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Perry Rhodan (PC)

Rezension von Björn Backes

 

Nahezu 2500 Heftromane, unzählige Hörspiele, Comics, zwei nicht ganz so erfolgreiche PC-Spiele und sogar ein (wenn auch ungeliebter) Film – Perry Rhodan ist die definitive Galionsfigur der deutschen Science-Fiction und kann gleichzeitig auf den wohl größten Backkatalog zurückblicken, den eine Sternensaga weltweit vorweisen kann. Schon bald jährt sich die erste Ausgabe der unendlichen Geschichte, an dessen Entwicklung mittlerweile ein ganzes Autorenteam bastelt, zum fünfzigsten Mal, ein Ende natürlich noch lange nicht in Sicht. Kurz zuvor bzw. einige Jahre nach dem verhältnismäßig schwachen Versuch, den unsterblichen Weltraumhelden mit einem PC-Adventure zu würdigen, hat sich die Wiesbadener Spieleschmiede Braingame Publishing noch einmal an eine digitale Adaption der Saga gewagt. Mit „Perry Rhodan – The Adventure“ steht nun scheinbar endlich der würdige Gaming-Vertreter des literarischen Markenzeichens ins Haus. Zumindest in Sachen Umfang und Gameplay scheint das Spiel dem missglückten „Operation Eastside“ aus dem Jahre 1998 meilenweit voraus…

 

 

Das Spiel:

 

Wie es sich für eine stimmungsvolle Adaption eines Rhodan-Games gehört, steht hinter dem eigentlichen Adventure auch eine ziemlich brauchbare Story. In diesem Fall ist Perry in der misslichen Lage, seine entführte Partnerin Mondra Diamond aus den Händen einer extraterrestrischen Macht zu befreien. Zunächst jedoch hat der terranische Held keinen blassen Schimmer, wie es überhaupt zu diesem Komplott kommen konnte. Der Regierungssitz, die Solare Residenz, wird von einer Horde Maschinen angegriffen, Perry vollkommen überrumpelt und Mondra scheinbar als Druckmittel für die unsterbliche Heldenfigur mitgenommen. Rhodan sieht sich zunächst verzweifelt eingesperrt in den Räumlichkeiten seiner Regierung und muss hilflos akzeptieren, dass jegliche noch so klitzekleine Spur zunächst einmal ins Nirwana gejagt wird. Dennoch muss er sich der Konfrontation stellen, tastet sich langsam vorwärts und entdeckt recht bald einige Aufzeichnungen Mondras’, die sich mit dem sagenumwobenen Volk der Illochim beschäftigen. Einige Ungereimtheiten in den Dokumenten gewähren dem Protagonisten schließlich die ersten Hinweise und offenbaren eine heiße Spur, die Rhodan auf seiner unverhofften, neuen Mission durch einige Parts der Galaxis führen wird.

 

In insgesamt sechs Levels lernt der berüchtigte Terraner im weiteren Verlauf neue Völker kennen, stellt sich den jeweiligen untergeordneten Aufgaben der Planeten und stöbet in jeder noch so kleinen Ecke nach Hinweisen. Maschinen wollen untersucht, Terminals ausgewertet und die Umgebung nach Tipps und Ideen befragt werden. Der Infogehalt muss dabei müßig erarbeitet werden, weil viele Details erst bei einer gestaffelten Untersuchung der Schauplätze ans Tageslicht kommen. Die Rätsel werden von Level zu Level kniffliger, die jeweils acht Aufgaben einer jeden Welt im gleichen Maße schwieriger zu bewältigen. Generell ist der Schwierigkeitsgrad recht hoch, zumindest was das Aufdecken der versteckten Informationen betrifft. Manche Szenarien müssen regelrecht auseinander genommen werden, was gerade an den Stellen ein wenig frustrierend sein kann, an denen der Fortschritt des Spiels chronologisch aufgebaut ist. An anderen Stellen wiederum müssen die Rätsel nicht in einer bestimmten Reihenfolge abgearbeitet werden, so dass man manchmal zwar ein wenig in der Luft hängt, sich aber nicht bis zur endgültigen Frustration an bestimmten Schauplätzen durchhangeln muss. Und gerade diese Szenarien machen einem modernen Adventure wirklich alle Ehre!

 

Bis man dann aber erst einmal konkrete Verbindungen zu den Entführern erstellt hat, ziehen noch diverse Stunden ins Universum, vergehen Gespräche und reger Austausch mit 80 ganz unterschiedlichen Charakteren und bleiben manche Geheimnisse immer noch ein Buch mit sieben Siegeln. Die Geschichte schreitet dennoch voran und entwickelt sich langfristig zu einem echt tauglichen Rhodan-Plot, dessen Background-Story durchaus für einen echten Roman geeignet wäre. Die Spielatmosphäre ist jedenfalls fantastisch, die verschachtelten Inhalte sehr gut ins Spielgeschehen eingeflochten und auch der Terraner ein würdiger Superheld, der auch ohne seine überdimensionalen Fähigkeiten – diese würden dem Spielprinzip ja letztendlich im Wege stehen – seine Rolle würdig verkörpert.

