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Jessica Jones: Alias 2

Rezension von Christel Scheja

 

Die Bekanntheit von Jessica Jones ist wohl erst gestiegen, als Netflix ihre Abenteuer in eine dreizehnteilige Serie umsetzte. Vorher war sie eine Superheldin unter vielen, sei es nun als „Jewel“ in den verschiedenen Teams oder später als heruntergekommene Privatdetektivin in ihrer eigenen Serie. Panini präsentiert letztere nun in dicken Megabänden, die sich sehen lassen können. Nun ist auch der zweite und letzte erschienen.

 

Wieder muss sich Jessica mit Fällen herumschlagen, die ihr an die Substanz gehen, auch wenn sie gelernt hat, die Nachwirkungen mit Alkohol und Sex zu ertränken. Sie lässt sich diesmal auf eine kurzfristige Beziehung mit Scott Lang ein.

Der Fall, mit dem sie es jetzt zu tun bekommt, ist ziemlich schwierig, denn die verschollene Mattie hat keine wirkliche Spur hinterlassen. Deshalb sucht sie immer wieder Rat und Hilfe, auch bei Daredevil, der nicht viel mehr raten kann, als das, was sie selbst schon weiß. Und dann ist da ein Mädchen im Spinnenkostüm, das völlig durcheinander ist, einerseits ihre Hilfe sucht, sich dann aber doch wieder entzieht.

Dennoch ist Jessica nicht dazu bereit, so einfach aufzugeben und versucht, als sie endlich einen passenden Tipp erhalten hat, mit weitaus konventionelleren Mitteln dem Geheimnis auf die Spur zu kommen. Genau das führt sie in eine Drogenhöhle, in der alles anders ist, als sie es von New York und normalen Menschen gewohnt ist. Denn das verschwundene Mädchen im Spinnenkostüm, die unerfahrene Spider-Woman, wird auf eine äußerst perfide Art benutzt.

Zwar kann Jessica sie retten, aber das Geschehen wühlt leider auch andere Erinnerungen auf, nämlich die an ihre Vergangenheit als Superheldin im Kostüm. Sie kann weder verdrängen, wie alles angefangen hat – mit dem Verlust ihrer Eltern und einem Unfall, noch den Mann vergessen, der ihr das Schlimmste angetan hat, was sie jemals erleben musste: Killgrave.

Sein Vermächtnis hallt auch jetzt noch immer wieder in ihr nach, und sie hofft sehnlichst darauf, ihm niemals wieder zu begegnen, denn damals ist sie seiner Macht nur mit Hilfe anderer Superhelden entkommen.

 

Fans der Fernsehserie werden es bemerkt haben, nun beinhaltetet die Geschichte genau die Elemente, die auch in der Fernsehserie zu finden waren. Allerdings ist die Handlung im Comic mehr in das dortige Universum eingebunden und zeigt auch noch viele andere Superhelden, so wie sich Jessica auch diesmal wieder mit anderen Superheldenkollegen zusammensetzt, ein Stelldichein mit ihnen genießt oder sich mit diesen herumschlägt. Und auch Killgrave sieht um einiges anders aus als man ihn aus der Serie kennt, denn nicht nur seine Kleidung ist purpurfarben.

Auch wenn die einzelnen Episoden in sich geschlossen sind, so lassen sich doch leichte Verzahnungen erkennen. Denn an Jessica geht das Schicksal von Mattie nicht so einfach vorbei, wecken diese Erfahrungen doch auch wieder Erinnerungen an die schlimmste Zeit in ihrem Leben. Die Rückblicke runden den Charakter ab, geben ihr Tiefe, die ihr jetziges Verhalten viel plausibler machen. Amüsant sind eher ihre Bettabenteuer, die sie doch irgendwie zu denen führen, die im Grunde so sind wie sie.

Künstlerisch sind die Erinnerungssequenzen sehr schön von dem aktuellen geschehen abgehoben – viel mehr im Stil der klassischen Superhelden gezeichnet und von der Atmosphäre her weitaus lichter als die Rahmenhandlung, die eher dem Noir-Stil treu bleibt.

Jessica hat mit ihrem Leben als Superheldin abgeschlossen, mit dem Dasein, dass sie eh nie wirklich gemocht hat, und dass ihr gründlich vergällt wurde. Sie fühlt sich lieber in der Welt wohl, in der sie zumindest etwas im kleinen bewegen kann.

Am Ende gibt es noch einige „Was wäre, wenn?“-Geschichten, die aber nur ein netter Zusatz sind, aber längst nicht die Intensität besitzen, die die Serie selbst hat. Sie richtet sich bewusst an Erwachsene, die die Vielschichtigkeit von Jessicas Welt mögen und ihre dunkle Atmosphäre.

Wie immer stehen hier die eher normalen Menschen im Mittelpunkt – und diejenigen, die so sein wollen wie sie. Und die dunklen Seiten des Daseins als Mutant …

 

Gerade der zweite Band von „Jessica Jones: Alias“ ist besonders interessant für Fans der Netflix-Serie, denn die hier enthaltenen Geschichten sind die direkte Vorlage dafür, so dass es Spaß macht, die bekannten Details zu entdecken und zuzuordnen. Aber auch sonst bietet die Sammlung Lesevergnügen, denn die Handlung wartet mit immer neuen Überraschungen auf und auch der Hintergrund ist so atmosphärisch wie immer.

 

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Eure Meinung:

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Comic:

Jessica Jones: Alias 2

Brian Michael Bends

Alias 16-28, Marvels 75th Anniversary Celebration # 1, What if Jessica Jones had joined the Avengers USA 2001-16

Panini Verlag, 10/2016

Übersetzer: Bernd Kronsbein

Titelillustration und Zeichnungen: Michael Gaydos, Rick Mays, Arthur Edward Thibert, Al Vev

Farben: Matt Hollingsworth, Jose Villarubia, Dean V. White

 

ISBN-10: 3957989566

ISBN-13: 978-3957989567

 

Erhältlich bei: Amazon

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Erstellt: 31.10.2016, zuletzt aktualisiert: 20.04.2019 08:40