Zurück zur Startseite


  Platzhalter

Mutants (DVD; Horror; FSK 18)

Rezension von Torsten Scheib

 

Rezension:

Das böse Z-Wort … nicht erst seit Edgar Wrights Zombiekomödie (upps!) Shaun of the Dead ist es die wohl wichtigste aller ungeschriebenen Regeln, eben dieses Wort in einem den Umständen entsprechenden Film unter gar keinen Umständen laut auszusprechen. Eine Regel, welche Regisseur David Morlet gekonnt umgeht, indem er seine vermeintlichen Zombies kurzerhand in Mutanten umtauft – was gar nicht mal so unpassend ist, da die Kreaturen in diesem Streifen zwar durchaus die gleichen Attribute vorweisen wie die klassischen Romeroesken lebenden Toten, nur eben dies nicht sind: untot nämlich.

Nichts desto trotz nimmt die Anzahl jener, die der geheimnisvollen Epidemie anheim fallen und zu primitiven, nach menschlichem Blut und Fleisch gierenden Kreaturen degenerieren, massiv zu, demzufolge es nur noch eine Frage der Zeit zu sein scheint, bis die verbliebenen Nichtinfizierten von den monströsen Mutanten letztlich doch überrannt werden.

Möglichen Schutz und eine eventuelle Chance auf Heilung vermag eine, fernab von den Großstädten liegende Einrichtung des Militärs zu bieten; womöglich die letzte sichere Bastion überhaupt.

Zusammen mit ihrem Freund Marco (Francis Renaud) und einer reichlich angespannten jungen Polizistin hat sich die schwangere Ärztin Sonia (Hélenè de Fougerolles) auf den Weg zu jener Basis gemacht. Ein nicht gerade einfaches Unterfangen, da sich die Mutanten – und nicht nur die – inzwischen nun auch auf den Straßen taumeln und die Spannung in den eigenen Reihen von Minute zu Minute stärker wird.

Da kommt dem Trio eine etwas abseits gelegene Station gerade recht, bietet sich doch in der relativen Abgeschiedenheit die Möglichkeit, immerhin für ein paar Minuten die eigenen Akkus wieder aufladen und den entwendeten Krankenwagen voll tanken zu können.

Doch die vermeintliche Rast entpuppt sich sehr schnell als Alptraum. Statt Sprit gibt es lediglich eine knochentrockene Zapfsäule und so verlassen, wie sich die Station eingangs präsentiert hat, ist sie gar nicht. Überall liegen tote oder bereits im Degenerationsprozess befindliche Menschen. Aus Hoffnung wurde eine tödliche Falle!

Da wird die Gruppe unvermittelt von einem jungen Mann angegriffen, der sich auf den zweiten Blick jedoch nicht als rasender Mutant, sondern als verwirrter junger Mann herausstellt, dem Sonia zudem autistische Eigenschaften eingesteht. Doch von all dem will Polizistin Perez (Marie-Sohna Conde) nichts wissen. Ihr ohnehin schon angegriffenes Nervenkostüm gibt endgültig den Geist auf und resultiert in einem reichlich nervösen Zeigefinger sowie dem Tod des Autisten und ihrem eigenen Ableben.

Zurück bleiben Marco und Sonia. Doch anders als seine Freundin, hat Marco die Situation nicht völlig unbeschadet überstanden. Eine von Perez’ wahllos abgefeuerten Kugeln hat ihn getroffen und wenn er nicht in Bälde ausreichend medizinische Versorgung erhalten wird, muss er sterben.

Mit dem Mut der Verzweiflung frachtet Sonia ihn in den Krankenwagen und setzt die Reise ins Ungewisse fort. Zusätzlich sitzt ihr die Zeit nun auch in doppelter Hinsicht im Nacken, da sich nicht nur Marcos Zustand nahezu minütlich verschlimmert, sondern auch der Tank sich mit jedem weiteren zurückgelegten Meter erbarmungslos dem Ende zuneigt …

Buchstäblich mit dem letzten Tropfen erreicht sie schließlich eine scheinbar leer stehende Klinik, in der sie die nötigen Utensilien vorfindet, um Marco behandeln zu können.

Mit Erfolg. Allerdings hat sich auch ein weiterer unliebsamer Gast in dessen Körper einquartiert. Nach und nach verwandelt sich nun auch Marco in einen Mutanten, doch Sonia weigert sich standhaft, kampflos aufzugeben. Sogar, nachdem er seine menschliche Schale vollends abgestreift hat und lediglich vom primitiven Zwang nach Blut und Menschenfleisch angetrieben wird, lässt sie nicht von ihm ab, sperrt ihn aber in einen Verschlag im Keller des Gebäudes ein.

