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Macao (Brettspiel)

Rezension von Thomas Pichler

 

Macao ist zwar heute eher als Stadt des Glücksspiels bekannt, doch das war nicht immer so: Im 17. Jahrhundert war die Stadt im Süden Chinas ein wichtiges Handelszentrum. Wertvolle Güter aus Asien fanden über die portugiesische Kolonie ihren Weg nach Europa. Der richtige Ort also, um Reichtum und Prestige zu erlangen. Genau das ist das Ziel, das die Spieler im gleichnamigen Brettspiel verfolgen: Wer am meisten Prestige sammeln kann, darf sich zu Spielende als Sieger feiern.

 

Produktbeschreibung auf der Verpackung

Macao, die geheimnisumwitterte Hafenstadt an der Südküste Chinas, ist gegen Ende des 17. Jahrhunderts der portugiesische Handelsposten im fernen Osten. Schlüpft in die Rolle tatkräftiger Abenteurer und wagemutiger Glücksritter. Ob als Kapitän oder Gouverneur, als Handwerker oder Gelehrter, zahlreiche spannende Aufgaben und Herausforderungen erwarten euch. Wer nutzt seine vielfältigen Aktionsmöglichkeiten am klügsten? Wer hat den besten Plan und kann am Ende das meiste Prestige vorweisen?

 

Aufmachung

Die Coverillustration des Spätrenaissance-Handelsfahrers trifft gut das, worum es im Spiel letztendlich geht: Prestigegewinn durch Handel und verwandte Tätigkeiten. Auch der Spielplan und die Tableaus für die Spieler sind ansprechend, weil stilistisch passend. Bei den Karten dagegen frage ich mich, ob etwas größere, vielfältigere und somit ansprechendere Illustrationen zu viel verlangt wären. Jedenfalls sind alle Karton-Teile von akzeptabler, doch nicht überragender Qualität.

 

Die vielen kleinen hölzernen Würfel, hier als Aktionssteine, fallen in diesem Preissegment heutzutage schon praktisch unter Standardausstattung, sind aber immer noch erfreulicher als Plastik. Vom Material her gefällig sind auch die hölzernen Schiffe für die Spieler sowie die Scheiben für Prestigezählung und Festlegung der Zugreihenfolge.

 

Spielregeln

Das achtseitige Regelwerk präsentiert Spielvorbereitung, regulären Rundenverlauf und Spielende in logischer und durchaus übersichtlicher Reihenfolge. Die spielmechanischen Prinzipien sind damit gut zu verstehen, ein wirkliches Gefühl für den Spielverlauf allerdings kann das Heft nicht vermitteln. Dazu ist eine Probepartie unbedingt erforderlich, was allerdings keinen Vorwurf darstellt; die Spielregeln intuitiv verständlicher zu beschreiben würde wohl zumindest die doppelte Seitenzahl erfordern.

 

Das größte Problem des Regelhefts ist vielmehr, dass letztendlich nicht explizit geregelt wird, wie im Zweifelsfall die Zugreihenfolge zu Spielbeginn festzulegen ist. Die implizite Pseudoregelung geht davon aus, dass alle Spieler dem mit Gleichmut begegnen werden – was aber angesichts der Bedeutung der Zugreihenfolge nicht vorausgesetzt werden sollte.

 

Spielverlauf

Eine Partie Macao ist schnell vorbereitet, da zunächst im Prinzip nur einige Marker richtig am Spielbrett platziert und die Karten richtig auseinandersortiert werden müssen. Das farbliche Sortieren der hölzernen Aktionssteine und der Spieler-Besitzmarken dagegen kann letztendlich auch spielbegleitend erfolgen.

 

In einer Spielrunde wird zunächst mithilfe von zwei Ämterkarten sowie vier Bauwerks- oder Personenkarten ermittelt, wie viel Gold diese Runde wie viel Prestige bringt. Dann wählt entsprechend der aktuellen Zugreihenfolge jeder eine Karten, die auf sein Tableau kommt. Dann würfelt ein beliebiger Spieler alle sechs farbigen Würfel.

 

Dieser Wurf gibt vor, wie viele Aktionssteine Spieler in dieser Runde in jeder Farbe bekommen können. Jeder muss sich dabei für zwei Farben entscheiden und diese Entscheidung genau überdenken. Denn bei hoher Augenzahl gibt es viele Steine in der Farbe und somit viel Handlungsspielraum, doch werden die Steine erst in einigen Runden tatsächlich verfügbar. Ein einzelner Stein dagegen kann noch in der gleichen Runde genutzt werden, bietet aber nicht besonders viele Möglichkeiten.

 

Mit der richtigen Kombination farbiger Aktionssteine kann einmal pro Runde ein Stadtteil in besitz genommen werden, um so ein Waren- oder Jokerplättchen zu bekommen. Ebenfalls nur mit den passenden Steinen ist es möglich, Karten zu aktivieren, damit ihr Effekt nutzbar wird. Teilweise auch löst erst die Abgabe von Aktionssteinen den Karteneffekt aus – etwa, wenn man mit Ämterkarten Gold erwirtschaftet. Andere Karten bringen beispielsweise unter bestimmten Voraussetzungen oder aber zu Spielende zusätzliches Prestige.

