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Piratenmond von Chris Wooding

Rezension von Christel Scheja

 

Chris Wooding ist nicht nur ein preisgekrönter Jugendbuchautor, sondern auch als Musiker und Drehbuchschreiber für Hollywood aktiv. Aus diesem Grund weiß er genau, worauf es in den Geschichten ankommen muss, um den Leser bei der Stange zu halten.

Mit „Piratenmond“ wagt er sich nun offenen Auges in die Welt des Steampunks.

 

In einer Welt, die zivilisatorisch irgendwo in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts steht, gehören Luftschiffe zu den wichtigsten Fortbewegungsmitteln, um die oftmals sehr weiten Strecken zwischen den Städten des Reiches zu überwinden. Einge besondere Landschaftsformationen sorgen allerdings auch dafür, dass der Luftraum nicht so gut zu überwachen ist, wie es sich das Militär wünscht. So sind auch Männer und Frauen in den Fahrzeugen, die als Mischung zwischen Zeppelin und Flugzeug beschrieben werden, unterwegs, deren Geschäfte nicht ganz so ehrlich und gesetzestreu sind wie sie sollten, ähnlich wie sie selbst.

Zu denen, die eine Menge zu verbergen haben und sich deshalb gerne von einem Ort und Auftrag zum anderen bewegen gehören auch Darien Frey und seine Crew auf der „Ketty Jay“. Sie verdienen ihr Geld mit Schmuggelgut und anderen zwielichtigen Geschäften und verprassen es so schnell sie können, weil sie nie wissen, wann ihr letztes Stündlein geschlagen haben könnte. Das sorgt immer wieder für Ärger, denn nicht selten versuchen ihre Geschäftspartner, sie übers Ohr zu hauen oder sind ihnen andere unangenehme Leute auf der Spur.

Eines Tages nimmt Darien einen vermeintlich simplen und lukrativen Auftrag an – er soll einfach ein einen Frachter aufbringen und dessen Güter sichern. Doch als sie das Schiff stellen und lahm legen wollen, explodiert es, obwohl die Waffensysteme der „Ketty Jay“, das nicht hätten bewerkstelligen können.

Schon bald findet Frey heraus, dass er als Sündenbock in einer groß angelegten Intrige dienen soll. Denn das abgeschossene Schiff war zum einen kein Frachter, zum anderen der Sohn des Erzherzogs an Bord.

Doch werden er und die anderen wirklich ihre Köpfe aus der Schlinge ziehen können, nun da sie als Staatsfeind Nr. 1 gelten?

 

Ein verwegener Captain und seine Crew, die alle eine ganz eigene Hintergrundgeschichte haben, actionreiche Abenteuer und gefährliche Intrigen – was will man mehr? Chris Wooding nutzt bewusst Elemente des Unterhaltungskinos, um seine Geschichte vor einer neuzeitlichen Kulisse abzuspulen, die aber auch eine Art von Magie kennt und gesellschaftlich immer noch mehr im Feudalismus verhaftet ist. Ein gewisses Space-Opera-Feeling kommt jedenfalls immer wieder auf, auch wenn die Schiffe niemals die Atmosphäre verlassen.

Die Handlung selbst ist eher simpel. Die Crew wird durch ein wenig Action eingeführt, der Auftrag entwickelt sich schnell als Debakel und danach lernt nicht nur der Leser die Crew besser kennen – auch die Figuren erfahren genug über sich, um zu einer Einheit zusammen zu wachsen. Auch wenn die Geschichte nicht sonderlich in die Tiefe geben, so runden sie doch das Bild der entsprechenden Person ab.

Dennoch nutzt der Autor auch viele gängige Klischees. Eine verbitterte Ex-Geliebte des Helden, die diesen unerbittlich jagt, ist ebenso dabei wie Hintermänner aus dem Adel, die mit allen Wassern gewaschen sind, schmierige Hafenmeister und miese Rivalen. Allerdings folgt er nicht immer Schema F, sondern ist auch schon einmal für eine Überraschung gut.

Alles in allem passt die Mischung aus Abenteuer und Drama wie aufs Auge. Die Geschichte wird niemals langweilig, auch wenn sie am Anfang etwas braucht, um in die Gänge zu kommen. Und sie besitzt ein rundes Ende, auch wenn sich der Autor Anknüpfungspunkte für eine Fortsetzung offen lässt.

 

Insgesamt erweist sich „Piratenmond“ als unterhaltsamer und kurzweiliger Roman, der zwar nicht gerade in die Tiefe geht, aber ein nettes Abenteuer mit interessanten Figuren vor interessanter Kulisse bietet, das allen Space-Opera und Steampunk-Fans durchaus gefallen könnte.

 

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Piratenmond

Autor: Chris Wooding

broschiert, 576 Seiten

Heyne, erschienen März 2011

Übersetzung aus dem Englischen von Peter Robert

Titelbild von Krysztof Bielenin

ASIN: 3453527461

ISBN-13: 978-3453527461

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 11.05.2011, zuletzt aktualisiert: 07.09.2019 14:10