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Merlins Erwachen

Reihe: Excalibur Bd. 1

Rezension von Christian Endres

 

Fünfhundert Jahre nach den vielbesungenen und –betrachteten Ereignissen um König Arthus und seine legendäre Tafelrunde. Die britischen Inseln, einstmals Wiege allen Magischen und Zauberischen, sind in den wabernden Nebeln der Veränderung gefangen. Die Magie und all ihre Geschöpfe, vom riesigen Drachen bis hin zum kleinen Wichtel, sind vom Aussterben bedroht, während der magische Pulsschlag des Landes immer schwächer wird und dafür Modernität und Christentum rasch auf der Straße des Triumphes voran schreiten.

 

Zu dieser Zeit des Umbruchs fügt es sich, dass das Schicksal den Zauberer Merlin aus seinem fast fünfhundert Jahre anhaltenden Hexenschlaf erweckt und aus seinem steinernen Gefängnis befreit, um ihn Gwynned, der ebenso jungen wie taffen (und streitbaren) Nachfahrin von Sir Galahad, an die Seite zu stellen. Damit die junge Heldin, ausgestattet mit Excalibur, für die alte Ordnung ihrer magischen Heimat kämpft...

 

Dieses Vorhaben führt unweigerlich dazu, dass Kirche und König, als Förderer und Günstlinge der neuen Ordnung Britanniens, sich Gwynned und Merlin mit aller Macht in den Weg stellen, sobald sie von dem Aufruhr erfahren, den der alte Druide und seine Schutzbefohlene mit dem Zauberschwert anzetteln. Also entsendet der König seine Truppen, um das Problem im Keim zu ersticken. Dabei hat er die Rechnung allerdings ohne sein Volk gemacht. Und natürlich ohne Merlin...

 

Excalibur ist zurück - mal wieder. Doch dieser erste Eindruck relativiert sich beim Lesen von »Merlins Erwachen« schneller, als der greise Zauberer zotig fluchen kann. Denn schon nach der ersten Hand voll Seiten ist klar, dass Scott Arlestons Szenario weit mehr ist als der nächste lahme Aufguss der Arthus-Legende: Excalibur ist erfrischend anders. Hier fehlt der obligatorische Jüngling, und an seine Stelle tritt eine junge Frau. Diese wiederum soll von niemand anderem als dem alten Merlin geleitet werden, der sich schnell als sexistischer Frauenfeind entpuppt. Und dann sind da freilich noch die sehr schön in Szene gesetzten Anspielungen und Bildzitate und Hommagen und Persiflagen der original Arthus-Sage, welche die Lektüre ungemein auflockern.

 

Was schon von der Idee her ziemlich witzig klingt, wird durch den typischen Humor der frankobelgischen Funnys ergänzt, wo auch schon mal beim »Sperma des Einhorns« geflucht wird. Zusätzlich Humor und Frische kommen überdies durch das Artwork von Eric Hübsch auf die Seiten: Nicht spektakulär, oftmals auch ziemlich blutig oder freizügig, illustriert er in bester Tradition belgischer und französischer Genre-Vertreter die ersten Bewährungsproben Merlins und der letzten Hoffnung Britanniens an seiner Seite.

 

Unterm Strich bleibt damit in erster Linie eine gelungene Verquickung klassischer Motive und innovativ-spritziger Ideen, die bestens zu unterhalten weiß und mehr als nur solide Fantasy-Kost bietet: Kurzweilig, modern, zeichnerisch charmant umgesetzt und mit einer durch und durch modernen, ja sogar frechen Herangehensweise an den Mythos um Merlin und Excalibur.

 

Excalibur von Ardeston und Hübsch – das ist auch ohne die Trolle von Troy ein frankobelgischer Fantasy-Comicspaß vom Feinsten.

 

 

Eure Meinung:


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Comic:

Merlins Erwachen

Reihe: Excalibur Bd. 1

Text: Scotch Arleston

Zeichnung: Eric Hübsch

SC-Album, 46 Seiten

Carlsen, Mai 2001

ISBN: 3551748519

Erhältlich bei Amazon

weitere Infos:


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Erstellt: 17.08.2007, zuletzt aktualisiert: 21.07.2019 11:39