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Nacht über Median von Rainer Innreiter

Rezension von Martin Weber

 

Klappentext:

„Die Grenzen alptraumhafter Wahrnehmungen ausloten und neue Welten des Unheimlichen, des Bizarren und des Grauens erkunden, zählt zu Rainer Innreiters literarischem Anliegen. Denn nur wer die Grenzen der Konventionen sprengt, schärft den Blick für das Neue. Kommen Sie mit auf eine Reise in die düstersten Winkel eines zeitlosen Universums, das auf seine Entdeckung wartet.“

 

Kommentar:

Das neueste Produkt aus dem „Verlag der Tränen“ bringt einen nicht zum Weinen – im Gegenteil, bei der Lektüre kommt Freude auf (ein zugegeben platter Einstieg, doch viel zu verlockend, um ihm widerstehen zu können).

 

Abgesehen von Andreas Gruber und Leo Lukas gibt es kaum österreichische Schriftsteller, die sich erfolgreich im Phantastik-Genre hervortun. Darum ist zu begrüßen, dass mit Rainer Innreiter ein neuer Name ins Spiel kommt, der hoffentlich auch eine entsprechende Resonanz findet. Und das Ganze wird noch erfreulicher, weil dieser Autor mit vorliegender Geschichtensammlung beweist, dass er mit einem beachtlichen Talent gesegnet ist. Nach einigen Veröffentlichungen in diversen Anthologien und Magazinen erscheint nun also mit >Nacht über Median< sein erstes eigenes Buch.

 

Leider erfolgt mit „Die Königin“ ein unglücklicher Einstieg in den Reigen meist gelungener Erzählungen. Die Schlusspointe dieser Story – die Enthüllung, wer denn da so schwülstig dahinschmachtet - passt einfach nicht zur Diktion und Mentalität, die so jemand haben sollte. Zudem fällt in diesem Beitrag die veraltete, gespreizte Wortwahl negativ auf, deren übertriebene Verwendung hier aber als Stilmittel intendiert sein dürfte. Allerdings werden dann die restlichen Geschichten ebenso von manchen sprachlichen Anachronismen durchzogen, wenn auch in geringerem Ausmaß als im Eröffnungstext. Daran sollte der Autor noch arbeiten, denn das häufige Vorkommen von „welcher“, „dieses“ oder „gewahr werden“ beginnt auf Dauer etwas zu nerven.

 

Inhaltlich befinden sich die meisten der insgesamt 23 Erzählungen im grünen Bereich, manche konnten sogar ein unersättliches literarisches Vielfraß wie den Rezensenten überraschen (ich habe in der letzten Zeit gar nicht so wenige Short Storys von renommierteren Autoren gelesen, die qualitativ enttäuschender waren). Einzelne belanglose oder zu wenig treffsichere Beiträge haben sich zwar eingeschlichen, fallen jedoch in Summe wenig ins Gewicht. Thematisch beschäftigt sich Innreiter mit Vorliebe mit Endzeitszenarien aller Art, verlorenen Seelen, den Effekten von Zeitreisen, unheimlichen Ereignissen und ähnlichem. Daran ist zu erkennen, dass das Phantastische an sich sein Element ist, denn Motive aus Science Fiction, Horror & Fantasy sind gleichermaßen vertreten.

Zwei der besten Geschichten sind meines Erachtens „Asver“, und „Werter David“. Bei „Asver“ sucht ein Klient einen Killer auf und gibt seine eigene Ermordung in Auftrag. Der routiniertere Leser glaubt dabei schon nach den ersten Seiten die Pointe zu erraten und ist verstimmt, erahnt aber erst die halbe Wahrheit. „Werter David“ berichtet von einer „Brieffreundschaft“ zwischen einem Alien und einem Menschen und kann ebenfalls mit einem gelungenen, doppelbödigen Ende aufwarten. Diese Erzählung ist auch insofern typisch, weil sich der Schriftsteller darin mit einem Thema auseinandersetzt, das in vielen seiner Texte anklingt: das Verhältnis von Individuum und Gesellschaft bzw. von Konformität und Devianz.

 

Es ist zu hoffen, dass bald mit den nächsten Veröffentlichungen aus der Feder von Rainer Innreiter zu rechnen ist (wie wäre es mit einem Roman?). >Nacht über Median< ist auf jeden Fall eine gute Werbung für Kommendes.

 

Fazit: Nicht durchgängig perfekt, aber unterhaltsam, sympathisch und empfehlenswert.

 

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Titel: Nacht über Median

Autor: Rainer Innreiter

ISBN: 3-936972-13-3

Paperback, erschienen im Lacrima Verlag, September 2004

Band 4 aus der Edition Avalon

Umfang: 340 Seiten

Erhältlich bei: Amazon

 

Weitere Infos:


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Erstellt: 11.11.2005, zuletzt aktualisiert: 23.11.2018 10:18