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Kimono Boys, Bd. 1

Rezension von Christel Scheja

 

Es mag sein, dass „Kimono Boys“ in einer märchenhaften und längst vergangenen Welt spielen könnte, tatsächlich aber ist die Geschichte nicht unbedingt im 18. Jahrhundert angesiedelt, wie der Klappentext behauptet, einige verräterische Silhouetten von Hochhäusern und die Kleidung (Hemd und Krawatte) eines Gastes deuten durchaus an, dass die Geschichte doch wohl eher in der Moderne angesiedelt ist, auch wenn das für die Geschichte keine Rolle spielt.

 

Angesiedelt ist sie im Rotlichtviertel Hanafuriro, in dem nicht nur die Häuser und ihr Innenleben archaisch wirken, sondern auch noch andere Traditionen gepflegt werden. Neben unzähligen weiblichen Prostituierten gibt es auch noch die sogenannten „Kimono-Boys“, langhaarige und zart gebaute junge Männer, die interessierten reichen Gästen ebenfalls zur Verfügung stehen.

Zu den männlichen Geishas gehören auch Kicho und Kagero. Seit letzterer von seiner Großmutter in das Bordell verkauft wurde, weil seine Mutter Schande über die Familie gebracht hatte, kümmert sich der hellhaarige Kicho um ihn und versucht ihm bei der Ausbildung unter die Arme zu greifen. Doch Kagero scheint irgendwie nicht gewillt, sich in sein Schicksal zu fügen und den Gefühlen von Liebe abzuschwören.

Während er eher unwillig und zurückhaltend ist und seine Gäste damit enttäuscht, kann er nur in den Armen von Kicho erblühen und wahre Leidenschaft empfinden. Der junge Mann, der selbst gelernt hat, die perfekte Geisha zu sein und seine Gäste nach Strich und Faden zu verwöhnen, will sich eigentlich nicht von ihm mitreißen lassen – aber kann er seine eigenen Gefühle wirklich für immer verleugnen?

 

„Kimono Boys“ ist in mehrfacher Hinsicht ein ungewöhnlicher Manga. Zwar ist das Thema nicht ungewöhnlich und viele Elemente aus der Beziehung zwischen Kicho und Kagero aus anderen Titeln bekannt, einschließlich der üblichen Redensarten und schwülstigen Liebesbekundungen, aber das Setting ist überraschend anders. Auch hier ist die Liebe zwischen den Figuren durch äußere Umstände erschwert – aber auf andere Weise als erwartet, denn diesmal müssen sie ihre homosexuellen Neigungen nicht verbergen.

Dennoch können die beiden sie trotzdem nur heimlich ausleben, weil ihr Beruf nichts anderes erlaubt. Und der wird auch in der westlichen Gesellschaft gerne tabuisiert

Zusammen mit dem feinen und eleganten Zeichenstil ergibt sich eine faszinierende Geschichte, die allein durch ihren ungewöhnlichen Hintergrund in den Bann schlägt und verzaubert. Das gibt dem Manga eine Tiefe, die ihn gerade für ältere Leserinnen attraktiv macht.

 

Alles in allem ist „Kimono Boys“ zwar vielen anderen Boys Love Mangas sehr ähnlich überrascht aber dann auch wieder durch die Atmosphäre, die das ungewöhnliche Setting bietet. Das dürfte vor allem erfahrene Leser ansprechen, die mehr als nur romantische Leidenschaft und verrückte Gags von einer solchen Geschichte erwarten.

Eure Meinung:


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Comic:

Kimono Boys (Bd. 1)

Autorin: Kaname Itsuki

Künstlerin: Ami Suzuki

Aus dem Japanischen von Josef Shanel und Matthias Wissnet

Mede shireru yoru no junjo kamuro-hen, Japan 2007

Manga-Taschenbuch, 174 Seiten

Egmont Manga & Anime, 09/2009

ISBN-10: 3770470842

ISBN-13: 978-3770470846

Erhältlich bei Amazon


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Erstellt: 06.10.2009, zuletzt aktualisiert: 15.09.2018 12:40