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Odin 01 von Nicolas Jarry und Erwan Seure-Le Bihan

Rezension von Ingo Gatzer

 

Rezension:

Spätestens nach dem Film „Thor“ - der allerdings auf Basis der Marvel-Comics entstand – erfreut sich die nordische Mythologie steigender Beliebtheit. Der Autor Nicolas Jarry nimmt sich mit dem ersten Band der Comic-Reihe „Odin“ gleich dem Hauptgott des Pantheons an und erzählt dessen Vita. Dass der Franzose, der vor wenigen Tagen seinen fünfunddreißigsten Geburtstag gefeiert hat, sowohl ein Faible als auch ein besonderes Talent für wuchtige Sagenstoffe hat, bewies er zuletzt eindrucksvoll mit dem Zyklus „Götterdämmerung“, der sich primär auf das „Nibelungenlied“ stützt. Sein Landsmann Erwan Seure-Le Bihan feiert mit seinen Illustrationen hingegen sein Debüt als Comiczeichner. Der Bretone hat aber bereits für verschiedene Museen als Illustrator und zudem für Walt Disney gearbeitet.

 

Nicolas Jarry gestaltet sein Setting melancholisch, indem er einen sichtlich altersmüden Odin auf sein Leben zurückblicken und nach Ursachen für den bevorstehenden Niedergang des Göttergeschlechtes der Asen suchen lässt. Natürlich gibt es für Kenner der nordischen Mythologie eher weniger Überraschungen zu entdecken. Aber das liegt in der Natur der Dinge. Der Franzose behandelt insgesamt durchaus die wichtigsten Stationen im ersten Teil der Vita des Göttervaters. Nur manchmal wirkt die Darstellung etwas zu gerafft, etwa wenn nur lapidar mitgeteilt wird, dass Odins Brüder den eher ungewöhnlichen Führungsanspruch des Drittgeborenen anerkannten.

 

An Nicolas Jarrys Arbeit als Texter bzw. der Übersetzung von Uwe Löhmann aus dem Französischen gibt es praktisch nichts zu kritisieren. Er lässt Odin einerseits einen passenden Sprachgestus anschlagen, der einer Göttersage angemessen scheint. Andererseits bleibt der Text aber auch für weniger sagenerprobte Rezipienten gut lesbar, weil der Franzose zu sperrige Satzkonstruktionen und rhetorische Mittel – wie etwa die bei mythischen Texten beliebte Anapher - eher zurückhaltend verwendet.

 

Erwan Seure-Le Bihan variiert sehr schön die Größe seiner Panels, indem er dem in eine – ansprechend gestaltete - machtvolle Aura eingehüllten Göttervater oder auch nur dessen Gesicht in passenden Situationen auch schon mal eine ganze Seite gönnt. Details wie etwa die Verzierungen von Helmen oder die Musterungen der Kleidung arbeitet er penibel heraus. Hier erkennt man den Museums-Illustrator. Auch mythologisch ist er auf Genauigkeit bedacht, was unter anderem durch die acht Beine von Odins Pferd Sleipnir dokumentiert wird.

 

Insgesamt harmoniert Erwan Seure-Le Bihans Darstellung gut mit den Texten von Nicolas Jarry, etwa wenn er gleich auf dem ersten Bild im Hintergrund einen Sonnenuntergang darstellt, was zu dem bevorstehenden Niedergang der Asen graphisch sehr schön korrespondiert. An einigen, wenigen Stellen bleiben seine Zeichnungen aber hinter den Erwartungen zurück. So wird die Darstellung von Walhalla – immerhin heißt es im Text, dass sich kein Bauwerk mit dessen Größe und Herrlichkeit messen konnte – dem Anspruch nicht ganz gerecht. Dafür ist seine Gestaltung des Niedergangs und der Andeutung des Wiederaufstiegs von Loki, bezüglich Farbgebung und Grafik vorzüglich gelungen. Interessant ist auch seine Technik in das Werk Zeichnungen einzustreuen, die an mittelalterliche Illustrationen erinnern.

 

Fazit:

Der erste Teil der Comic-Saga um den nordischen Gott Odin heimst deutlich mehr Plus- als Kritikpunkte ein und liefert eine packende mythologische Lehrstunde in kraftvollen Bildern, die Lust auf eine baldige Fortsetzung weckt.

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Comic

Odin 01

Autor: Nicolas Jarry

Illustrator: Erwan Seure-Le Bihan

Ehapa Comic Collection: Egmont – 63 Seiten – gebundene Ausgabe

Erscheinungsdatum: April 2011

ASIN: 3770434978

 

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 20.06.2011, zuletzt aktualisiert: 21.07.2019 11:39