • Serienfinale mit nicht gesendetem alternativen Ende
  • „Der Wiederaufbau von Jericho“
  • „Nuts-Die verrückte Fan-Aktion“

 

 

ASIN: B001Y3S018

 

Erhältlich bei: Amazon

 

Darsteller:

Skeet Ulrich

Lennie James

Gerald Mc Raney

Ashley Scott

Kenneth Mitchell

Alicia Coppola

 

 


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Erstellt: 12.06.2009, zuletzt aktualisiert: 22.11.2019 07:56