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Nachtvogel von Sean Russell

Reihe: Das verlorene Königreich

Rezension von Christel Scheja

 

„Nachtvogel“ ist der erste Band der epischen Trilogie um „Das Verlorene Königreich“ von Sean Russell. Er erschien bereits als Paperback im gleichen Verlag und wurde nun noch einmal zusammen mit den anderen Romanen als preisgünstiges Taschenbuch aufgelegt. Es erzählt vom Königreich Ayr die über Jahrhunderte hinweg immer wieder von Kriegen erschüttert wurde, die nicht nur durch rivalisierende Adelsfamilien, sondern auch durch eine uralte Blutfehde zwischen den Nachkommen eines Magiers ausgelöst wurden. Das Land ist mittlerweile in kleine Fürstentümer zerfallen, deren Herrscher um die um die Macht ringen, nicht ahnend, das sie Schachfiguren im Spiel weit älterer Mächte sind.

 

Tam, Fynnol und Baore stammen aus dem abgelegenen und bäuerlichen Seetal, in das sich ihre Vorfahren vor einigen Generationen aus unbekannten Gründen zurück gezogen haben. Die abenteuerlustigen jungen Männer lassen das friedliche Leben hinter sich, um in zivilisierteren Gegenden nach Spuren ihrer Familien zu suchen und gleichzeitig Artefakte von einem uralten Schlachtfeld am Rande des Tals zu verkaufen.

Neugierig und aufmerksam hören sie den Erzählungen des Wanderers Alaan zu, der sich ihnen schon beim ersten Halt anschließt, weil er auch in den Süden reisen möchte. Doch kurz darauf werden die vier Reisegefährten von Bewaffneten überfallen. Die drei Seetaler kommen mit dem Leben davon, weil der Fremde ihren Rückzug deckt. Sie halten ihn für ebenso tot wie ihre Habseligkeiten für verloren.

Wut und Ratlosigkeit macht sich bei ihnen Breit, doch sie finden Aufnahme bei den herumziehenden Gauklern der Fáel und erfahren, dass ihr Begleiter mehr als nur ein freundlicher Wanderer gewesen und noch am Leben zu sein scheint. Tam und seine Freunde beschließen mit den Gauklern weiter zu ziehen, als klar wird, dass Alaan überlebt hat. Sie wollen ihn zur Rechenschaft ziehen.

Derweil soll die junge Edeldame Elise den Prinzen Michael heiraten um ein Bündnis zwischen zwei Fürstentümern zu schließen und den Weg zum verwaisten Königsthron zu ebnen, doch nicht nur ihr Vater, auch der Bräutigam haben Vorbehalte gegen die politische Verbindung, die auch andere Gründe zu haben scheint als die offensichtlichen. Denn der Ritter Haffyd, ein Berater von Michaels Vater setzt sogar Gewalt ein, um die Ehe schließen zu lassen. Als letzte Möglichkeit bleibt Elise die Flucht. Ihr wird von den drei jungen Männern aus dem Seetal geholfen, die damit nun auch Teil einer groß angelegten Intrige sind...

 

Für eine epische Fantasy-Trilogie kommt „Das verlorene Königreich recht langsam in Fahrt. Man braucht etwa die Hälfte des Bandes, um überhaupt in der Handlung einen Sinn zu sehen, zuvor scheint es eher eine Aneinanderreihung von ruhigen und etwas actionreicheren Szenen zu sein, die zwar atmosphärisch sind, aber keinen Sinn zu haben scheinen. Durch eine Vielzahl von Personen bleiben die Figuren alle insgesamt etwas flach und oberflächlich, man kann nur schwer eine Bindung zu irgend einem von ihnen aufbauen. Beides zusammen schwächt die Spannungskurve massiv und lässt den Roman langweilig erscheinen. Hier wäre eine Straffung oder Umgewichtung der Geschehnisse viel sinnvoller gewesen.

Erst im letzten Drittel des Buchs kommt die Handlung in Fahrt. Plötzlich werden Zusammenhänge zwischen den Geschehnissen deutlich, die Figuren gewinnen an Tiefe und Lebendigkeit. Ihre Erlebnisse wecken Neugier und Interesse – sogar auf den zweiten Band.

 

„Nachtvogel“ ist ein schwerfälliger Auftakt für die Trilogie um „Das verlorene Königreich“, für den man ein wenig mehr Geduld als üblich aufbringen muss. Wer jedoch etwas ruhigere Fantasy mag, die sich weniger auf Kämpfe und Schlachten als auf die Menschen konzentriert, und die sich einem erst nach und nach erschließt, der wird durchaus zufrieden gestellt werden.

Eure Meinung:


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Nachtvogel

Reihe: Das verlorene Königreich, Bd. 1

Autor: Sean Russell

broschiert – 574 Seiten

Heyne, erschienen August 2006

ISBN 3-453-53244-9

Übersetzung aus dem Englischen von Hans-Ulrich Möhring

Titelbildgestaltung von Nele Schütz Design

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 15.08.2006, zuletzt aktualisiert: 19.02.2018 18:45