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Neuland

Reihe: Die Saga vom Dunkelelf Bd. 3

Rezension von Christian Endres

 

Im ersten Band der Comic-Adaption von R.A. Salvatores Saga vom Dunkelelf kämpften wir uns an der Seite von Drizzt Do’Urden durch die dunklen Tunnel und Gänge seines unterirdischen Heimatlandes, ehe wir ihm in Band zwei sogar ins Exil folgten. Nun, im dritten und abschließenden Teil der ersten Trilogie um Drizzt’ Abenteuer, betreten wir gemeinsam mit dem wohl berühmtesten Dunkelelfen des Fantasy-Genres sogar völliges Neuland – was in Drizzt’ Fall bedeutet, an die Oberfläche, das Reich unter der Sonne zu treten und es fortan nicht mehr nur mit seiner unterirdischen, tiefschwarzen Vergangenheit oder seiner gewalttätigen Natur, sondern auch mit Menschen, Orks, Zwergen und anderen Gestalten und nicht mehr oder weniger Schwierigkeiten als zuvor zu tun zu bekommen – denn schließlich ist und bleibt der einstige Prinz der Do’Urden ein Abkömmling vom verhassten und gefürchteten Volk der Dunkelelfen ...

 

Durch sein neues Leben an der Oberfläche lässt Drizzt seine im wahrsten Sinne des Wortes finstere Vergangenheit, ja eigentlich seine gesamte Herkunft und Geschichte hinter sich und macht sich auf die Suche nach einem Neuanfang über der Erde – zumindest versucht er das. Doch die Welt an der sonnenbeschienen Oberfläche ist nicht weniger feindselig, korrupt oder bei Zeiten schwierig zu durchschauen und zu verstehen, als Drizzt’ einstige, von Intrigen und Machtkämpfen im Zeichen der Spinnengöttin zerrissene Heimat in den Gebeinen der Welt. Hinzu kommt, dass die Vergangenheit seines blutrünstigen Volkes dafür sorgt, dass Drizzt überall erst einmal mit einem ganzen Haufen an Vorurteilen oder gar offener Ablehnung und Feindseligkeit zu kämpfen hat. So begibt er sich letztlich, verfolgt und verhasst, auf eine regelrechte Odyssee unter dem für ihn so ungewohnten, jährlichen Himmelslauf der Sonne – stets von der Hoffnung begleitet, in diesem neuen Land eine neue Heimatstätte und eine Chance für einen Neuanfang sowie ein neues Leben zu finden. Neben neuen Feinden und Problemen findet er zum Glück aber auch einige ihm wohl gesinnte Freunde und Gefährten, die ihm bei diesem Vorhaben unterstützen und dem Dunkelelfen einen sicheren Weg über die Erdoberfläche weisen ...

 

Wie in der Regel auch R. A. Salvatores Romane, so zeichnet sich auch Andrew Dabbs Adaption der Saga vom Dunkelelf nicht gerade durch kreative Höchstleistungen oder Genre-erschütternde Innovationen aus. Auch der vorliegende Comic kommt auf den ersten Blick deshalb eher hausbacken, bestenfalls noch routiniert und eher grundsolide des Weges daher, doch muss das – zumindest auf den zweiten Blick und vor allem mit Fortgang der Lektüre – ja nicht zwingend etwas Negatives sein. Immerhin wird es trotz aller Routine und all den stereotypen Figuren und Story-Elementen auf den knapp 150 Seiten niemals langweilig, da Drizzt, wie für das Rollenspiel oder an Rollenspiele angelehnte Fantasystücke eben üblich, an der Oberfläche viele kleine und große Abenteuer zu bestehen, Kämpfe auszutragen und Probleme zu bewältigen hat. Dabei kreuzen Orks, Dämonen, Menschen, Zwerge und allerhand anderes Gelichter seinen Weg, sodass der Dunkelelf seiner Herkunft zumindest in dieser Hinsicht nicht ganz untreu werden kann und ab und an wieder seine gefürchteten Klingen mit einem allzu aufsässigen und hartnäckigen Feind kreuzen muss ...

 

Tim Seeleys Artwork scheint mir von Band zu Band besser geworden zu sein. Vielleicht kommt er aber auch einfach nur besser mit einer natürlichen Fauna und Flora zu Recht, wie sie an der Oberfläche von Nöten ist – jedenfalls gefallen mir seine irdischen Landschaften und deren Bewohner deutlich besser als die düstere Heimatstätte der Dunkelelfen aus den ersten beiden Teilen der Reihe. Auch die Farbgebung des manchmal nach wie vor ganz schön blutigen Comics überzeugt spätestens seit dem vorliegenden Trade und kommt mit all dem vorhandenen Licht und den dargestellten Naturaufnahmen so richtig schön zur Geltung, sodass es auch optisch zwar keine großen Innovationen zu bestaunen, dafür andererseits aber eben auch nichts zu beklagen gibt. Im Gegenteil: Entspannt werden das Auge und der Leser durch die Abenteuer von Drizzt und seine Suche nach einem neuen Leben geleitet – für einen Fantasy-Comic, der es so schon schwer genug hat, als ernsthafte Form der Unterhaltung wahrgenommen zu werden und zumindest den Hauch von Bodenständigkeit zu vermitteln, definitiv nicht das Schlechteste!

 

Fazit: Wie schon seine eigentliche Roman-Vorlage, so bietet auch Neuland nichts wirklich Neues – weder in Sachen Story, noch in Sachen Artwork darf man hier die große Offenbarung der neunten Kunst suchen. Wer das allerdings nicht tut, der wird hier trotzdem anderweitig fündig werden: Denn trotz der Tatsache, dass man viele Versatzstücke oder ganze Abschnitte der Handlung so oder in leicht abgewandelter Form bestimmt schon einmal irgendwo gesehen hat, macht der gekonnte Mix aus Genre-Archetypen durchaus Spaß und bietet solide, kurzweilige und nicht zuletzt auch temporeiche und straff erzählte Unterhaltung auf knackigen 150 Seiten – und ist damit die perfekte Lektüre zum Abschalten und Entspannen.

 

Darüber hinaus ist der dritte Band der Saga vom Dunkelelf natürlich insbesondere für Fans der Vergessenen Reiche und der Abenteuer von Drizzt, aber eben auch für Rollenspieler und Freunde klassischer, schnörkelloser Dark Fantasy ein kleines Must-Have.

 

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Comic:

Neuland

Reihe: Die Saga vom Dunkelelf Bd. 3

Autor: R. A. Salvatore

Skript: Andrew Dabb

Zeichnungen: Tim Seeley

Paperback, Klappenbroschur

144 Seiten

Panini, Dezember 2006

ISBN: 3833214392

Erhältlich bei Amazon

weitere Infos:


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Erstellt: 21.12.2006, zuletzt aktualisiert: 23.06.2019 12:39