 

Beliebige Steine erlauben es, das eigene Schiff zu bewegen, um Waren in europäische Häfen zu bringen und auch so das eigenen Prestige zu mehren. Außerdem können Aktionssteine geopfert werden, um auf der sogenannten Mauer vorzurücken. Das kann sich durchaus lohnen, denn die Reihenfolge der Spielerplättchen dort gibt die Zugreihenfolge vor – sodass man nach dem Vorrücken in der nächsten Runde bei der Kartenwahl, der Inbesitznahme von Stadtteilen oder auch Warenlieferungen Gegnern zuvor kommen kann.

 

Ganz ohne Aktionssteine kann man nur Gold für Prestige ausgeben, was bei einem guten Kurs auch dringen anzuraten ist. Immerhin geht es zu Spielende einzig und allein um eben dieses Prestige. Dabei bekommt zwar jeder noch Extrapunkte für das größte von ihm kontrollierte zusammenhängende Stadtviertel und muss eventuell auch Strafpunkte für nicht aktivierte Karten hinnehmen. Gold allerdings ist zu Spielende völlig bedeutungslos – schon im 17. Jahrhundert war wie im modernen Bankwesen wichtiger Schein relevanter als nicht Pleite sein.

 

Die vom Hersteller angegebene Spieldauer wird in der Praxis dabei eher über- denn unterschritten. Sowohl neue Spieler, die sich erst in Macao einfinden müssen, als auch eingefleischte Taktierer, die wirklich drei Runden vorauszuplanen versuchen, können leicht dazu beitragen, dass es doch etwas länger dauert.

 

Spielspaß

Die Achillesferse von Macao sind die ersten Spielrunden, solange die Spieler mit sehr wenigen Aktionssteinen auskommen müssen. In den ersten beiden Runden passiert außer der Inbesitznahme von Stadtteilen meist wenig. Sicher, wenn der Gold-Prestige-Kurs gut steht, wird jeder kaufen – aber das ist dann letztendlich nur eine abrechnungstechnische Nullpunktsverschiebung. Die dritte Runde oder vierte Runde muss oft ein Teil der Spieler ganz aussetzen, weil sie bei der Wahl ihrer Aktionssteine unvorsichtig waren oder Pech hatten. (Etwa jede 26. Partie fallen die Würfel sogar so, dass es gänzlich unmöglich ist, für die dritte Runde Aktionssteine zu bekommen. Das habe ich zugegebener Maßen nur ausgerechnet, weil es mir schon im dritten Test passiert ist; der Wert ist dennoch etwas hoch.)

 

Spieler, die auch bei Strategie- und Taktikspielen sichtbare Action wollen, könnten daher mit Macao vorzeitig die Geduld verlieren. Denn erst zur Halbzeit hin kommt die Partie wirklich in Schwung, wenn auch endlich eine größere Zahl an Karten aktiviert wird. In den späteren Spielrunden wiederum gewinnt auch die Warenverschiffung an Bedeutung. Während ich im Test mit vier Spielern nie erlebt habe, dass in den ersten sechs Runden auch nur ein Warenplättchen abgeliefert wurde, gibt es dann regelrechte Wettrennen um die prestigeträchtige Erstanlieferung.

 

Wer sich ein eiskaltes Taktikspiel erwartet, ist bei Macao dabei nicht ganz an der richtigen Adresse. Dazu bringen die Karten und Würfel eine zu große Portion Glücksfaktor mit sich. Ich erwähnte ja bereits, dass es alle 26 Partien schlicht und ergreifend keine Aktionssteine für die dritte Runde geben kann. Die Chancen, dass eine bestimmte Farbe einfach nicht zur richtigen Zeit verfügbar wird, sind da noch bedeutend höher. Wie schwer kann es sein, gleichzeitig einen Stein einer und zwei einer anderen Farbe zu haben? „Zum heulen“ ist da eine spielemotionale, aber leider sehr treffende Antwort.

 

Die Spielerzahl wirkt sich bei Macao übrigens relativ deutlich auf das Spiel aus, schon allein, weil bei nur zwei Personen wesentlich länger billige Stadtteile verfügbar bleiben. Da bleiben mehr Aktionssteine für andere Dinge und das Waren-Wettrennen startet entsprechend früher. Auch verliert die Mauer an Bedeutung – erster oder zweiter in der Zugreihenfolge ist einfach nicht so wichtig wie erster oder vierter. Bei drei Personen liegt das Erlebnis wie die Spielerzahl irgendwo in der Mitte.

 

Fazit

Die Spätrenaissance als Hintergrund eines Handelsspiels ist nicht neu, doch Macao wartet mit ungewöhnlichen spielmechanischen Ideen auf, die auch sehr vielversprechend klingen. In der Praxis erweist sich allerdings der Glücksfaktor als etwas hoch, was sicher nicht jedem eingefleischten Genrefan schmecken wird. Für Gelegenheitsspieler wiederum stellt sich aus meiner Sicht die Frage, ob die Spieldauer nicht etwas hoch ist. So interessant ich das Spiel selber finden mag: Hier ist Probespielen vor dem Kauf ganz dringen anzuraten.

 

(zum Vergrößern anklicken)

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MEDIUM:

Macao

Autor: Stefan Feld

Illustrationen & Design: Harald Lieske

Cover-Illustration: Julien Deval

Verlag: Ravensburger/Alea

ASIN: B002PU9DVK

Spielerzahl: 2-4

Altersempfehlung: Ab 12 (lt. Verlag)

Spieldauer: 60 – 100 Minuten

Erhältlich bei: Amazon


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Erstellt: 10.02.2010, zuletzt aktualisiert: 16.02.2018 17:50