Napola - Elite für den Führer (DVD)
 
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Napola - Elite für den Führer

Rezension von Björn Backes

 

Die Jahre 2004 und 2005 waren auf cineastischer Ebene die wohl bedeutsamsten, was die Aufarbeitung kriegspolitischer Themen betrifft. Mit „Der Untergang“ und „Sophie Scholl – Die letzten Tage“ wurden in jenen Jahren zwei der wichtigsten Historiendramen aus der schwärzesten Ära der innenpolitischen Geschichte produziert und mit Erfolg in die Kinos gebracht. Dennis Gansels dokumentarischer Streifen über die Eliteschulen des Führers ging im Zuge dessen ein wenig unter und wurde lediglich zum Kritikerliebling. Aus dem Schatten der filmisch aufgearbeiteten, letzten Tage im Führungsbunker konnte dieser Streifen allerdings nicht heraustreten. Nichtsdestotrotz gehört „Napola – Elite für den Führer“ zu den besten themenbezogenen Filmen seiner Art und ist sowohl als dokumentarisches Anschauungsmaterial, als auch als tragisches Drama unheimlich sehenswert.

 

Story:

Gegen den Willen seines Vaters zieht es den talentierten jungen Sportler Friedrich Weimar auf die NSDAP-Eliteschule Napola, von der er sich für seine weitere Zukunft eine gute persönliche Entwicklung verspricht. Doch schon bei seiner Ankunft muss Friedrich erkennen, dass der Drill in der knallhart geführten Anstalt nicht nur der körperlichen und geistigen Ertüchtigung dient, sondern auch den Willen der jungen Rekruten brechen soll. Dennoch führt sich Weimar prächtig und qualifiziert sich sogar für die Box-Meisterschaft der Napola-Schulen.

Als Friedrich jedoch Albrecht, den Sohn des Gauleiters kennen und als Freund schätzen lernt, soll sich sein Leben schlagartig ändern. Albrecht genießt die größten Privilegien, geht aber mit den Methoden der Schule nicht konform. Dennoch beugt er sich ständig und toleriert auch, dass seine Eltern, insbesondere der Vater, ihn immer wieder bloßstellen. Bei einem nächtlichen Einsatz, in dem einige ausgebrochene, russische Kriegsgefangene eingefangen werden soll, werden den beiden die Augen über die wahren Beweggründe der Eliteschulen geöffnet. Grundlos werden flüchtige unbewaffnete Kinder erschossen. Als Albrecht endlich genügend Selbstvertrauen hat, sich gegen den Drill und die sinnlose Gehirnwäsche zu widersetzen und die Maßnahmen der Partei im Rahmen des jüngsten Einsatzes in einem Aufsatz scharf verurteilt, bringt er sich endgültig ins Abseits. Nur noch eine Möglichkeit bleibt ihm und seinem heimlichen Verbündeten Friedrich, sich von den Anführern der Eliteschule nicht brechen zu lassen…

 

Rezension:

Während „Der Untergang“ größtenteils das letzte Komplott der Hitler-Ära dokumentiert und eine ganze Spur globaler aufgebaut ist und die filmische Kurzbiografie von Sophie Scholl auch recht konkret auf eine Person fokussiert ist, schildert Regisseur Gansel in „Napola“ eine zunächst recht unabhängige Tragödie, die eine ganze Spur volksnaher ist als die beiden anderen Titel. Gansel wählt in der Figur des Friedrich Weimar einen potenziellen Eliteschüler, der die sportlichen Voraussetzungen für den Drill bestens erfüllt, nicht auf den Kopf gefallen ist, aber dennoch eine gewisse Naivität mitbringt, die den Rädelsführern der Anstalt zugute kommt, als sie den jungen Weimar bereits bei seiner Ankunft umzubiegen beginnen. Klassische Themen der Grundausbildung beim Militär werden aufgegriffen, während der Fokus auf die Denunzierung des Protagonisten gerichtet ist, und auch wenn die meisten Schüler oftmals gegen ihre eigene Moral agieren und aus Respekt und Angst vor der Obrigkeit handeln, so sind sie doch unfähig, diesen kleinen Teil des Systems zu hinterfragen, geschweige denn, sich dagegen zu stellen.

