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Maximilian – Das Spiel von Macht und Liebe

Rezension von Christel Scheja

 

Nachdem historische Stoffe ja doch den ein oder anderen Zuschauer vor den Fernseher locken, produzieren ARD und ZDF, so wie auch die Privaten gelegentlich schon einmal mit anderen europäischen Ländern zusammen Historienschinken im TV-Film oder Miniserien-Format, wenn sie sich nicht an eine Serie heran wagen wollen.

Thematisch scheint im Moment der Flickenteppich Deutschland – gefangen zwischen Mittelalter und Renaissance besonders faszinierend zu sein. Immerhin hat man nicht nur länger die Adligen, die sich bekriegen, sondern auch das immer mehr erstarkende Bürgertum als dritte Macht im Hintergrund.


1477 fällt Karl der Kühne, Herzog von Burgund in der Schlacht von Nancy und hinterlässt als Erben nur seine Tochter Maria. Diese darf allerdings alleine nicht über das reiche Herzogtum regieren und sollte daher so schnell wie möglich heiraten. Und deshalb sind gleich mehrere Parteien mehr als interessiert.

Allen voran streckt Frankreich, das sich nun das Land ohne weiteren Kampf aneignen möchte, die Finger nach Burgund aus, auch wenn der Dauphin noch sehr jung ist und kaum im heiratsfähigen Alter.

Aber auch der Kaiser des heiligen Römischen Reiches, Friedrich III. ist mehr als interessiert. Der Habsburger und König von Österreich möchte durch die Pfründe, die eine Heirat Marias mit seinem Sohn Maximilian einbringen könnte, eine bessere Stellung gegen den Herrscher von Böhmen und die deutschen Kurfürsten erlangen.

Doch genau das wird ihm nicht so einfach gemacht. Zum einen steuern die Fürsten und die Franzosen dagegen, zum anderen ist auch sein eigenwilliger Sohn eine Sache für sich.

Immerhin begreift der recht schnell, worum es ihm als Prinz gehen muss und stellt sich zusammen mit Maria der Herausforderung, als er diese persönlich kennen lernt. Nur eines hat er nicht erwartet – dass aus der politischen Hochzeit bald weit mehr wird.


Die Geschichte, die erzählt wird, deckt nur einige wenige Jahre ab, genauer die zwischen 1477 und 1482. In diesen passieren aber genug Dinge, die den jungen Mann fürs Leben prägen werden. Der Jüngling reift zum Mann heran und lernt im Kampf um Burgund die Spielregeln, die ein guter Herrscher kennen muss. Gleichzeitig bewahrt er anders als sein Vater Volks- und Bürgernähe, was ihm später zu Gute kommt.

Die drei Folgen zeigen sehr akribisch das Zusammenspiel der verschiedenen Mächte in Deutschland, das Erstarken von bürgerlichen Kaufmannsfamilien wie die der Fugger und ihre Einmischung in die Politik, gleichzeitig aber auch die Ränkespiele an den drei wichtigen Höfen, mit dem die jungen Leute erst einmal klar kommen müssen, wie auch mit den Tücken und Gefahren des alltäglichen Lebens, wie der Pest, die der junge Maximilian gerade so eben überlebt.

Interessant sind die vielen Spielszenen schon, ziehen das ganze aber etwas in die Länge. Die Kämpfe auf dem Turnierplatz (immerhin muss man Maximilians Beinamen „Der letzte Ritter“ auch noch Tribut zollen) und die Schlachten sind hingegen sehr opulent, ja fast schon künstlerisch inszeniert und bringen Bewegung in die Handlung.

Alles in allem setzt man hier aber doch mehr auf das Miteinander der Figuren, damit sie sich entwickeln können und die groß angelegten Pläne auch in aller Ausführlichkeit und für den unaufmerksamsten Zuschauer sichtbar werden. Dabei achtet man bewusst auf Zwischentöne, niemand ist nur „gut“ oder nur „böse“, sondern eben menschlich. Die Charaktere bleiben auf einem oberflächlichen Niveau, auch wenn man die ein oder andere Sympathie entwickeln kann. Freiheiten erlaubt man sich mehr oder weniger nur bei den Nebenfiguren, Maria und Maximilian lässt man so weit wie möglich unangetastet.

Alles in allem hapert es etwas mit der Spannung, braucht die Mini-Serie doch sehr lange, um in die Gänge zu kommen und die beiden Hauptfiguren überhaupt erst zusammen zu bringen.

Von der Ausstattung her ist die Serie erstklassig. Man hat sich bemüht, so authentisch wie möglich zu bleiben, aber auch die Höfe voneinander abzuheben, damit schnell erkennbar wird, wer eigentlich arm und wer hier reich ist. Die Schauplätze und die Schauspieler sind meistens unverbraucht und spielen sehr natürlich, so dass man ihnen die Figuren durchaus abnimmt.

Zudem hat man versucht die Ereignisse in Maximilians und Marias Leben so genau wie möglich wieder zu geben, für zusätzliche Dramatik sorgen ein paar frei erfundene Nebenfiguren.

Bild und Ton sind auf der Höhe der Zeit, Extras gibt es keine, auch wenn eine Dokumentation oder ein Making-of schön gewesen wären.


Fazit:


„Maximilian – Das Spiel von Macht und Liebe“ ist eine ambitioniert gestaltete Historienserie, die sich durchaus sehen lassen kann Optisch herausragend und bei manchen Szenen experimentell krankt sie aber doch wieder an einer Handlung mit Längen, die ein paar kleinere Straffungen nötig gehabt hätte, um das ansonsten positive Bild zu zu verstärken.



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Eure Meinung:

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DVD:

Maximilian – Das Spiel von Macht und Liebe

Regisseur: Andreas Prochaska

Format: Dolby, PALnRC 2

Sprache: Deutsch (Dolby Digital 5.1)

Bildseitenformat: 16:9 – 1.77:1,

Umfang: 2 DVDs

FSK: 12

Polyband/WVG, 4. Oktober 2017

Produktionsjahr: 2017

Spieldauer: 270 Minuten

 

ASIN: B06XP9S1BP

 

Erhältlich bei: Amazon

DarstellerInnen:

  • Jannis Niewöhner
  • Christa Théret
  • Tobias Moretti
  • Jean-Hugues Anglade
  • Alix Poisson

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Erstellt: 10.11.2017, zuletzt aktualisiert: 22.11.2019 07:56