Maria von Nazareth (DVD)
 
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Maria von Nazareth

Filmkritik von Christel Scheja

 

Rezension:

 

Die meisten Verfilmungen über das Leben Jesu konzentrieren sich auf genau diesen Mann und machen alle anderen neutestamentarischen Figuren zu Statisten oder allenfalls Stichwortgebern. Oder sie räumen allenfalls seinen Jüngern eine größere Rolle im Leben und Sterben des Religionsgründers ein. Die Frauen geraten sehr oft ins Hintertreffen, insbesondere seine Mutter – Maria.

 

Ein Film widmet sich nun ganz und gar „Maria von Nazareth – Mutter Jesu“. Die Geschichte beginnt in der nordjudäischen Stadt, kurz vor der Zeitenwende. Die Menschen wissen zwar um die Herrschaft der Römer, aber ihr tägliches Leben beeinflusst das wenig. Maria ist eine der jungen Frauen im heiratsfähigen Alter und ragt doch ein wenig aus der Masse der anderen Mädchen heraus. Sie ist klug und liebenswert, aufmerksam, aber ebenso wenig auf den Mund gefallen. Noch hat sie kein Interesse daran, das Werben eines der Männer anzunehmen – auch wenn ihr ganz offensichtlich der zurückhaltende Zimmermann Josef gefällt.

Eines Tages hat sie eine Vision. Eine Stimme verkündet ihr, dass sie ein Kind empfangen habe, und tatsächlich stellt sie schon bald fest, dass sie schwanger geworden ist. Zunächst geht sie zu Verwandten in die Berge, weil sie Angst vor den Reaktionen der anderen hat – dann aber wird doch alles gut, denn Josef ist mehr als bereit, sie zu heiraten.

Damit beginnt die testamentarische Geschichte. Aufgrund einer Volkszählung muss das junge Ehepaar nach Bethlehem reisen, um sich dort registrieren zu lassen. Dort kommt auch der kleine Jesus zur Welt.

Die Geschichte erzählt in weiteren Episoden von der Flucht nach Ägypten, der Rückkehr in die alte Heimat ein paar Jahre später, das Heranwachsen von Jesus und seine ersten Schritte auf dem Weg zum Religionsgründer. Vielleicht ist Maria auf den folgenden Stationen seines Lebens nicht immer mit dabei, aber sie wird immer wieder zu seinem Anlaufpunkt, dem ruhenden Pol in seinem Leben und zur liebevollen Freundin und Gefährtin für manch einen seiner anderen Anhänger. Doch trotz aller Hoffnung bleibt ihr das bittere Ende nicht erspart.

 

Die Geschichte folgt sehr streng den Evangelien und weicht nur wenig von deren Aussagen ab, deshalb muss nicht viel zu der Handlung selbst gesagt werden. Die Eigeninterpretation des Geschehens durch Regisseurs und Schauspieler ist eher verhalten und wirkt behutsam. Auch wenn Dialoge und Szenen durchaus der Bibel folgen, so geht es dennoch nicht um eine werkgetreue Umsetzung.

Die philosophische Seite des Geschehens wird zwar nicht vergessen, im Mittelpunkt stehen aber mehr die Menschen in ihrem alltäglichen Umfeld. Es sind selten die großen Taten, die Maria mitverfolgt als die kleinen Dinge, die ihr Sohn in Bewegung bringt, sei es durch seine Hilfe, sei es auch nur durch Rat und Tat. Und sie selbst wird zu seiner Ratgeberin in Dingen, die er wenig versteht.

Dabei geht es dem Film nicht darum, die Realität nachzuzeichnen und die düsteren wie brutalen Seiten heraus zu heben. In den gut anderthalb Stunden schwingt eine gewisse märchenhaft-poetische Naivität mit, die ihn ein wenig der Wirklichkeit entrückt, aber doch zu sehr gut passen scheint.

Auf der anderen Seite vermeidet der Film jeglichen Kitsch und hält sich auch mit Klischees und Archetypen zurück, so dass am Ende niemand seelisch und moralisch angegriffen wird und alles in allem eine intensive Atmosphäre entsteht, die einen noch eine Weile gefangen hält. Der Film selbst kommt in einer eher sparsamen Ausstattung daher, ohne Extras und fremdsprachige Tonspur.

 

 

Fazit:

 

„Maria von Nazareth“ hebt die positiven menschlichen Aspekte der biblischen Geschichte hervor und führt gerade junge Zuschauer behutsam in das neue Testament ein. Er geht bewusst achtsam mit den Aussagen und Darstellungen um, damit sich niemand in seinem Glauben verletzt fühlt und zeigt, wie man das Leben Jesu auch präsentieren kann, ohne Kontroversen hervor zu rufen.

 

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Oje, das hat nicht geklappt, Elfenwerk! 20240418121619345f487f
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DVD:

Maria von Nazareth

Frankreich/Europa 1995

Regisseur: Jean Delannoy

Komponist: Olivier Lliboutry

Sprache: Deutsch (Dolby Digital 2.0)

Bildseitenformat: 16:9 - 1.77:1

Umfang: 1 DVD

Spieldauer: 105 Minuten

FSK: 6

Polyband & Toppic Video/WVG, 30. Oktober 2009

 

ASIN: B002I1XG8W

 

Erhältlich bei: Amazon

 

Darsteller:

Myriam Müller

Didier Bienaimé

Francis Lalanne


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Erstellt: 07.01.2010, zuletzt aktualisiert: 16.03.2023 18:04, 9828