Die Ironie der Story besteht nun darin, dass der einzige Junge, der die Methoden ernsthaft reflektiert und hinterfragt, das schwächste Glied in der Kette, gleichzeitig aber auch der Sohn des Gauleiters ist. Albrecht ist talentierter Geschichtenschreiber, aber kein Kriegsaspirant und fühlt sich dementsprechend in seiner neuen Umgebung nur schwer zurecht. Aufgrund des Status’ seines Vaters kommt er bei den Sportübungen noch glimpflich davon und genießt einzelne Privilegien, ist aber nicht überzeugt von dem, was er tut. In Friedrich findet er schließlich einen Freund, wenn auch erst einmal keinen echten Verbündeten, obschon ihre Wege kontrastreicher nicht verlaufen könnten. Weimar steigt innerhalb der Schüler-Hierarchie leistungsbedingt auf und bringt es sogar zum Du bei Albrechts Vater, während Letzterer wegen seiner Zurückgezogenheit überhaupt nicht mehr ins kameradschaftliche Gefüge passen möchte. Doch erst ein Eklat bringt die längst überfälligen Erschütterungen zutage – und nur ein weiterer Eklat kann das Schicksal der beiden ungleichen Schüler besiegeln.

 

Die Geschichte ist wirklich prima dargestellt, ohne Pathos oder überschüssige Emotionen, sondern roh, unverfälscht und sehr authentisch. Dies ist sicherlich den sehr guten Leistungen aller Schauspieler zu verdanken, andererseits aber auch den feinen Kulissen und dem fantastischen Storyboard. Die Emotionalität nimmt ein sonderbares, eigenwilliges Eigenleben und steuert den Plot dabei in ganz unterschiedliche Gewässer, bis hin zur absoluten Abscheu ob der Skrupellosigkeit der Anführer und der blinden Vernichtungswut der Vertreter des Hitler-Regimes. All dies flammt hier auf einem anderen Niveau neu auf und öffnet einmal mehr die Augen für die mentale Grausamkeit des Krieges und der beschränkten Weltsicht ihrer falschen Anführer – allerdings, und das ist entscheidend, ohne dabei altbekannte Klischees ein weiteres Mal aufzukochen. Darüber hinaus wahrt sich „Napola“ einerseits durch seine vollständige Unabhängigkeit von Namen und Persönlichkeiten einige Freiheiten, infolge der authentischen Reflektion des gesamten Themenbereichs aber auch die nötige Seriosität. Und das ist ein Umstand, den man gerade im Vergleich mit den oben angeführten Titeln nicht übersehen sollte – abgesehen von den darstellerischen Vorzügen, die gerade auf Charakterebene unvergleichlich stark ins Gewicht fallen.

 

 

Die DVD-Version des Streifens wird dieser Tage ein weiteres Mal aufgelegt, leider jedoch ohne zusätzliche Extras oder einen speziellen Bonus-Anreiz. Warum diese Neuauflage? Gute Frage. Doch über das Wie und Warum sollte man in diesem Zusammenhang gar nicht diskutieren. Wichtig ist, dass diese Schmuckstück des deutschen Films erhältlich ist, denn man muss sich nicht allzu weit aus dem Fenster lehnen, um behaupten zu können, dass man diesen Film gesehen haben muss!

 

Fazit:

„Napola – Elite für den Führer“ ist nicht nur eine Alternative zu „Der Untergang“, sondern eine richtig gute Ergänzung zum Katalog der sogenannten schwierigen Filme über die schwarzen Flecken der deutschen Geschichte. Insbesondere wegen der sehr stark aufspielenden Akteure und der prächtigen Aufarbeitung dieser Geschichte ist Gansels Produktion uneingeschränkt empfehlenswert.

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Oje, das hat nicht geklappt, Elfenwerk! 2024041813570621c1ca19
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DVD:

Napola - Elite für den Führer

BRD, 2004

Regisseur: Dennis Gansel

Komponist: Normand Corbeil

Format: Dolby, DTS, PAL, Surround Sound

Sprache: Deutsch (Dolby Digital 5.1)

Region: Region 2

Bildseitenformat: 16:9

FSK: 12

Studio: Highlight

Spieldauer: 110 Minuten

DVD Features:

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Videotagebuch des Regisseurs

Deleted Scenes; Interviews

Storyboard-Vergleiche; Darsteller-Infos

Hintergründe; Der besondere Filmtipp

Audiokommentar des Regisseurs

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ASIN: B0009S6QSS

 

Erhältlich bei: Amazon

 

Darsteller:

Max Riemelt

Tom Schilling

Devid Striesow


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Erstellt: 28.10.2008, zuletzt aktualisiert: 16.03.2023 18:04, 7617