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Leben mit Wölfen

Filmkritik von Christel Scheja

 

Rezension:

 

Wölfe üben auf uns Menschen inzwischen eine seltsame Faszination aus. Auf der einen Seite wirkt in uns immer noch die Furcht der Vorfahren nach, für die die Vorfahren der Hunde eine ernste Bedrohung waren, weil sie sich über das Vieh hermachten. Über viele Jahrhunderte waren die Tiere nur als reißende Bestien verschrien, die selbst vor Menschen nicht halt machten und galten als unberechenbare Einzelgänger.

Inzwischen weiß selbst das kleinste Kind durch die unermüdliche Arbeit der Naturforscher, dass diese Ansichten nur wenig Hand und Fuß haben. Es mag einzelne Wölfe gegeben haben, die sich so verhielten, weil sie ausgestoßen und alt waren – die gesunden und normalen Tiere aber passen nur wenig in das Bild, das man sich gemacht hat. Heute sieht man in ihnen zwar immer noch Raubtiere, zeigt aber auch ihre liebevollen und sanften Seiten.

 

Jim und Jamie Dutcher sind zwei der Tierfilmer und Wissenschaftler, die sich um die Wölfe besonders verdient gemacht haben. Gemeinsam haben sie sechs Jahre mit einem Rudel in den Sawtooth Mountains verbracht, um es zu studieren und die Seiten der Tiere zu zeigen, die bisher kaum jemand wahr genommen hat.

Die Dokumentation zeigt den langen und beschwerlichen Weg zu dem mehrfach Emmy-preisgekrönten Film „Unter Wölfen“, der ebenfalls auf der DVD zu finden ist. Zunächst nur Freunde und Partner mit einem gemeinsamen Ziel – wurden Jim und Jamie schließlich auch ein Paar, weil sie sich zu lieben gelernt hatten.

Da wilde Wölfe sehr scheu sind und Menschen nur auf Abstand heran ließen, machten sie sich die Mühe, selbst Welpen in einem geschützten Areal heranzuziehen. Sie versuchten sie so gut wie möglich natürlich aufzuziehen, gewöhnten sie aber auch an sich als Menschen, so dass sie später mit der Kamera nah genug an sie heran kamen.

Nach mehreren Fehlschlägen gelang das Experiment mit einigen Jungtieren, die sich nach und nach instinktiv zu einem richtigen Rudel zusammen schlossen. Die beiden Menschen konnten beobachten, wie sich ein Alpha-Tier als Rudelführer heraus schälten und die Rangfolge im Rudel Gestalt annahm. Zuneigungen und Bindungen, fürsorgliche Verhaltensweisen wirkten dabei fast menschlich – und die sanfte Verspieltheit untereinander bewies den sozialen Gemeinschaftssinn, der den Wölfen bisher abgesprochen wurde. Sie kümmerten sich umeinander, sie waren auch in schweren Zeiten füreinander da.

Das färbte ganz offensichtlich auch auf die beiden Menschen ab, denn die Wissenschaftlerin und der Tierfilmer lernten sich auch immer besser kennen und wurden ein Paar.

 

Die Dokumentation „Leben mit Wölfen“ verwebt beide Entwicklungen miteinander, während „Unter Wölfen“ das Ergebnis des ganzen zeigt, da es sich komplett auf das Rudel konzentriert und auf die Einbindung der beiden Macher fast gänzlich verzichtet.

Beide Filme haben ihren Reiz. „Unter Wölfen“ ist natürlich die eher sachliche Geschichte, in der es nur um das Rudel und sein Leben in der Wildnis geht. Man kann ihr allerdings auch die Leidenschaft für die Tiere ansehen – die persönliche Sicht der Dutchers auf ihre Forschungsobjekte, die sich leider auch in ihr Herz geschlichen haben.

„Leben mit Wölfen“ ist da ganz anders und quasi als groß angelegtes „Making-Of“ zu sehen. Man erfährt die Hintergründe – wie und warum die beiden sich dazu entschieden, Tiere aufzuziehen und sich nicht wirklich in die freie Wildbahn wagten – die Rückschläge und Erkenntnisse, bis ihnen endlich das gelang, was sie brauchten.

Natürlich wird dabei nicht geleugnet, dass die Tiere nur „fast“ wild sind – aber anders wären die Aufnahmen auch nicht möglich gewesen.

Gleichzeitig kann man miterleben, wie die Dutchers von Freunden zu Gefährten werden, da sie in der Arbeit viele Gemeinsamkeiten entdecken.

Das ganze ist sehr gefühlvoll aufbereitet und manchmal nicht gerade sachlich. Gerade wenn es um die beiden Forscher geht, wird die Dokumentation sehr sentimental und menschelnd – typisch amerikanisch übertrieben wird auf die Tränendrüse gedrückt.

Aber man nimmt es den Machern dennoch nicht so ganz übel, da sie den Zuschauer mit vielen schönen Aufnahmen entlohnen, die man sich auch als Poster an die Wand hängen könnte und einfach nur zum Schwelgen in den Bildern einladen. Dazu kommen Erkenntnisse und Entdeckungen, die die bisherigen Forschungsergebnisse anderer Forscher vertiefen und teilweise leicht umschreiben und auch dem erfahreneren Zuschauer einige neue Informationen bieten.

 

 

Fazit:

 

„Leben mit Wölfen“ und „Unter Wölfen“ sind vielleicht nicht ganz so sachlich wie andere Dokumentationen, erfüllen aber dennoch ihren Zweck. Einerseits nehmen sie den Wölfen den schlechten Ruf bei der Masse der Zuschauer, andererseits bieten sie auch den Kundigeren noch neue Informationen, die bereits bekannte Fakten vertiefen können.

Die Aufnahmen sind so liebevoll und freundlich, dass auch schon Kinder ihren Spaß an der Dokumentation haben können, so dass sich die DVD als Unterhaltung für die ganze Familie eignet.

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Oje, das hat nicht geklappt, Elfenwerk! 202302051831527f8b0508
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DVD:

Leben mit Wölfen

Dokumentation, USA, 2010

Format: Dolby, PAL

Sprache: Deutsch (Dolby Digital 2.0), Englisch (Dolby Digital 2.0)

Region: Region 2

Bildseitenformat: 4:3 - 1.33:1

FSK: Ohne Altersbeschränkung

Studio: Polyband & Toppic Video/WVG

Erscheinungstermin: 29. Oktober 2010

Spieldauer: 100 Minuten

ASIN: B003Y5N6YU

 

Erhältlich bei: Amazon

 


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Erstellt: 13.11.2010, zuletzt aktualisiert: 02.08.2022 20:01