Lucky Luke Gesamtausgabe Bd.24- 1999-2002
 
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Lucky Luke Gesamtausgabe Bd.24- 1999-2002

Rezension von Christoph Weidler

 

Band 24 der Gesamtausgabe um Lucky Luke ist schon ein recht besonderes Band, zeigt es doch, dass es trotz des Verlustes von Goscinny, nach anfänglichen Unsicherheiten, gelungen ist Lucky Luke im alten bekannten guten Stil fortzuführen, welches auch auf Morris guter Wahl an Textern zurückzuführen ist, und gibt gleichzeitig das Ende einer weiteren Ära bekannt. Die Meldung über den Tod von am 16. Juli 2001 erschüttert die gesamte Comicgemeinde. Morris (bürgerlicher Name Maurice de Bévère) der seit über fünfzig Jahren Lucky Luke zeichnete hinterlässt natürlich eine große Lücke, und obwohl er in seinem Testament festgelegt hat, dass auch nach seinem Tod Lucky Luke fortgeführt werden soll, wird die Zukunft zeigen ob dieses in seinem Sinne auch entsprechend qualitativ gut umgesetzt werden kann. Natürlich ist klar, dass ein Morris nicht zu ersetzen ist, sein Zeichenstil, sein Auge für Details und Liebe an humoristischen Umsetzungen ist einmalig, doch man darf mit einem positiven Blick in die Zukunft schauen da die zeichnerischen „Erben“ von Morris sicherlich in seinem Sinne die Reihe fortführen werden.

Morris Lebensleistung ist mehr als beeindruckend, sind da 31 Lucky-Luke-Bände für Dupuis, 41 Bände (inkl. Der beiden Kid-Lucky-Titel) plus 16 Bände Rantanplan für Lucky Comics, und er hat somit der Comicgemeinde ein unvergessliches Erbe hinterlassen, welches auch zukünftigen Generationen noch viel Spaß bescheren wird. Danke Morris für all die vielen Jahre voller Humor und guten Abenteuern, welche du uns mit Lucky Luke teilhaben lassen hast.

 

Aus der Schreibfeder des Texters Patrick Nordmann entstand die Geschichte „Der Prophet“ welche Morris zeichnerisch sehr gut in Szene gesetzt hat. Die USA, immer schon ein toleranter Ort wenn es um die verschiedenen Glaubensrichtungen geht, gibt hierzu den Heimatort vieler teilweise doch ein wenig obskuren Propheten. Diesem Einfluss können sich auch die Daltons nicht entziehen, als sie im Gefängnis auf den Propheten Moony treffen, der mit seinem hypnotischen Reden Averell in seinen Bann zieht. Zusammen mit den Daltons bricht der „Prediger“ aus dem Gefängnis aus, und zusammen suchen sie Zuflucht in der Mormonengemeinde Paradise Gulch – einem Ort voller Frieden, ohne Sünde und ohne Sheriff. Eigentlich auch ein traumhaftes Versteck für die Daltons, wo sie Luke niemals vermuten würde. Sogleich planen sie die friedvollen Bewohner von Paradise Gulch zu schröpfen, eigentlich ein Plan wo nichts schief gehen kann, wäre da nicht die Kleinigkeit dass die Mormonen, welche diesen Ort bevölkern, auch dem Geld abgeschworen haben. Doch die Daltons lassen sich nicht so schnell entmutigen und unternehmen allerlei Versuche den Bewohnern von Paradise Gulch das sündige Leben und das Geld schmackhaft zu machen. Ungeachtet dessen verfolgt der Prophet Moony ganz eigene düstere Pläne, denn er versucht die Mormonen zu bekehren und mit allen Mitteln bringt er sie dazu sich seiner Sekte anzuschließen. Der Konflikt zwischen ihm und den Daltons ist vorprogrammiert, denn Joe Dalton und seine Brüder lassen sich ungern die Wurst vom Brot nehmen. Lucky Luke, der natürlich den Daltons auf die Spur gekommen ist, kann sich also mehr oder weniger zurücklehnen und als lachender Dritter in der Runde schauen wie sich die beiden Seiten gegenseitig schachmatt setzen.

Eine schöne Geschichte, welche besonders durch ihre vielen kleinen Gags lebt und einmal ein völlig anderes Abenteuer der Daltons bietet.

