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Nachtreiter von Daniela Knor

Rezension von Christel Scheja

 

Die 1972 geborene und derzeit mit ihrem Mann in Würzburg lebende Autorin Daniela Knor hat bisher so gut wie nur Romane geschrieben, die in der Welt des Rollenspiels „Das Schwarze Auge“ angesiedelt sind.

Durch ihre Mitarbeit an der Reihe „Rhiana die Amazone“, zu der sie zwei Romane beisteuerte, bekam sie nun auch erstmals die Chance, im Piper Verlag ein eigenständiges Werk au ihrer Feder zu präsentieren.

„Nachtreiter“ ist zwar ein in sich geschlossenes Werk, kann aber durchaus auch zum Auftakt eines ganzen Romanzyklus werden, da das Ende durchaus Anknüpfungspunkte verspricht.

 

Hilflos stehen die Phykadonier einem Phänomen gegenüber, das sie sich nicht erklären können. Dunkle Wolken schieben sich vom Horizont her über den Himmel und verdunkeln das Land. Die Finsternis ist nicht von kurzer Dauer sondern bleibt bestehen. Die Nomaden und Viehzüchter sind bestürzt. Viele von ihnen haben Angst und wissen nicht, was zu tun sollen. Nur die Steppenreiter Braninn und Grachann fassen mit einigen Gefährten den Mut, etwas zu unternehmen.

Zunächst reiten sie in das Lager des Heerführers Ertann. Doch als dieser sich nicht an den Vorkommnissen stört und die Krieger stattdessen zu einem Krieg gegen das Nachbarland Sarmyn aufstachelt, ahnen sie, dass der Anführer ihres Volkes vielleicht mehr mit der Dunkelheit zu tun hat, als alle ahnen.

Den jungen Männern bleibt nur die Flucht nach vorne. Denn nachdem sie ihre Bedenken ausgesprochen haben, sind sie ihres Lebens nicht mehr sicher und müssen den eigenen Landsleuten entkommen. In ihnen macht sich eine bittere Erkenntnis breit. Vielleicht ist Ertann nur dann zu stürzen und damit vielleicht auch ihr Volk zu retten, wenn sie es erst einmal verraten, indem sie die Nachbarn vor dem Angriff warnen.

Doch auch in Samyn herrscht nur äußerlich Frieden. Machtgier, Intrigen und Verrat wuchern hinter den Kulissen und bedrohen das Königtum, ohne dass große Teile des Adels und Bürgertums etwas davon merken, zumal die meisten eher mit sich selbst beschäftigt sind. Das trifft auch auf die Ritter Arion und Regin zu, die ihre eigenen Rivalitäten pflegen und nur selten an die Sicherheit ihres Landes denken. Erst eine seltsame Reisende rüttelt sie aus ihrer Ichbezogenheit auf.

Ähnlich sieht es mit der jungen Sava aus, die glaubt, keine wahre Priesterin sein zu können, weil sie die Rituale und Gebete nicht so verinnerlichen kann wie andere. Deshalb bricht sie zu einer für sie wichtigen Pilgerreise zum Grabmal Deartas auf.

Zusammen mit den beiden Steppenkriegern und einer geheimnisvollen Halbdämonin sind die drei Samyner die einzigen, die die Dunkelheit und einen Sieg der Dämonen jetzt noch verhindern – oder zumindest aufhalten können.

 

Auch in „Nachtreiter“ tritt wieder das Talent der Autorin zu Tage mit nur wenigen Worten und Beschreibungen Figuren und Völker zum Leben zu erwecken. Daniela Knor hat keine Probleme damit in ihre Welt einzuführen und die Charaktere vorzustellen. Da sie konsequent aus der Sicht der Personen erzählt, bekommt man etwas mehr von deren Innenleben – Gedanken und Gefühle mit. Selbst die Gegenspieler schließt sie nicht aus, so dass man eine Ahnung von den Motiven und Beweggründen bekommt, die diese antreiben. Das bedeutet allerdings nicht, dass sie dabei sonderlich in die Tiefe geht. Man erfährt von den Figuren nur so viel wie für die Handlung nötig ist.

Diese ist zwar eigentlich recht geradlinig, wirkt aber komplizierter, weil sie durch die konsequent durchgezogene Erzählweise aus der Sicht der Figuren immer wieder von der einen zur anderen springt, und man schon sehr genau nach verfolgen muss, wer nun mit wem und wie agiert. Insgesamt folgt sie dabei den klassischen Handlungsmustern des Rollenspiels. Eine kleine Schar unterschiedlicher Charaktere, die teilweise sogar Feinde sein müssten, rauft sich eine Weile zusammen, um das Unheil aufzuhalten. Doch kann ihnen das wirklich gelingen, wenn sie im Herzen weiter uneins sind?

Alles in allem weiß der Roman zu überzeugen, auch wenn er Anfangs etwas langsam in die Gänge kommt und man sich fragen muss, worum es eigentlich geht. Das Problem klärt sich aber bald und dann geht es entsprechend zur Sache.

 

Wem die „Das Schwarze Auge“-Romane von Daniela Knor schon gefallen haben, der wird sich auch mit „Nachtreiter“ keinen Fehlgriff leisten. Diejenigen, denen die Autorin noch unvertraut ist können sehr lebendig geschriebene und personenbezogene Abenteuerkost erwarten, die eher an das Rollenspiel erinnert als an klassische High-Fantasy a la Tolkien.

 

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Buch

Nachtreiter

Autorin: Daniela Knor

Klappbroschur, 475 Seiten

Piper Verlag, erschienen September 2008

Titelbildgestaltung von Hildendesign

ISBN-10: 3492701612

ISBN-13: 978-3492701617

Erhältlich bei: Amazon

weitere Infos:


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Erstellt: 15.10.2008, zuletzt aktualisiert: 23.11.2018 10:18