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Komet von Steph Swainston

Rezension von Christel Scheja

 

Das Genre der Fantasy bedient nicht immer nur den seichten Massengeschmack, denn immer wieder erscheinen auch Romane, die den Leser inhaltlich oder sprachlich herausfordern, die sich nicht in stereotypen Bahnen bewege, sondern wirklich bizarre und fremdartige Welten erfinden, die erst auf den zweiten Blick genau zu erfassen sind.

Einen solchen Roman präsentiert die 1974 geborene britische Autorin Steph Swainston, die zwar Archäologie studierte, heute aber als Informatikerin arbeitet.

 

Seit mehr als 2000 Jahren kämpfen die Bewohner von Vierlanden verzweifelt um ihr Überleben. Neben den Menschen gibt es noch die katzenhaften Rhydaner und die Awianer, menschenähnliche Wesen, die aber alle bis auf einen das Fliegen verlernt haben. Ihre Feinde sind Insekten, die immer wieder das Land überrennen.

Beherrscht wird es von einem unsterblichen Imperator, der sein ewiges Leben mit den Auserwählten des Kreises teilen kann. Zu Ihnen gehören die besten ihres Faches. So auch der Awianer Jant, der als einziger seines Volkes, dazu fähig ist, auch seine Flügel zu benutzen. Er ist der schnellste Bote im Land und so der Übermittler der Nachrichten. Immer wieder eilt er von Kriegschauplatz zu Kriegsschauplatz um die Kämpfenden zu organisieren, den Stand zu übermitteln und neue Anweisungen zu überbringen.

Überall hat er Freunde und Gefährten mit denen er fühlt. Und auch wenn es nicht immer leicht ist, sie kommen und gehen zu sehen, so bewahrt er sich doch seinen Mut und seine Hoffnung.

Aber Jant hat auch ein dunkles Geheimnis. Er ist süchtig nach der Droge Kat, die ihn auf einem surrealen Trip immer wieder in eine andere Welt führt. „Andernort“ ist seltsam vertraut, aber auch fremd.

Dann, als er erkennt, dass er durch seine Reisen die Lösung aller Probleme für das Land in den Händen hält, scheint es schon fast zu spät zu sein, denn die Insekten haben die Linien durchbrochen und überrennen Awia. Kann er noch rechtzeitig eingreifen, um den Untergang seiner Heimat zu verhindern?

 

Die Geschichte wird ganz aus dem subjektiven Blickwinkel von Jant erzählt. Der Leser erlebt den Krieg gegen die Insekten, die Begegnungen mit seinen Freunden, Gefährten und Fremden aber auch die drogengeschwängerte Visionen allein aus seiner Sicht mit. Dabei sind die Erfahrungen sehr subjektiv geprägt – man wächst aber um so mehr in den Charakter hinein. Durch die Vermischung der Fantasy-Welt mit einer Realität, die der unseren gleicht entsteht ein sehr verwirrender Eindruck mit vielen suggestiven Bildern, der den Roman aber gerade außergewöhnlich und interessant macht, da man schon sehr genau unterscheiden muss, wo man sich gerade befindet.

Auf der anderen Seite ist die Handlung selbst eher schlicht und besitzt keinen wirklichen Höhepunkt. Das ganze liest sich eher wie ein Kriegstagebuch, eine Aneinanderreihung von Ereignissen, durchzogen von unwirklichen Erlebnissen des Helden, die keine wirkliche Auflösung erleben.

Dazu kommt noch ein etwas holpriger Stil, der hin und wieder den Lesefluss stocken lässt, so dass „Komet“ einen sehr zwiespältigen Eindruck hinterlässt.

Einerseits halten manche Szenen dem Leser auf wirklich intelligente Weise den Spiegel vor und verzaubern mit psychologischen Spielereien, andererseits stolpert man immer wieder eine unglückliche Wortwahl und fragt sich am Ende nach dem Sinn, der hinter der Geschichte stecken will.

 

Daher ist Komet nicht uneingeschränkt zu empfehlen. Man muss schon bereit sein, sich auch auf die Schwächen des Buches einzulassen.

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Komet (The Year of our War)

Autor: Steph Swainston

Broschiert, 475 Seiten

Blanvalet, erschienen Januar 2007

ISBN 978-3-442-24364-8

Übersetzung aus dem Englischen von Alfons Winkelmann

Titelbild von Whelan & Wojtowicz

Erhältlich bei: Amazon

 

weitere Infos:


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Erstellt: 02.02.2007, zuletzt aktualisiert: 15.11.2019 13:41