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Macht und Verrat von David Anthony Durham

Reihe: Acacia Band 1

 

Rezension von Christel Scheja

 

Es gibt immer wieder Autoren, die nicht nur eingetretenen Pfaden folgen, sondern ihren ganz eigenen Weg gehen und damit auch Erfolg haben. Zu ihnen gehört auch der 1969 geborene Literaturprofessor und Autor David Anthony Durham, der nach einigen Jahren in Schottland nun wieder mit seiner Familie in den Staaten lebt und an der Cal State University in Fresno unterrichtet. Nachdem er bereits mit einem Roman über Hannibal und Karthago Erfahrung im historischen Bereich gesammelt hat, wagt er mit „Acacia - Macht und Verrat“ seinen ersten Ausflug in die Fantasy.

 

Viele Jahrhunderte währt bereits der Herrschaft der Familie Akaran über den größten Teil der bekannten Welt. Während seine Vorfahren immer wieder Länder eroberten und blutig Aufstände nieder schlugen, ist König Leodan eher zufrieden, das Reich von seiner Heimat, der Insel Acacia aus zusammen zu halten und für das Wohl aller Bürger des Landes zu sorgen. Und er scheint mit dieser Politik Erfolg zu haben, den Frieden und Eintracht hat vielen Wohlstand gebracht.

Was er aber nicht ahnt ist, das unter der friedlichen Idylle bereits wieder Rebellion schwelt. Im rauhen und eisigen Land der kriegerischen Mein, hoch im Norden, rüstet Hanish, der Fürst des Landes heimlich seine Krieger aus und verbündet sich mit einem bisher unbekannten Volk, um im rechten Moment anzugreifen. Und dieser soll gekommen sein, wenn König Leodan durch die Hand eines Attentäters fällt.

Der heimtückische Mörder ist bereits auf verschlungenen Wegen auf die Insel Acacia gelangt. Den Weg in den Köngispalast aber muss ihm ein anderer ebenen - ein Verräter unter den engsten Vertrauten des Königs.

Als der Plan gelingt, schlagen die Mein los und erobern das Reich im Handstreich. Doch als Hanish Mein und seine Vertrauten die Insel erreichen, erleben sie eine Überraschung. Der Mann, der bisher auf ihrer Seite gestanden hat, ist erneut zum Verräter geworden, dies mal an ihm. Anstatt die Kinder des Königs festzuhalten und auszuliefern ist er mit ihnen verschwunden. Nur Corinn, die älteste Tochter konnte noch gefangen genommen werden, ihre Geschwister Aliver, Mena und Dariel bleiben verschwunden. So ist der Sieg nicht vollkommen und auch wenn die Mein sich nun als Herren des Reichs gebärden, so müssen sie doch damit leben, dass noch Akaran-Nachfahren leben, die eines Tages blutige Rache nehmen könnten.

Hanish Mein lässt zwar nach ihnen suchen, aber die Spuren sind verwischt und lassen sich nicht mehr nachverfolgen. So kann er nur wilden Gerüchten nachgehen, die sich oft genug in Luft auflösen. Er kann nur ahnen, dass sich Getreue der Familie sich ihrer angenommen haben und sie entsprechend aufziehen und ausbilden werden.

 

Sicherlich erzählt „Acacia - Macht und Verrat“ keine neue Geschichte. Das Thema ist klassisch - der Sturz eines Königsgeschlechts, das über viele Jahre ein Reich beherrschte ist schon oft Thema von historischen oder phantastischen Romanen gewesen, so etwa in Epen wie „Ein Lied von Eis und Feuer“ von George R. R. Martin. Anders als viele andere Autoren macht es sich David Anthony Durham aber nicht gerade einfach. Es gibt keine klar unterscheidbaren Seiten. Jede der Parteien hat ihre klaren und nachvollziehbaren Beweggründe und Motive, handelt aus bestem Wissen heraus und versucht sich einen eigenen Vorteil zu verschaffen. Er nimmt sich die Zeit, seine Figuren und ihr Umfeld sorgfältig einzuführen, um ihren Charakter und ihre Perspektive heraus zu arbeiten. Was hat sie geprägt und dazu bewogen so und nicht anders zu handeln? Wie reagieren sie auf die Veränderungen und inwieweit sind sie bereit sich den neuen Gegebenheiten anzupassen? Werden sie ihre Vergangenheit verleugnen oder eines Tages dazu stehen?

Vor allem den Geschwistern Akaran, die durch das Exil geprägt und verändert werden, sieht man diese Entwicklung an. Auch der Verräter bekommt nach der Flucht der Kinder eine interessante Rolle zugeteilt..

Durham legt vor allem Wert auf die zwischenmenschlichen Beziehungen und Intrigen. Deshalb werden Schlachten oft auch nur am Rande behandelt, Ereignisse und Entwicklungen im Reich manchmal gerafft. Es interessiert ihn mehr, zu beschreiben, wie die Leute auf die Ergebnisse reagieren und nicht, wie sie herbei geführt werden. Zwar wird die Gewalt sehr eindringlich geschildert, existiert aber nicht nur zum reinen Selbstzweck.

Auch bei der Schilderung von Orten, Landschaft und Kulturen hält er sich zurück. Es geht ihm nicht darum, eine möglichst exotische Fantasy-Welt zu erschaffen, sondern vor allem in ihren Figuren aufleben zu lassen. Deshalb gibt es keine exotischen Rassen oder Fabeltiere - man kommt auch mit sehr wenig Magie aus.

Die vielen unterschiedlichen Handlungsebenen und Figuren machen „Acacia“ schwer verdaulich. Zwar ist die Lektüre spannend, eignet sich aber nicht zum bloßen Überfliegen. Man muss schon alles genau lesen, um auch wichtige Details mit zu bekommen.

 

Daher wendet sich „Acacia - Macht und Verrat“ vor allem an die Leser, die einen komplexen Hintergrund mit vielen Entwicklungen und vielschichtigen Figuren schätzen. und nicht nur auf seichte Unterhaltung aus sind. Das Buch fordert viel Aufmerksamkeit vom Leser, man wird aber auch mit einer Handlung belohnt, die man so schnell nicht mehr vergisst.

 

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Eure Meinung:

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Buch:

Macht und Verrat

Reihe: Acacia Band 1

Autor: David Antony Durham

Taschenbuch, 797 Seiten

Blanvalet, Februar 2008

Übersetzer: Norbert Stöbe

Titelbild: Mikko Kinnunen

 

ISBN 978-3-442-24494-2

 

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 03.03.2008, zuletzt aktualisiert: 09.09.2019 19:03