Medal Of Honor: Vanguard (PS2)
 
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Medal Of Honor: Vanguard (PS2)

Rezension von Björn Backes

 

Die Shooter-Serien mit echter Tradition sterben langsam aus. Dies hat vor allem zwei Gründe: einerseits gelingt es den Entwicklern kaum noch, die Storys dauerhaft innovativ zu halten, und andererseits versperrt man sich durch das Festhalten an bestimmten Inhalten den technischen Möglichkeiten und vor allem den Optionen, die von der Konkurrenz in bester Innovation ins Rennen geschickt werden. Eine der letzten Reihen neben „Call Of Duty“, die hier wirklich noch von sich reden machen darf, ist „Medal Of Honor“. Seit Jahren als fester Bestandteil der WWII-Shooter-Szene gesetzt, hat sich der Prestigetitel mittlerweile auch schon ins neue Konsolenzeitalter bewegt. Nicht jedoch, ohne vorab noch von überholter Hardware wie der PS2 Abschied zu nehmen. Gebührend? Nun, nicht ganz.

 

Inhalt:

Während manche Kritiker ganz klar anlasten, dass sich die Spieldesigner im Entwicklungsprozess von „Vanguard“ bereits komplett auf die Hardware-Fortschritte des Nachfolgers „Airborne“ konzentriert haben, erweist sich das letzte „Medal Of Honor“-Game der vorherigen Generation als allzu typischer Genre-Beitrag, dem es ganz klar an besonderen Elementen mangelt. Zum wiederholten Male sieht man sich in der Rolle eines Corporals damit konfrontiert, die feindlichen deutschen Truppen aus der Reserve zu locken und den bösartigen Gegner in den verschiedensten Regionen Europas niederzumachen. Protagonist Frank Keegan spielt dabei aber im Grunde genommen nur eine untergeordnete Rolle, da er im Hinblick auf seinen Background als Figur austauschbar ist.

Die Action ist insofern der zentrale Punkt des Spiels und kommt als solche auch nicht zu kurz. Gemeinsam mit einer Truppe Fallschirmjäger streift man vom Stützpunkt Sizilien beginnend durch das umkämpfte Frankreich, wildert durch die Normandie, ballert unter den niederländischen Windmühlen und stößt schließlich nach Deutschland durch, wo der eigentliche Feind wartet und die Mission ein Ende finden soll. So weit, so gut. Doch abgesehen davon, dass Schauplätze und Waffen relativ gut aufbereitet und auch weitestgehend vom Original inspiriert sind, fußt das Gameplay auf altbekannten Versatzstücken. Die Missionsziele sind zwar abwechslungsreich gestaltet, unterscheiden sich aber kaum noch vom direkten Prequel, nur vielleicht mit dem Unterschied, dass die Action noch einen Zacken dramatischer herüberkommt. Die Kämpfe sind definitiv packend, und da auch die Taktik einen immensen Anteil am Spielsystem hat, sollten sich Shooter-Liebhaber zuerst ja auch gar nicht mal beschweren. Doch je weiter man nach Norden durchdringt, desto deutlicher stellt sich das Gefühl ein, dass man alles irgendwie schon mal erlebt hat. Auch wenn hier ein Flugzeug vor der eigenen Nase abstürzt, eine Brücke im Eilgefecht zusammenbricht oder im Hinterhalt plötzlich ein ganzes Batallion zum Angriff bläst, und überhaupt: Selbst wenn die Szenarien relativ spektakulär aufgebaut sind, so ist „Medal Of Honor: Vanguard“ letzten Endes sicher kein innovatives Spiel, welches dem Genre essentielle Neuerungen schenkt. Dafür sind die meisten Spielinhalte einfach zu basisch und risikoarm arrangiert.

Ansonsten: Es gibt ein breites Waffenarsenal, eine anständige Gegner-Präsenz und eine authentisch präsentierte Weltkriegs-Atmosphäre. Nur, und damit wären wir beim Problem: Diesen Aspekt darf man in der „Call Of Duty“-Reihe auch bestaunen, nur eben eine Spur intensiver als an dieser Stelle.

 

Technik/Grafik:

Vom technischen Standpunkt betrachtet ist „Medal Of Honor: Vanguard“ aber leider nur ein Durchschnittstitel, der vor allem durch die schwache Gegner-KI enorm abfällt. Es bedarf definitiv keiner großen Schachzüge, um den Feind in die Enge zu treiben und zu vernichten. Stattdessen bieten sich manche feindliche Soldaten regelrecht an, einmal den Schrot aus der eigenen Waffe zu schmecken – unbefriedigend, definitiv. Dem gegenüber ist die Belegung der Tasten treffend eingerichtet, so dass einem intuitiven Handling kaum mehr was im Wege steht. In Kombination mit der schwachen KI sinkt hierdurch aber der Schwierigkeitsgrad weiter in den Keller. Und da der Spielumfang nun nicht der üppigste ist, sollte man diesen Punkt nicht missachten!

Die grafische Seite ist ebenfalls kritikwürdig. Die Atmosphäre ist zwar gut, aber dennoch verzichtet man in der Hintergrund-Präsentation sehr gerne auf Details, die hier noch etwas mehr Pep hätten einbringen können. Derweil sind die Texturen auch ein wenig schwammig und laufen auf ein optisches Gesamtbild zu, das auch für einen Titel der vorherigen Videospiel-Generation ziemlich dürftig ist.

 

Spielspaß:

Immerhin: es gibt einiges zu tun innerhalb der einzelnen Missionen, und da die Action wirklich ansprechend aufbereitet ist, mag man im Großen und Ganzen vielleicht gar nicht so verschärft meckern, wie es mitunter angeklungen ist. Doch zweifelsohne ist „Vanguard“ nicht der stärkste Teil der „Medal Of Honor“-Serie, weil viele Spielinhalte ein wenig lieblos gestaltet wurden und das Gameplay dementsprechend nicht so richtig in die Gänge kommt. Was ist mit der Story? Wo bleiben die wirklich eigenständigen Abschnitte? Und wie wäre es einmal mit etwas mehr Anspruch in Sachen Härtegrad. Der Spielspaß leidet langfristig unter diesen Mangelpunkten, und da der Umfang ebenfalls nicht der größte ist, gehen in der Schlusswertung sogar noch einmal ein paar Prozentpunkte ab. Schade eigentlich, denn im Prinzip ist „Vanguard“ kein schlechtes Spiel. Es fehlt eben einfach nur an der Detailverliebtheit im Gesamtdesign.

 

 

Fazit:

Konnte man für die vorherigen Episoden der Serie regelmäßig fast blinde Kaufempfehlungen aussprechen, so ist „Vanguard“ eher ein Titel für die beinharte Fangemeinde. Das Spiel hat zwar viele gute Momente, doch bei der überlaufenen Konkurrenz im WWII-Shooter-Bereich ist es definitiv nicht erste Wahl!

 

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Oje, das hat nicht geklappt, Elfenwerk! 20240422135503f34983df
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Medal Of Honor: Vanguard

System: Playstation 2

Publisher: Software Pyramide

USK-Einstufung: Keine Jugendfreigabe gem. 14. JuSchG

ASIN: B001PS8ZY4

Erhältlich bei: Amazon


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Erstellt: 15.04.2009, zuletzt aktualisiert: 14.04.2024 08:35, 8570