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Orphan Black, Staffel 1

Rezension von Christel Scheja

 

Normalerweise kennt man Kanada eher als Drehort für viele Produktionen aus dem nahen Ausland, die in Vancouver ansässigen Schauspieler sieht man immer wieder in wechselnden Haupt-, Neben- oder Gastrollen vieler amerikanischer Filme und Serien, vor allem im phantastischen Bereich.

Das Land produziert daher nur wenige Serien selbst, die auch jenseits der Grenzen beachtet werden, noch seltener erhalten sie Preise- Die erst Mitte 2013 ausgestrahlte Serie „Orphan Black“ gehört zu dem kleinen erlesenen Kreis – neben dem internationalen Erfolg wurde sie auch bereits mehrfach mit Preisen ausgezeichnet. Dabei ist die Thematik nicht einmal unbedingt neu, vor allem nicht für Science-Fiction Fans ...

 

Sarah Manning hatte es in ihrem Leben nie leicht. Sie kennt ihre Eltern nicht und wurde hin und hergeschoben, bis sie bei einer Frau, die sie nur „Misses S.“ nennt endlich einen Platz zum Leben fand. Warum diese ihre Heimat England verließ, um mit Sarah in Kanada zu leben, hat sie nie erfahren. Doch sie vertraute ihrer Pflegemutter genug, um die eigene Tochter Kira bei dieser zu lassen. Nun nach einem Jahr, in dem sie sich mit einem brutalen Freund und dessen Drogengeschäften herumschlagen musste, kehrt sie wieder nach Hause zurück, um ihr Mädchen endlich zu sich zu holen.

Doch dann erlebt sie mit, wie eine Frau Selbstmord begeht. Als wäre das nicht alles schon schlimm genug, hat Sarah auch noch daran zu kauen, dass die Tote ihr Gesicht trägt. Aber sie ist klug genug, deren Handtasche an sich zu bringen.

Der Plan ist eigentlich, kurz in die Haut von Elisabeth Childs zu schlüpfen, deren Konten zu plündern und mit dem Geld fortzugehen, um mit ihrer Tochter und ihrem Pflegebruder Felix ein neues Leben zu beginnen, aber es kommt anders als gedacht.

Denn leider müsste sich „Beth Childs“ eigentlich gerade wegen eines tödlichen Schusses vor ihren Vorgesetzten verantworten und wird dabei von ihrem älteren Partner und Tutor Detective Bell geschützt und hat seltsame Kontakte, sie ihr ebenfalls immer wieder zusetzen. Anhand einiger Geburtsurkunden wird Sarah aufmerksam und findet sich schon bald in einem verwirrenden Intrigenspiel wieder. Denn die Verstorbene ist nicht die einzige Frau mit ihrem Gesicht. Da gibt es auch noch eine Deutsche namens Katja Obinger, die vor ihren Augen erschossen wird, nachdem sie ein paar Worte miteinander wechseln konnte, die paranoide Vorstand-Hausfrau und Mutter Alison Hendrix und die Doktorandin Cosima Niehaus.

Durch diese beiden erfährt Sarah schließlich, von dem Geheimnis, das sie alle miteinander verbindet und bedroht. Sie sind Klone – das Ergebnis eines verbotenen Experiments. Ganz offensichtlich haben ihre Schöpfer sich nun dazu entschieden, sie nach mehr als zwanzig Jahren der Beobachtung auszulöschen.

Helena eine wahnsinnige Killerin aus der Ukraine bringt sie auf die richtige Spur, nachdem ausgerechnet Sarah halbwegs deren Vertrauen gewinnen konnte. Hinter all dem stecken nicht nur Einzelpersonen, sondern eine ganze Organisation, die sie noch heute beobachtet.

Alison hat mit ihrer immer stärker werdenden Paranoia also recht, wie Sarah feststellt, dass ausgerechnet Paul, der Freund von Beth, mit dem sie ebenfalls ganz gut auskommt, ein „Monitor“ ist, ein auf Anweisung handelnder Beobachter, der über jede Änderung in ihrem Verhalten berichten muss ...

Je mehr sie erfahren, desto erbitterter kämpfen die Frauen ums Überleben. Denn so einfach wollen sie sich nicht von der Bildfläche fegen lassen ...

 

„Orphan Black“ beginnt wie ein ganz normaler Thriller. Die vom Leben nicht gerade verwöhnte Heldin nutzt die Gelegenheit, die sich ihr bietet, um aus dem Selbstmord einer anderen Profit zu schlagen. Da scheint es nur ein dummer Zufall zu sein, dass die Verstorbene ihr Gesicht besitzt … oder der Nachhall eines Lebens, das sie nie hat leben dürfen.

Und auch die folgenden Ereignisse scheinen darauf hinzudeuten, denn Sarah beschäftigt sich erst einmal nur damit, so geschickt wie möglich in das Leben von Beth Childs zu schlüpfen und dabei nicht in Fettnäpfchen zu tappen. Mehr als einmal schwebt sie in der Gefahr, durch Kollegen aufzufliegen, allein Beths Freund Paul scheint eher glücklich darüber zu sein, dass sie sich zum Guten „verändert“ hat. Dazu kommen natürlich auch Probleme aus Sarahs eigenem Leben, vor allem durch ihren Ex-Freund Vince.

