Kickback (Autor und Zeichner: David Lloyd)
 
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Kickback von David Lloyd

Rezension von Ralf Steinberg

 

Verlagsinfo:

 

Comic Noir von V for Vendetta-Zeichner David Lloyd

Detective Joe Canelli ist ein korrupter Polizist in einem korrupten US-Polizeipräsidium. Er arbeitet in einer Stadt, in der sich Gesetzeshüter und organisierte Kriminalität längst arrangiert haben. Als es zu einer Zahl von Übergriffen auf Polizeibeamte kommt und Uniformierte eine Bande von Drogendealern ermorden, ist der vermeintliche Friede in Gefahr.

 

Auch Canellis Partner wird Opfer der neuen Feindseligkeiten. Das ist für den Detective der Anlass, sein Leben umzukrempeln und sich auf die Suche nach den Unruhestiftern zu machen. Mit der Hilfe eines Kollegen, dem er vertraut, und einer nach Schlagzeilen dürstenden Reporterin beginnt er aufzuräumen...

 

Rezension:

David Lloyd’s Geschichte um den Cop Joe Canelli ist in erster Linie ein klassischer Stoff um Gangster, korrupte Bullen und eine amerikanische Großstadt. Die typischen Figuren und Zutaten tauchen auf. Der untergetauchte Spitzel, der sich doch noch zur Zusammenarbeit überreden lässt, die toughe Reporterin, der tote Partner, der großmäulige Chef und natürlich ein Kindheitstrauma.

Das alles bindet sich trotzdem zu einem gelungenen Thriller zusammen, was im Wesentlichen an Lloyds Bildern liegt. Die zum Teil groben Zeichnungen verdunkeln sich mit Schraffuren und fleckigen Texturen, kaum durch dunkle Pastelltöne koloriert. Die gesamte Atmosphäre bleibt dadurch düster und kühl. Warm wird es nur bei Joes Großeltern und seiner Freundin.

Diese beiden Bereiche stehen für die gute Seite in Joes Leben, die ihn immer wieder aufzeigen, wie wenig die Korruption mit seinen wirklichen Zielen zu tun hat.

Es ist einfach sich dem Gang der Dinge zu ergeben. Sich einzuordnen in ein System, dass jahrelang funktionierte, egal, wer die Kosten zu bezahlen hat.

Lloyd verwischt oft die Konturen, die Figuren erscheinen dann verwechselbar, als wären sie Bestandteile einer androgynen Masse, dem gegenüber steht das durch unzählige Falten fast zerschnittene Portrait von Joes Großvater. Diese Gegensätze, der Wechsel von Schärfe und Verschwommenheit bereichern die Story immer wieder um bildliche Nuancen, die wesentlich mehr ausdrücken, als Worte.

Die einzelnen Bilder bieten selten die Totale an, meist bleibt der Blick fragmentarisch an einer Einzelheit hängen um dann mit schnellem Schnitt und schräger Sicht weiterzuziehen auf das nächste Detail. Man sieht eigentlich alles, hat aber stets das Gefühl, nur Ausschnitte vorgesetzt zu bekommen, als lese man nur das erste Scribble eines Drehbuches.

Oft genug wird man dadurch gezwungen zu verweilen, um den Sinn der Bilder zu entschlüsseln, ihren Zusammenhang zu erkennen. Diese Brüche scheinen nicht immer notwendig und machen die Lektüre auch nicht besonders einfach, aber sie verschieben die Bedeutung des Bandes eindeutig in Richtung Bild. Als Zeichner ist Lloyd hier stark und beeindruckend.

Als Autor hingegen ist von dieser Kreativität wenig zu spüren. Es steht in der Natur der Dinge, dass der normale Gangsterplot keine Überraschungen bietet.

So endet auch Kickback eher gewöhnlich, als mitreißend. An keiner Stelle der Handlung verlässt Lloyd die Standards, dass gelingt ihm nur mit dem Pinsel und dem Stift.

 

Oje, das hat nicht geklappt, Elfenwerk! 2024061520014526d2f712
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Comic:

Kickback

Autor und Zeichner: David Lloyd

Ehapa Comic Collection, 2007

Ausgabe: Softcover

Seiten: 96

# ISBN-10: 3770430808

# ISBN-13: 978-3770430802

Erhältlich bei Amazon


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Erstellt: 14.03.2007, zuletzt aktualisiert: 28.12.2022 16:07, 3636