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Penumbra – Black Plague (PC)

Rezension von Cronn

 

Langsam schleiche ich durch den Flur, der lediglich schwach von einigen spärlichen Glühbirnen erleuchtet wird, die hier und da an den Wänden aufflackern. Sie zeichnen meinen Schatten übergroß an der nächste Wand nach, wo er – grotesk ins Riesenhafte verzerrt – einen archaisch anmutenden Tanz aufzuführen scheint.

Im Gang befinden sich mehrere Türen. Ich entscheide mich dazu, die nächstgelegene zu öffnen. Vorsichtig ziehe ich das Türblatt zu mir heran, luge durch den Spalt.

Finsternis.

Ich ziehe meinen Leuchtstab hervor und sofort irrlichert ein grüner Schein über stockfleckige Teppiche, verrostete Regale und staubige Bücher darauf. Ich trete ein, inspiziere den Raum gründlich und finden einen alten Kassetten-Rekorder auf einem Tisch, in einem Metallspind liegt die dazugehörige Kassette. Ich lege sie ein, höre mir die verstümmtelte Nachricht an. Es ist von einem Geheimnis innerhalb dieser stillgelegten Forschungsstätte die Rede. Ein Geheimnis, das niemals an das Licht der Öffentlichkeit gelangen darf, sonst wäre das das Ende der Menschheit.

In diesem Moment verlöschen die Lichter auf dem Flur. Ich stehe im Halbdunkeln, einzig das grüne Schimmern des Leuchtstabs spendet etwas Licht. Da höre ich die Stimme. Kaum menschlich zu nennen, raunt sie etwas davon, dass sie jemanden gehört habe. Und da weiß ich: Sie meint mich!

Ich stecke sofort meinen Leuchtstab weg, keine Sekunde zu früh, denn in diesem Moment höre ich, wie sich die Tür des Raums öffnet.

Im Dunkeln stehe ich da, atme schwer ein und aus. Ich gehe in die Hocke, krieche hinüber zu einem umgeworfenen Tisch und verstecke mich dahinter mit angehaltenem Atem.

Etwas ist im Raum, man kann die schlurfenden Schritte hören.

Mein Atem geht schneller.

Ich darf jetzt nicht hinsehen, sonst verfalle ich in Panik und das würde die Aufmerksamkeit des Wesens dort, knapp einen Meter hinter mir, direkt auf mich lenken.

Das Licht einer Laterne wandert durch den Raum, strahlt nur wenige Handbreit über mich hinweg und gegen die Wand.

Das Wesen atmet, röchelt, murmelt Unverständliches zu sich selbst. Ich halte mir den Mund zu, denn ich will schreien. „Jetzt bloß nicht schreien!“, warne ich mich eindringlich. „Um Gottes willen – schrei jetzt nicht!“

 

Wie schon aus diesem Introtext erkenntlich handelt es sich bei PENUMNBRA – BLACK PLAGUE (oder: „Penumbra – Schwarze Pest“, wie der deutsche Titel lautet) um ein Spiel, das dem Genre des Unheimlichen, landläufig als „Horror“ bezeichnet, zuzuordnen ist und gleichzeitig als Spielgenrevertreter der „Adventure“-Sparte gilt. Dabei geht PENUMBRA aber einen anderen Weg als vergleichbare Games dieses Genre.

 

PENUMNBRA – BLACK PLAGUE wurde von Frictional Games entwickelt und erscheint bei der Koch Media GmbH.

 

Inhalt:

 

Wer den Vorgänger PENUMBRA – IM HALBSCHATTEN kennt, weiß Bescheid. Auf der Suche nach seinem Vater reist Philipp in die eisigen Landschaften Grönlands. Dort angekommen wird er von einem Eissturm überrascht, kann aber gerade noch Zuflucht finden, da er einen Abstieg in eine stillgelegte Mine entdeckt.

 

Die Mine entpuppt sich als Teil einer größeren Forschungsstation, doch niemand scheint überlebt zu haben. Als Philipp schließlich Red, einen ehemaligen Arbeiter, dort findet, wird ihm klar, dass sein Vater ebenfalls in die mysteriösen Vorgänge involviert war.

 

Am Ende des ersten Teils dringt Philipp tiefer in die Station vor und wird dabei

von einem geheimnisvollen Wesen niedergeschlagen und verschleppt.

Hier setzt PENUMNBRA – BLACK PLAGUE an. Der Spieler erwacht in seinem Gefängnis und muss nun versuchen daraus zu entfliehen. Anschließend geht es darum das Mysterium rund um die Eisstation im Untergrund von Grönland zu lüften und eine Gefahr abzuwenden, die das Leben der Menschheit im globalen Ausmaß bedroht...

