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Kaltblütig – Die Welt der Drachen, Echsen und Amphibien

Filmkritik von Christel Scheja

 

Rezension:

 

Die meisten halten sie für kalt und herzlos und halten sie für weit weniger als Säugetiere und Vögel – die Reptilien und Amphibien. Doch der bekannte Verhaltensforscher David Attenbourough beweist, dass es ganz anders aussieht. Nicht nur, dass die meisten Arten extremen Lebensräumen wie Wüsten besser angepasst sind als die höher entwickelten Tiere, nein sie zeigen durchaus auch eine breite Palette an Gefühlen, sind liebevolle Eltern und Beschützer schwächerer Artgenossen. Und grausamere Seiten haben auch Säugetiere.

 

In fünf Episoden zu je 45 min zeigt Attenbourough die verschiedenen Lebensräume und Verhaltensweisen der über 14.000 bekannten Arten. Manche von ihnen sind größer als Menschen und erinnern nicht von ungefähr an ihre Vorfahren und Brüder – die Dinosaurier, andere sind winzig klein und mit dem Auge kaum zu entdecken, wenn sie durch das Blattwerk von Büschen und Bäumen huschen.

Aber eines haben sie alle gelernt, sich anzupassen und alle Möglichkeiten ihres Lebensraumes auszunutzen. Da sie wechselwarm sind und sich morgens erst aufwärmen müssen, um in die Gänge zu kommen, sind natürlich die Wüsten und tropischen Regionen für sie ideal, auch wenn sie sich einiges einfallen lassen müssen, um am Leben zu bleiben.

Aber woher stammen die Tiere, die es heute gibt. Wann haben sie sich entwickelt, wo kommen sie her? Und welchen Sinn machen die bizarren Formen, die sie stellenweise angenommen haben?

Dienen sie wirklich nur zur Verteidigung gegen Fressfeinde oder sollen damit in erster Linie Artgenossen beeindruckt werden, sei es nun bei der Partnerwerbung oder um das angestammte Revier zu verteidigen? Kann man bei manchen Rassen wie den Chamäleons nicht vielleicht sogar die derzeitige Stimmungslage des Tieres erkennen. Die Beispiele sind aus dem Leben gegriffen, wie etwa das trächtige Chamäleonweibchen, dass einem Bewerber um ihren Gunst sehr schnell klar macht, dass sie eigentlich in Ruhe gelassen werden will, ohne dass es zu einem körperlichen Kontakt kommt.

Interessant ist auch, dass einige Reptilien und Amphibien nicht nur die Eier legen und sich dann nicht mehr darum kümmern, sondern bis zum Schlüpfzeitpunkt bei dem Nest bleiben und dafür sorgen, dass es warm bleibt und die Jungtiere in Ruhe schlüpfen können, andere wieder bringen sogar ihren Nachwuchs quasi lebend zur Welt, weil sie die Eier selbst erst kurz vor dem Schlüpfen legen und im eigenen Bauch ausbrüten.

Selbst in den einzelnen Arten gibt es Unterschiede – so ist Krokodil nicht gleich Krokodil und auch Echse nicht gleich Echse. Auch Schlangen sind Überlebenskünstler und manchmal recht pfiffig, wenn es um das Verschaffen von Beute geht.

 

Alles in allem räumt David Attenbourough in seiner Dokumentation mit vielen Vorurteilen auf, die man seit seiner Jugend mit sich führt. Aufgrund der neusten Forschungsergebnisse und mit dem Einsatz modernster Technik zeigt er Verhaltensweisen der Reptilien und Amphibien, die man bisher noch nicht so genau sehen konnte. Damit beweist er, dass die meisten Tiere dieser Spezies gar nicht so „kaltblütig“ sind, sondern überraschend viel sozial fortschrittliches Verhalten an den Tag legen wie höhere Arten. Sie können leidenschaftlich und traurig sein, aggressiv und frech, liebevolle Mütter und geduldige Jäger. Die Reichweite ihres Verhaltens ist größer als man ihnen zutraut – und vor allem ist nicht jedes Reptil langsam und schwerfällig – einige können schneller laufen als die meisten Menschen, wie etwa Warane.

Dabei geht er hin und wieder sogar auf Tuchfühlung mit den Tieren. Durch seine ruhige und gewissenhafte Art bringt er die Informationen sehr väterlich nahe – schafft eine überraschend enge Bindung zum Zuschauer.

Dennoch ist die Dokumentation in keiner Weise langweilig und dozierend. Bilder und Erklärungen sind wohldosiert gemischt und lassen dem Betrachter genug Zeit, sie zu verinnerlichen. Attenbourough erklärt nicht nur, er zeigt das, was er näher bringen will anhand eines lebenden Beispiels. Ohne zu übertreiben dramatisiert die Serie das ein oder andere Geschehnisse, lässt den Zuschauer auch schon einmal gespannt mitfiebern oder schmunzeln.

Alles in allem erhält man ein überraschend facettenreiches Bild der Kaltblüter und denkt nach diesen fünf Folgen ganz anders über sie. Gerade weil die Dokumentation immer wieder auf menschliche oder Verhaltensweisen der Säugetiere eingeht und darauf verzichtet zu übertreiben oder wiederholen, bleibt sie sehr gut hängen.

Die Qualität der DVD’s ist wie gewohnt gut, auch wenn man ganz auf Untertitel und Extras verzichtet. Aber wer will kann sich die Episoden auch in der Originalfassung ansehen.

 

 

Fazit:

 

„Kaltblütig – Die Welt der Drachen, Echsen und Amphibien“ ist wieder einmal eine hervorragende und sehr spannende Dokumentation der BBC. Vor allem die lebendige und gewissenhafte Moderation von David Attenbourough schlägt wieder einmal in den Bann und bringt einem das Thema sehr intensiv nahe, auch wenn man vorher vielleicht noch nicht so viel mit den Kaltblütlern anfangen könnte.

 

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DVD:

Kaltblütig – Die Welt der Drachen, Echsen und Amphibien

England 2008

Produzent: Miles Barton

Moderator: David Attenbourough

Sprache: Deutsch (Dolby Digital 5.1), Englisch (Dolby Digital 2.0)

Bildseitenformat: 16:9 - 1.77:1 , PAL, RC 2

FSK: Ohne Altersbeschränkung

Studio: Polyband & Toppic Video/WVG

Erscheinungstermin: 29. Januar 2010

Spieldauer: 225 Minuten (5 Episoden a 45 min)

ASIN: B002T4G7RU

 

Erhältlich bei: Amazon

 

 

Episoden:

01 Meister der Anpassung

02 Invasion aus dem Wasser

03 Wüstendrachen

04 Schlangen mit Pfiff

05 Gepanzerte Riesen

 

 

 


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Erstellt: 09.04.2010, zuletzt aktualisiert: 28.08.2019 20:06