Zurück zur Startseite


  Platzhalter

Mythos Wald

Filmkritik von Christel Scheja

 

Rezension:

Das, was wir heute „Wald“ nennen, hat nicht mehr viel mit den Urwäldern zu tun, die einst ganz Mitteleuropa bedeckt hat. Die wenigen grünen Inseln sind kultiviert und bearbeitet, von Wegen durchzogen, auf denen sie der Mensch bequem durchqueren kann.

Dennoch liegt auch heute noch ein Zauber über der Landschaft, dem nicht nur in Literatur und Kunst gehuldigt wird. Manche Dokumentarfilmer machen sich auch auf, die kleinen Wunder zu entdecken, die der Wald noch heutet bietet.

 

Einer davon ist Jan Haft mit seiner Dokumentation „Mythos Wald“. Er zeigt zwar sehr deutlich, dass selbst die Naturparks nicht mehr den Wald zeigen, wie er einmal war und nur noch in Sagen und Legenden weiterlebt, da viele Tiere und Pflanzen mittlerweile ausgestorben sind, aber auch, dass die aufgeforsteten Wälder auch heute noch kleine und große Wunder zu bieten haben.

So begleitet er die Bewohner des Waldes durch das Jahr. In der Tierwelt spürt er nicht nur den großen und imposanten Tieren nach wie Hirschen und Rehen, sondern auch den kleinen, enthüllt die Dramen in der Welt der Insekten, den Kampf, den manchmal sogar eine Waldmaus vor einer Wespe weichen sollte, wenn es um Wohnraum geht.

Er zeigt, wie eine Fuchsmutter ihre Welpen zur Welt bringt und so lange aufzieht, wie sie für sich selbst sorgen können. Er spürt Wildschweinen nach und beobachtet das große Rotwild, das über die Lichtungen streift. Er begleitet Fleisch und Pflanzenfresser durch das Jahr. Von dem Tierparadies im Frühling geht es über das Schattenreich im Sommer bis hin zum Kampf ums Licht im Herbst und Winter.

Aber auch die Pflanzen kommen nicht zu kurz. Wie erkämpfen sich Blumen und Moose ihren Lebensraum und verbreiten sich weiter? Was hat es mit dem „Tanz der Lebermoose“ auf sich und was passiert, wenn der Blütenstaub der Haselnuss und anderen durch den Wald wehen?

 

Jan Haft setzt in seinem Film, der in zwei Episoden a 45 min aufgeteilt ist, vor allem auf die Macht der Bilder und weniger die des Wortes. Zwar gibt es auch begleitende Erklärungen, tatsächlich ist die Dokumentation aber mehr für die Augen gedacht als für die anderen Sinne. Der Zuschauer kann die Muster die der Pollenstaub im Gegenlicht bildet, bewundern, das Schattenspiel der Sonne. Spezielle Zeitraffer-Aufnahmen zeigen, wie Blumen heranwachsen, sich Knospen bilden und öffnen, dann aber auch wieder verblühen oder Pilze heranwachsen, dann wieder gibt es Zeitlupen, in denen ein Vorgang entsprechend langsam gezeigt wird, damit man jeden Moment genießen kann.

Er zeigt, dass das Wunder oft im Kleinen und Verborgenen liegt, dass die Wälder – auch wenn sie vielleicht nicht im Naturschutzgebiet liegen, eine Menge zu bieten haben. Gleichzeitig appelliert er auch unaufdringlich an die Zuschauer, diesen Zauber zu bewahren und sich bewusster in der Umwelt umzusehen. Denn es ist wichtig, etwas zu tun, damit der Wald nicht irgendwann wirklich nur noch ein Mythos ist.

Dafür belohnt er mit glasklaren und wunderschönen Aufnahmen, die man über weite Strecken einfach nur genießen sollte. Die Texte sind dagegen meist schmückendes und ergänzendes Beiwerk, vermitteln nur die wichtigsten Informationen. Auch Kinder können sich verzaubern lassen, denn die langen und ruhigen Szenen werden auch immer wieder einmal durch spannendere oder gar dramatische Momente aufgelockert, grausam wird es nie.

Das ausführliche Bonusmaterial umfasst neben einem englischen Trailer auch noch einen Einblick in die Dreharbeiten, die zeigen, dass einige Aufnahmen auch getrickst werden muss, was ihrer Wirkung aber keinen Abbruch tut.

 

 

Fazit:

Wer den „Mythos Wald“ in all seiner Schönheit ergründen will, kann getrost zu „Mythos Wald“ greifen. Die Dokumentation nutzt zwar die neusten Forschungsergebnisse, ist aber keine trockene Wissenschaftssendung sondern eher ein Genuss für die Augen – verursacht durch einen farbenprächtigen Rausch der Bilder.

Nach oben

Oje, das hat nicht geklappt, Elfenwerk! 202302051918463292b8ae
Platzhalter

DVD:

Mythos Wald

Deutschland/Östereich, 2010

Regie & Kamera: Jan Haft

Format: Dolby, PAL, Region 2

Sprache: Deutsch (Dolby Digital 2.0), Englisch (Dolby Digital 2.0)

Bildseitenformat: 16:9 - 1.77:1

FSK: Ohne Altersbeschränkung

Studio: Polyband & Toppic Video/WVG

Erscheinungstermin: 28. Januar 2011

Spieldauer: 90 Minuten

ASIN: B004B0O3PI

 

Erhältlich bei: Amazon

 


Platzhalter
Platzhalter
Erstellt: 06.02.2011, zuletzt aktualisiert: 02.08.2022 20:01