 

Gameplay:

 

PENUMNBRA – BLACK PLAGUE spielt sich anders als gewöhnliche Adventures. Wo andere Genrevertreter auf vorgerenderte Bildschirmhintergründe mit eingesetzten Sprites oder Polygonfiguren setzen, ist der Spieler bei PENUMNBRA – BLACK PLAGUE in der Ego-Sicht mitten in der Adventure-Welt unterwegs und kann sich direkt umsehen und mit der Umwelt in Aktion treten. Dies erzeugt ein wunderbar gelungenes Mittendrin-Gefühl, das so in keinem anderen Adventure-Typus machbar ist.

 

Eine Steigerung der Immersion des Spielers wird dadurch erreicht, dass man mittels der Maus die verschiedensten Aktionen so auslöst, wie sie auch ähnlich in der Realität mit der Hand betätigt werden müssten. Beispielsweise öffnet man Türen nicht durch ein einfaches Anklicken sondern man zieht die Maus von links nach rechts hinten, oder schiebt die Maus von rechts nach links vorne. Der Effekt ist, dass die Tür sich abhängig von der Spielerbewegung öffnet, sogar Schritt für Schritt – sofern man will. Ähnlich öffnet man Schubladen, indem man sie mit der Maus „aufzieht“. Darin lagernde Objekte reagieren massenträge, spricht: zieht man die Lade schneller auf, rollen die Objekte der Schubladenbewegung hinterher.

 

Aber nicht nur das Untersuchen von Objekten und Öffnen der Türen gestaltet sich bei PENUMNBRA – BLACK PLAGUE anders als in anderen Adventure-Games. Auch der Umgang mit gefundenen Items, sprich Gegenständen, ist anders gehalten.

 

Bei PENUMNBRA – BLACK PLAGUE kann man Gegenstände in der Hand halten und sie frei um die Achsen rotieren lassen, damit man sie punktgenau wieder absetzen kann. Das ist beispielsweise dann sinnvoll, wenn man mit einer Holzplanke eine Brücke über ein stromführendes Kabel oder eine Schlucht legen will.

 

Überhaupt ist also nicht nur der korrekte Umgang mit der Physik vergleichbar mit hochkarätigen Ego-Shootern, sondern auch deren sinnvoller Einsatz als Rätselbestandteil, wie eben geschildert. Aber darin erschöpft sich die Rätselkost bei PENUMNBRA – BLACK PLAGUE nicht. Auch andere Mysterien gilt es zu lüften, beispielsweise PC-Karten neu zu formatieren und konfigurieren, wozu das korrekte Lesen eines Handbuches zur Netzwerkkonfiguration nötig ist. Oder man muss in einer bestimmten Reihenfolge „Knöpfe“ (im Fall von PENUMNBRA – BLACK PLAGUE sind es aber aus den Wänden ragende Arme) drücken, um eine Tür zu öffnen, und vieles mehr. Die Rätseldichte ist hoch, sie sind aber nicht allzu schwer und sollten nur hier und da Probleme bereiten. Manche sind gar durch simples Try-And-Error zu knacken.

 

Faktor: Angst und Dunkelheit

 

Diesem Bereich muss ein gesonderter Abschnitt gewidmet werden, denn selbstverständlich kommt ihm bei einem Horror-Spiel eine besondere Bedeutung zu.

 

PENUMNBRA – BLACK PLAGUE bietet als Grundlage für die darauf aufsetzenden Gefühle eine intensive mysteriöse Geschichte rund um eine geheimnisvolle Sekte, einen Virus und das drohende Ende der Menschheit, so wie wir sie kennen. Das allein und die gelungene Art, wie die Story in Memos, auf Audio-Kassetten per Dia-Show, etc. weitergesponnen wird, erzeugen eine wohlige Gänsehaut beim geneigten Horror-Gamer.

 

Was allerdings das Spielgefühl perfekt macht, ist die Atmosphäre im Spiel selbst. Ausgehend von der Prämisse, dass Dunkelheit per se Furcht evoziert, haben die Entwickler in PENUMNBRA – BLACK PLAGUE hervorragende Arbeit geleistet. Stets ist der Spieler von Dunkelheit umgeben, taucht durch finstere Ecken und kann sich nie sicher sein, was dort auf ihn lauert. Dieses Gefühl des Unbestimmten führt dazu, dass man versucht ist, mehr zu schleichen als zu rennen.

Zudem ist man bar jeder Waffe unterwegs. Wer überleben will, braucht Hirn und vor allem eines: einen sechsten Sinn für Bedrohungen, und wie man ihnen aus dem Weg geht.

 

Die Bedrohungen, die am meisten Angst auslösen, sind die mutierten Wesenheiten, denen man begegnet. Im Gegensatz zum Vorgänger kommen Tiere als Gegner in PENUMNBRA – BLACK PLAGUE nicht mehr vor. Das ist begrüßenswert, denn die neuen Gegner wirken umso bedrohlicher dadurch, dass sie sich eher menschlich verhalten.