 

Grafik/Handling:

 

De Steuerung ist gehabt easy. „Perry Rhodan“ offenbart sich als klassisches Point & Klick-Adventure mit gewohnten Mechanismen und angenehmen Steuerungsoptionen. Die Bewegungen sind somit zwar limitiert, jedoch auch dies ist für das Genre kaum ungewöhnlich.

 

Technisch betrachtet ist das Spiel ebenfalls ziemlich gut aufgestellt. Die Sprachausgabe ist professionell, die Atmosphäre super und auch die Integration der Handlung in die eigentliche Action sehr gut gelungen. Dank des satten Umfangs, 20-25 Stunden sollte man schon einplanen, wird man auch einige Zeit vorm Bildschirm verbringen, um die Geheimnisse der Illochim zu untersuchen und die Relevanz ihrer Legende für die Entführung Mondras’ zu analysieren. Damit bewegt sich „Perry Rhodan – The Adventure“ im oberen Genre-Mittelfeld, wobei erwähnt werden muss, dass diese Netto-Spielzeit äußerst vielfältig gefüllt wird. Bloße Rennerei zwischen den einzelnen Spielstationen eben nicht mitgerechnet!

 

Auf visueller Ebene komplettiert sich schließlich der positive Gesamteindruck: Die Bilder sind stimmig, die Auflösung super, die Bewegungen gerade für ein Adventure sehr flüssig und die Hintergründe zu guter Letzt sehr schön den Vorlagen er Romane nachempfunden. Rhodan-Fans werden sich besonders in den Einspielern sehr schnell heimisch finden, Einsteiger hingegen möglicherweise einen guten Einblick in die Welt der interstellaren Abenteuer bekommen. Statt zweckmäßiger Optik bietet sich also auch in Sachen Grafik eine echtes Highlight, welches den sehr guten Eindruck der Rahmenbedingungen des Spiels überzeugend abrundet.

 

Spielspaß:

 

Im Hinblick auf den anständigen Umfang, die dichte Atmosphäre und die Spieltiefe im Allgemeinen ist es kaum mehr verwunderlich, dass man sich von „Perry Rhodan – The Adventure“ sehr gerne an den PC-Schirm fesseln lässt. Die Verknüpfung aus Action, mitunter schwierigen Rätseln und Storyentwicklung ist zum ersten Mal in der nunmehr 47-jährigen Historie des terranischen Sternenfahrers auch auf dem Computer rundum gelungen und schafft es damit spielerisch, die bisherigen Teilausfälle der Rhodan-PC-Reihe vergessen zu machen.

 

Sehr schön ist auch, dass ein Einstieg für Rhodan-Neulinge eher unproblematisch ist. Zwar ist die Navigation für Insider und Experten natürlich vorteilhafter gestaltet, und auch wird sich manch humorvolle Schote erst dann dem Spieler erschließen, sobald er den Hintergrund aus den literarischen werken des Protagonisten kennt, aber insgesamt sind all dies Aspekte, die Quereinsteiger nicht davon abhalten sollte, sich in dieses stimmungsvolle Science-Fiction-Abenteuer zu stürzen. Im Grunde genommen wird hier nämlich nur ein frisches Setting mit handelsüblichen Mechanismen kombiniert – dies aber wiederum derart überzeugend, dass es aus der Masse der Releases deutlich hervorsticht. Oder anders gesagt: Hier ist langfristiger Spielspaß garantiert!

 

 

Fazit:

 

Man durfte skeptisch sein, was die Bearbeitung des neuen Rhodan-Abenteuers betrifft, schließlich hatte man vor ziemlich genau einer Dekade schon einmal den Transfer des Weltraumhelden auf den Computer versemmelt. Doch mit den neuen technischen Möglichkeiten, die hier äußerst vielfältig genutzt werden, sowie einer sehr schön ausgearbeiteten Kombination aus Story und Adventure-Elementen erweist sich das bereits dritte Spiel der Serie endlich als der erhoffte Durchbruch. Aber ganz unabhängig davon, wie man zu „Perry Rhodan“ und Science-Fiction generell steht: was das Gameplay und das Spiel an sich angeht, ist dieses neue Kapitel um den terranischen Altmeister ein richtig lohnenswertes.

 

 

Eure Meinung:


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Perry Rhodan(PC)

von BrainGame Publishing / Deep Silver / Koch Media

USK-Einstufung: Freigegeben ab 6 Jahren gem. 14 JuSchG

Spiel und Handbuch auf Deutsch

ASIN: B000X3KJYQ

Erhältlich bei: Amazon

 

Minimale Systemvoraussetzungen:

Betriebssystem: Windows XP / Vista

Prozessor: PIV 2,0 GHz CPU

Speicher: 1,0 GB RAM

benötigter Platz auf der Festplatte: 3,5 GB

Grafikkarte: DirectX 9.0 -kompatible Grafikkarte

DirectSound-kompatible Soundkarte

Eingabegeräte: Tastatur, Maus

Laufwerk: DVD-ROM

 


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Erstellt: 24.03.2008, zuletzt aktualisiert: 10.05.2019 10:50