 

„Der Kunstmaler“, Story von Bob de Groot, ist ein weiteres Abenteuer mit historischen Bezug und widmet sich dem amerikanischen Wild West Maler, Illustrator und Bildhauer Frederic Sackrider Remington (1861 – 1909), welcher mit seinen realistischen, teilweise etwas romantisch verklärten Werke über den Wilden Westen weltberühmt wurde. So hat Morris auch bekannte Bilder des Künstler wie „The Scout: Friends or Foes“ (entstanden zwischen 1900 und 1905), „Attack on the Supply Wagons“ (entstanden 1905) und „A Row in a Cattle Town“ (entstanden 1887) in der Geschichte einließen lassen und man kann sich somit auch einen kleinen Eindruck über die Einmaligkeit von Remingtons Werken machen. Gerade Remingtons Wesen und hemmungslose Vorliebe für Essen und Trinken, wie ebenso seine bekannte Rauflust, haben de Groot und Morris in ihrer Geschichte über den Künstler, bekannt leicht überspitzt, perfekt in Szene gesetzt und so machen Luke und Remington einen humorvollen Reise durch den Wilden Westen.

 

Als letztes Abenteuer in dieser Gesamtausgabe kommt „Eine Wildwest Legende“ (Text: Patrick Nordmann) her, es ist das letzte Abenteuer welches Morris noch vor seinem Tod umgesetzt hatte. Die Story widmet sich dem großen Wildwest-Zirkus von William Frederick Cody (1846 – 1917) alias Buffalo Bill, welcher mit seinem 1883 gegründeten Wild-West-Show, in der namenhafte Persönlichkeiten wie Annie Oakley, Sitting Bull oder Geronimo aufgetreten sind auch bis nach Europa einem legendären Ruf erhielt. Dort soll auch Lucky Luke als Wildwest-Legende unter Vertrag genommen werden, welches er bescheiden aber bestimmt ablehnt. Als Ersatz plant Buffalo Bill die vier Daltons in seinen Programm aufzunehmen, aber da sie mal wieder im Gefängnis sitzen lässt er sie durch vier Schauspieler doubeln. Sehr zum Ärger der wahren Daltons, die durch ihren neuen indirekt erschaffenen Ruhm ein wenig überwältig werden. Kurzerhand nehmen sie sich einen Manager, brechen aus dem Gefängnis aus und sorgen für viel Chaos als sie in Buffalo Bills Wildwest-Zirkus auftauchen und ihrerseits an echtem Ruhm und Ehre zu gelangen. Als dieses so nicht klappt, gründen sie die „Original Daltons Western Show“, leider ohne entsprechende Erfahrung im Showgeschäft einfach zum Scheitern verurteilt. Am Ende gibt es nur einen wahren Star, und das ist Lucky Luke und das gänzlich ohne Zirkus, denn wie er so schön sagt: „Ich habe lediglich einen Namen, aber nicht das Zeug zu einer Wildwest Legende“.

Wenn sich da der gute Luke nicht täuscht, denn Morris hat unseren „Lonesome Cowboy“ schon lange zu einer Legende gemacht, und das mit großen Erfolg.

Es ist purer Zufall, aber dennoch kann man sagen dass der Titel der Geschichte „Eine Wildwest Legende“ mehr als passt um die große Ära um Morris abzuschließen und dieses hat er in seiner zeichnerischen Qualität mehr als gut in dieser Story gemacht.

 

Band 24 der Lucky Luke Gesamtausgabe ist ein fast abschließender Meilenstein in dieser Reihe und wenn man Band 1 bis Band 24 Revue passieren lässt, genießt man die Entwicklung die Luke dank Morris, Goscinny und allen anderen Textern in den Jahrzehnten gemacht hat. Gespannt darf man auf die zukünftigen Bände der Gesamtausgabe sein, denn obwohl es erst hieß dass diese Reihe mit Band 24 endet, wird es dieses Jahr noch Band 25 geben, welches die Zeit nach Morris beleuchtet und man darf hoffen, dass mit kommenden Neuerscheinungen der Abenteuer um Lucky Luke dann auch diese Reihe der Gesamtausgabe, welche durch ihre sehr gute Umsetzung, den schönen Hintergrundinformationen und Aufmachung ein Highlight aller Luke Fans ist, weiter fortgeführt wird.

 

Oje, das hat nicht geklappt, Elfenwerk! 20240222050134b6012706
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Comic:

Lucky Luke Gesamtausgabe Bd.24- 1999-2002

Zeichnungen: Morris / Text: Patrick Nordmann, Bob de Groot

Gebundene Ausgabe: 160 Seiten

Verlag: Ehapa Comic Collection - Egmont Manga & Anime (März 2008)

Sprache: Deutsch

ISBN-10: 3770431170

ISBN-13: 978-3770431175

Erhältlich bei Amazon

 

 

Lucky Luke Geschichten in diesem Band:

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Der Prophet

Der Kunstmaler

Eine Wildwest Legende

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Erstellt: 14.03.2008, zuletzt aktualisiert: 31.12.2023 11:30, 6052