 

Das Beängstigende an einer Konfrontation mit diesen Gegnern ist die Tatsache, dass sie für den Spieler unbesiegbar sind. Man führt keine Waffe mit sich, kann also nur darauf hoffen, dass einen die Gegner nicht sehen oder in späteren Leveln darauf vertrauen, dass man schneller ist als sie und sie in gewissen Bereichen einsperren kann.

 

Sollte man einem der Wesen begegnen, so ist es ratsam, sich in die Schatten zu ducken und sich still zu verhalten. Nach kurzer Zeit ändert sich die Bildschirmfarbe zu einem blauen Wabern, was zeigt, dass sich nun die Augen an die Dunkelheit gewöhnt haben und die Spielfigur besser sehen kann. Im Dunkeln ist man solange sicher vor Entdeckung, solange man nicht in Panik gerät und sich damit verrät. In Panik kann man geraten, wenn man eines der Wesen zu lange ansieht. Es ist also angeraten, diese Monster nicht allzu lange zu betrachten und stattdessen wegzuschauen.

 

Dies ist ein genialer Schachzug von PENUMNBRA – BLACK PLAGUE! Dadurch wird dem Spieler eine quälende Haltung aufgezwungen: er sieht nicht, was die Wesenheit tut, kann also schwer einschätzen, wohin sie geht. Er hört sie lediglich. Und das ist bestialisch unheimlich.

Dieser Gameplay-Schachzug verdient höchste Anerkennung.

 

Grafik und Sound:

 

Die Grafik von PENUMNBRA – BLACK PLAGUE ist als sehr gelungen für ein Adventure zu bezeichnen. Die Effekte sehen mittels detaillierter Texturierung und Bumpmapping auf den Oberflächen hervorragend aus. Einzig die Modellierung der Wesenheiten hätte etwas mehr Polygone vertragen dürfen.

Dagegen ist die Darstellung von Wasser überzeugend gelungen und auch die Dunkelheitseffekte, sprich Schattenspiel und Umgang mit Licht, ist ganz wunderbar gelungen. Es macht sichtlich Spaß sich bei abgedunkeltem Raum in dem Adventure PENUMNBRA – BLACK PLAGUE zu tummeln. Das Spiel muss sich hinsichtlich seiner Grafikengine selbst vor Ego-Shootern nicht verstecken.

Der Sound ist bei PENUMNBRA – BLACK PLAGUE sehr effizient eingesetzt. Als Musikuntermalung dient ein ruhiger atmosphärischer, nur ab und an aufbrausender, Soundteppich aus Synthesizer-Klängen. Dies passt zu der abgehobenen und weltentrückten Atmosphäre von PENUMNBRA – BLACK PLAGUE sehr gut.

 

Die restlichen Umgebungsgeräusche sind passend, nicht allzu überschwenglich und somit im rechten Maß eingebaut. Alles andere hätte aufgesetzt gewirkt in einem Adventure in dem es vor allem um Abgeschiedenheit und Einsamkeit in Verbindung mit Wahnsinn und Angst geht.

 

Fazit:

 

PENUMNBRA – BLACK PLAGUE ist das derzeit beste Horror-Adventure, das auf dem Markt existiert. Sowohl die Grafikengine setzt Maßstäbe als auch das Gameplay mit der Physikeinbindung und die grandiose Erzeugung von Angst-Momenten.

Horror-Adventurefans haben auf die Fortsetzung von Penumbra gewartet und gebangt. Ihnen kann Entwarnung gegeben werden. PENUMNBRA – BLACK PLAGUE ist ein würdiger Nachfolger und in vielen Bereich sogar besser als der erste Teil.

 

Für Spieler mit einem Hang zum Geheimnisvollen ist PENUMNBRA – BLACK PLAGUE ein Pflichtkauf!

 

 

Eure Meinung:


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Penumbra – Black Plague (PC)

von Frictional Games, Paradox Interactive & Koch Media GmbH

Plattform: Windows XP / Vista

USK-Einstufung: Freigegeben ab 16 Jahren gem. 14 JuSchG

Spiel und Handbuch auf Deutsch

erschienen im Februar 2008

ASIN: B0010SAY20

Erhältlich bei: Amazon

 

Minimale Systemvoraussetzungen:

Betriebssystem: Windows 2000 / XP / Vista

Prozessor: PIV 1,5 GHz CPU

Speicher: 512MB RAM

benötigter Platz auf der Festplatte: 800 MB

Grafikkarte: 3-D-Karte ab Geforce 3Ti (Geforce 4 MX nicht unterstützt)

DirectSound-kompatible Soundkarte

Eingabegeräte: Tastatur, Maus

Laufwerk: DVD-ROM

 


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Erstellt: 27.02.2008, zuletzt aktualisiert: 16.08.2019 14:42