Erst als Katja, Alison und Cosima in ihr Leben treten, wandelt sich das Bild, deutet an, das weitaus mehr dahinter steckt und die junge Frau jetzt nicht mehr so einfach ihrer normalen Taktik folgen kann – nämlich einfach wegzulaufen.

Jede Folge fügt dem Gesamtbild einen weiteren Mosaikstein hinzu. Fragen werden beantwortet, die Auflösungen werfen aber auch gleich weitere Fragen über das wie und warum auf. Gleichzeitig lernt Sarah mit ihren anderen Ichs zusammenzuarbeiten und nicht nur Felix zu vertrauen, der ihr bester Freund und Fels im Chaos ihres Lebens ist.

Schon bald konzentriert sich die Serie nicht mehr nur auf Sarah, sondern auch die anderen Frauen mit ihrem Gesicht.

Die Serie liefert die Antworten nicht auf dem Präsentierteller. Immer wieder fallen Andeutungen und Hinweise, die man erst in Zusammenhang miteinander bringen muss. Die Thematik des Klonens wird subtil eingebracht und nach und nach mit dem Schicksal der Hauptfiguren verknüpft. Am Ende sind die Frauen dank Sarahs Entschlossenheit schon ein gutes Stück weiter – aber wie der Cliffhanger zeigt – auch noch am Anfang.

Die Serie wird in erster Linie von der Hauptdarstellerin Tatjana Maslany getragen, die ihre Figur und jeden der anderen Klone selbst spielt. Es gelingt ihr, die Besonderheiten der unterschiedlichen Personen markant herauszuarbeiten. Wenn sie Helena oder Alison spielt, glaubt man eine ganz andere Frau vor sich zu haben.

Zudem spielt sie die anderen Schauspieler nicht ganz an die Wand. Jeder hat die Möglichkeit, die besonderen Eigenschaften und Geheimnisse seiner Figur herauszuarbeiten und in Zusammenhang mit dem Hintergrund zu bringen. Einige entwickeln sich im Zusammenspiel erst weiter und fügen der Geschichte erst so weitere Elemente hinzu.Und nicht alle Persönlichkeiten sind liebenswert und nett, jede von ihnen hat auch unangenehme Seiten, Ecken und Kanten.

Die Serie fesselt daher nicht nur durch die lebendigen und facettenreichen Figuren, die sich gekonnt von den üblichen Archetypen des Thriller-Genres lösen, und so immer wieder für Überraschungen sorgen, sondern auch durch den intelligent aufgebauten und komplexen Hintergrund, der die Spannung in den einzelnen Folgen von Episode zu Episode steigert, denn so schnell und einfach wird nicht verraten, warum es Sarah und ihre Doppelgängerinnen eigentlich gibt, und aus welchen Grund sie erschaffen wurde.

Auch wenn die Serie auf Spezialeffekte verzichtet und auf einem recht realistischen Level bleibt, so ist doch das Spiel mit der Thematik reinste Science Fiction, werden nämlich auch Probleme angesprochen, die mit dem Klonen direkt einhergehen. Dazu kommt eine actionreiche Handlung, die die Heldinnen immer wieder dazu zwingt, nicht untätig zu bleiben, wenn sie überleben wollen, auch wenn sie damit ihr ganzes bisheriges Leben vollkommen auf den Kopf stellen.

Bild und Ton sind auf der Höhe der Zeit, an Extras gibt es einige Featurettes und Clips, in denen die Macher über die Idee zur Serie sprechen und Hauptdarsteller ihre Figuren vorstellen.

 

 

Fazit:

 

„Orphan Black“ ist nicht ohne Grund eine international erfolgreiche Serie, wartet sie doch mit facettenreichen Figuren, einem interessant gestalteten Thema und einer komplexen Hintergrundgeschichte auf. Die Science-Fiction-Serie ist ein Thriller reinsten Wassers und kommt dabei auch noch ohne Spezialeffekte aus, beweist so, dass gerade phantastische Themen durch den Bezug zum Hier und Jetzt an Brisanz und Spannung gewinnen, wenn man es richtig anfasst.

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Eure Meinung:

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MEDIUM:

Orphan Black, Staffel 1

Regisseur(e): John Fawcett, T.J. Scott, David Frazee, Grant Harvey, Brett Sullivan

Format: Dolby, PAL, RC 2

Sprache: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Deutsch, Englisch

Bildseitenformat: 16:9 - 1.77:1

Anzahl Disks: 3

FSK: Freigegeben ab 16 Jahren

Studio: Polyband/WVG

Erscheinungstermin: 30. Mai 2014

Produktionsjahr: 2013

Spieldauer: 450 Minuten

ASIN: B00IZ11XIY

Erhältlich bei: Amazon

Darsteller:

  • Tatiana Maslany
  • Kevin Hanchard
  • Jordan Gavaris
  • Dylan Bruce
  • Michael Mando

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Erstellt: 16.06.2014, zuletzt aktualisiert: 02.08.2020 16:26