Kurz darauf stößt eine kleine Gruppe Überlebender auf Sonia. Ähnlich wie schon Perez, ist auch deren Auftreten von Anspannung und Misstrauen geprägt. Und während sich Perez unten im Keller vehement gegen sein Verließ auflehnt, spitzt sich die Lage über ihm dramatisch zu …

 

Bei der ungemein hohen Anzahl genrespezifischer Veröffentlichungen in jüngster Vergangenheit war es lediglich eine Frage der Zeit, ehe uns die gegenwärtig sehr auf Horror fixierten Franzosen auch einen Zombiefilm präsentieren würden. Mutants deckt diesen offen stehenden Posten ab. Visuell orientiert er sich dabei allerdings nicht an den Klassikern aus den Häusern Romero & Co. Pate für „Mutants“ waren eindeutig die von Danny Boyle inszenierten beziehungsweise produzierten 28 Days later (2002) und dessen Fortsetzung 28 Weeks later (2007). Soll heißen, dass sich auch hier keine Toten aus ihren Gräbern, Leichensäcken oder Bürojobs erheben um ihren neu erworbenen kannibalischen Neigungen zu frönen. Stattdessen erwartet den Zuschauer eine Art 2.0-Version des klassischen Sujets, und das bedeutet keine Untoten und auch kein steifes Herumtaumeln, wenngleich die „Mutanten“ (oder „Infizierten“) den gleichen Drang verspüren wie ihre reanimierten Kollegen, allerdings ausnehmend quirliger und agiler an den Start gehen.

Leider gelingt Morlet allerdings nicht viel mehr, als eine gut gemeinte, wenngleich oftmals auch ein wenig hilflos erscheinende Version von Boyles Thematik. Man merkt dem Film zwar den guten Willen an, wie auch, dass er trotz deutlicher Referenzen solide inszeniert wurde, doch Morlet schlicht und ergreifend ein wenig überfordert war, um aus einer, zugegebenermaßen, doch reichlich ausgelutschten und im Grunde x-mal wiedergekäuten Materie zumindest ein kurzweiliges und spannendes Stück Film zu erschaffen. Zu sehr verlässt er sich auf die einwandfrei zur Schau gestellten Goreszenen und vernachlässigt dabei eminent wichtige Versatzstücke wie Handlung oder auch Logik. Das sich dadurch recht viel Leerlauf ergibt, ist die logische und leider auch traurige Konsequenz; ein unschöner Umstand, der nur noch von der sehr guten, aber letztlich ebenfalls nicht entschlossen genug verfolgten Ausgangslage getopt wird, in der sich Sonia und Marco zu Beginn des zweiten Akts wieder finden. Sie, als werdende Mutter – Er als infizierter, in Auflösung befindlicher Vater in spe. Das ausgerechnet mit dieser ungemein spannenden Frage – „Würdest du deine große Liebe töten, um dich selbst zu retten?“ –, die zudem auch noch in großen fetten Buchstaben auf der DVD-Verpackung prangert, so beiläufig und geradezu amateurhaft umgegangen wurde, ist wohl der größte Kardinalfehler, den Morlet hatte begehen können und der „Mutants“ schließlich das Genick bricht.

 

Fazit:

Der französische Beitrag zum Zombiegenre überzeugt zwar in technischer und visueller Hinsicht, legt aber story- und spannungstechnisch eine glatte Bauchlandung hin. Sehr bedauerlich – und deshalb kaum mehr als guter Durchschnitt.

Eure Meinung:


Keine Einträge
Keine alten Kommentare vorhanden.

Zum Seitenanfang

Platzhalter

DVD:

Mutants

Frankreich 2009

Originaltitel: Mutants

Regisseur: David Morlet

Umfang: 1 DVD

Sunfilm Entertainment,05. Februar 2010

FSK: 18

Dauer: 86 Minuten

Bildseitenformat: 16:9 - 2.35:1

Sprache: Französisch (Dolby Digital 5.1), Deutsch (Dolby Digital 5.1), Deutsch (DTS 5.1)

Untertitel: Deutsch

 

ASIN: B002WTG1T6

 

Erhältlich bei Amazon

 

Darsteller:

Hélenè de Fougerolles

Francis Renaud

Marie-Sohna Conde


Platzhalter
Platzhalter
Erstellt: 10.02.2010, zuletzt aktualisiert: 27.03.2020 10:23