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Nordlicht von Karin Schulze

Rezension von Carina Schöning

 

„Nordlicht“ ist die Fortsetzung von Karin Schulzes Debütroman „Nordland“ und spielt kurz vor der ersten Jahrtausendwende in Europa. Die neue Religion des Christentums verbreitet sich durch aggressive Anhänger immer mehr. Die alten keltischen und germanischen Naturreligionen werden zurückgedrängt und die Erinnerungen an die Mythen und Legenden verblassen langsam in den Köpfen der Menschen.

 

Die junge Weißfrau Lena macht sich mit ihrem Verlobten Natas und der gemeinsamen Tochter Ragna-Sophie auf nach Nagelfarsend, einer Küstenfestung von Natas´ Vorfahren. Zu Lenas Erstaunen ist ihre Hochzeit gleich am nächsten Tag nach der Ankunft geplant. Neben diversen christlichen und druidischen Priestern kommt auch ihre jüngere Schwester Hanna zu Besuch. Gemeinsam sind sie nach dem Tod des Vaters aus der Enge des Klosters zu einer Gauklertruppe geflohen. Während Hanna aber nur das Seiltanzen erlernt hat, wurde Lena von dem Druiden Erlenmann in die hohe Kunst der weißen Magie eingeführt.

Nun steht Lena wieder vor einer Prüfung. Gleich nach dem Vollzug der Hochzeitsnacht soll sie aufbrechen und den kleinen Indianerjungen Nemitsno zurück ins weit entfernte Markland (Amerika) bringen. Da es ihre Bestimmung ist, macht sie sich zusammen mit ihrer Tochter Ragna-Sophie auf die Reise.

Zeitgleich reist Hanna mit ihrer Mutter nach Salerno, um die Verwandten des verstorbenen Vaters zu finden und der gemeinsame Jugendfreund Torga versucht sein Glück bei den Jägern im Norden zu finden.

 

„Nordlicht“ ist eine krude Mischung aus Märchen und historischer Fantasy. In den wenigen guten Momenten erinnert der Roman sogar ein wenig an die „Avalon“ Romane von Marion Zimmer-Bradley.

Die Grundidee ist nicht schlecht, aber es hapert gewaltig an der Handlung und deren Umsetzung. Ein durchgehender roter Faden fehlt leider vollständig. Ohne irgendeinen nachvollziehbaren Grund reist die Hauptperson mit einem Kleinkind(!) von Schweden über Norwegen und Grönland nach Amerika. Nur um einen kleinen Jungen, den sie überhaupt nicht kennt, zurück zu seiner Familie zu bringen? Warum und wie er überhaupt nach Europa gekommen ist, bleibt genauso offen wie die Frage nach der Motivation. Es ist einfach Lenas Schicksal und Bestimmung. Die Nebenhandlungen mit Torga und Hanna sind genauso merkwürdig konstruiert. Die Mutter hatte beide Kinder damals ins Kloster gegeben und verschwand. Auf der Hochzeit taucht sie dann ohne große Worte auf und nimmt Hanna mit auf ihrer Reise. Dann reisen sie ohne weiteres von Schweden quer durch Europa nach Italien, dann ein kurzer Abstecher in die Bretagne und wieder zurück nach Nagelfarsend?

Dabei bleiben die Reiseorte genauso blass und unglaubwürdig wie die Figuren an sich. Interessante Einzelheiten oder spannende Dialoge fehlen fast vollständig. Alle Personen akzeptieren einfach ihr Schicksal und fügen sich passiv. Hinzu kommt noch eine ungewöhnliche und sperrige Sprache. So ist z.B. ein Lügner ein „Ungerechtigkeitenvorwerfer“ und Augen sind „Seelenlichter“.

Positiv ist, dass Karin Schulze geschickt die nordischen Mythen in die Handlung hinein verwoben hat. So erfährt man z.B. von den Äpfeln der Asen, dem Weltenbaum Yggdrasil oder auch den Schicksalgöttinen der Nornen. Vieles wirkt teilweise schon bekannt aus der römischen oder griechischen Mythologie. Die Indianische Mythologie und Lebensweise wird bis auf die bekannten Klischees à la Karl May leider komplett übergangen. Das Aufeinandertreffen beider Kulturen hätte man viel ausführlicher schildern können.

 

Die Ausstattung und Verarbeitung des Romans ist für einen Kleinverlag sehr gut. Jedem Kapitel ist eine schwarz/weiß Innenillustration mit indianischen Tieren vorangestellt und im Anhang gibt es ein kurzes Glossar zu den mythologischen und historischen Figuren sowie einen knappen Rückblick auf die Vorgeschichte in „Nordland“. Das ansprechende und hübsche Cover hat die Autorin selbst gestaltet.

 

Insgesamt ist „Nordlicht“ ein eher mäßig spannender Roman. Zu viele konfuse Ungereimtheiten in der Handlung, unglaubwürdige und passive Personen und ein abruptes Ende können nicht wirklich überzeugen.

 

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Nordlicht

Autor: Karin Schulze

Broschiert: 225 Seiten

Verlag: Anderwelt Verlag; Auflage: Neuaufl. (30. Juni 2007)

Sprache: Deutsch

ISBN-10:

ISBN-13: 978-3940321107

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 24.06.2007, zuletzt aktualisiert: 19.02.2018 18:45