Zurück zur Startseite


  Platzhalter

Ports of Call 2008 Deluxe (PC)

Rezension von Christine Schlicht

 

Da kommen nostalgische Gefühle auf: Ports of Call, der Klassiker der Strategiespiele schlechthin, wenn man einst auf dem Amiga gezockt hat. Stundenlang wurde da die gepixelten Schiffe mit dem betörenden Sound eines kaputten Auspuffs in schmale Hafeneinfahrten bugsiert, um die Kosten für die Schlepper zu sparen. Und dann hat man sich schwarzgeärgert, wenn man in Häfen wie Monrovia Schmuggelgut mitgenommen hat, weil’s sonst keine Fracht gab und dann erwischt wurde. Hach ja, das waren noch Zeiten, als eben noch nicht auf jedem Schreibtisch ein PC stand und es doch schon ein paar Glückliche gab, die solche genialen Spiele ihr eigen nennen und sich an der für die damalige Zeit schon genialen Grafik ergötzen konnten. Wenn Spielrunden über viele Simulationsjahre gingen, wenn man geschickt genug gewirtschaftet hat, um nachher nicht mehr mit Seelenverkäufern über die Weltmeere schippern zu müssen...

 

Ist ja schon gut, jetzt geht’s um das neue Ports of Call...

 

Neu?

Naja....

 

 

Handlung

 

Ports of Call war und ist eine Wirtschaftssimulation. Man spielt einen Reeder, kauft sich ein Schiff oder beteiligt sich an einem, beschafft sich Fracht und schickt seinen Pott auf große Fahrt. Man verdient damit Geld oder verliert eine Menge. Im Zweifelsfall verliert man sogar sein Schiff.

 

Genauer: Man hat ein Startkapital, sucht sich einen Heimathafen und ein Büro aus, beschafft sich ein Schiff (am Anfang wird es vermutlich ein Seelenverkäufer sein, denn mehr kann man sich nicht leisten, wenn man sich nicht auf einen Anteil am Schiff beschränkt). Dann bunkert man den Sprit und versucht, anständige Fracht zu bekommen. Wenn man den falschen Heimathafen hat, in dem es zwar billig ist zu leben, dann kann es passieren, dass man nichts außer Ballast bekommt. So schippert man denn über die Weltmeere, kämpft gegen die Zeit (besonders, wenn man Terminfracht hat, die mit Konventionalstrafen belegt werden kann – eine Art Fracht, die man nicht mit einen Seelenverkäufer annehmen sollte), gegen das Wetter, gegen Piraten, Untiefen und Eisberge (die man selbst umschiffen muss – also Zwangstraining für die, die sonst ihren letzten Penny darauf verwenden, Schlepperhilfe in Anspruch zu nehmen, um heil aus dem Hafen zu kommen. Sofern die Herren Schlepperführer nicht streiken).

 

Hat man die Sache im Griff und ordentlich verdient, den Seelenverkäufer durch Reparaturen immer noch oberhalb der Wasserlinie gehalten und noch keine Polizei am Hals, weil man Schmuggelware mitgenommen hat, dann kann man immer mehr Schiffe dazu kaufen und die Sache wird komplexer. Irgendwann beherrscht man den Welthandel mit den schönen neuen Frachtriesen.

 

So sollte es sein. Man kann auch mit mehreren Spielern zusammen spielen, was dem Ganzen natürlich noch mehr Reiz gibt. Wer schafft das schöne Ziel als erster mit welcher Strategie? Mit Seelenverkäufern unter Billigflaggen fahren oder mit Schiffsbeteiligungen von teuren Häfen aus handeln?

 

 

Technik

 

Es gibt zwei unterschiedliche Handlungsbildschirme: Den Bürobildschirm und die Schiffsbrücke. Das Büro besteht unter anderem aus einer Uhr und aus einem drehbaren Globus, auf dem man Tag/Nachtabläufe, Wettergeschehen und Vorankommen der Schiffe beobachten kann. Wenn das Schiff etwas zu vermelden hat, blinkt es auf diesem Bildschirm und zeigt in einem anderen Fenster, was es zu tun gibt (Schlepperanforderung oder Sturmwarnungen oder oder...) und man muss handeln.

 

Von der Schiffsbrücke aus kann man den jeweiligen Hafen sehen und über ein Menü Reparaturen, Bunkerfüllungen oder Befrachtungen anordnen. Sowohl Büro als auch Brücke werden über die Maus bedient.

 

Anders die Aktionen, in denen man selbst das Schiff führt, also in den Hafen fährt oder ablegt, Untiefen umschifft oder Eisberge. Dann wird mit den Pfeiltasten der Tastatur das Schiff gesteuert. Es gibt eine 3D- und eine 2D- Ansicht für diese Aktionen. Die 2D-Ansicht ist kaum anders als diejenigen aus dem alten Ports of Call von vor 20 Jahren, nur die Steuerung ist dem modernen Design angepasst und die Koordination wird dadurch erschwert, das sich der Bildschirm mit dem Fahrzeug dreht, beim Amiga war die Ansicht statisch. Die 3D-Ansicht macht natürlich viel her und ist etwas anspruchsvoller in der Handhabung und natürlich in der Optik. Man kann auch die Kameraeinstellungen wählen. Zwischen 2D und 3D wird mit F3 hin und her geschaltet.

 

Gamepads und Joysticks werden auch unterstützt.

 

Ärgerlich ist die Sache mit dem Indeo-Codec, was immer das im Endeffekt sein soll. Zugegeben, der Testrechner ist ein älteres Modell, allerdings für die Bedürfnisse eines Grafikers aufgerüstet, so dass er eigentlich alle Anforderungen erfüllt, die auf der Hülle verlangt werden. Doch irgendwas scheint zu fehlen, denn beim Start des Spieles gibt es eine Fehlermeldung, bezüglich des Fehlen des Indeo-Codec. Die Webseite, die man genannt bekommt (ligos.com), um sich diesen Code zu beschaffen, ist entweder nur sehr schwer (weil sehr langsam im Aufbau – Kaffeezeit) oder auch schon mal gar nicht erreichbar. Wenn man sie dann doch erreicht hat, bekommt der staunende Hilfesuchende selbigen Code für 15 Dollar angeboten. Sprich, man sollte wohl einen Rechner der neueren Generationen besitzen (vielleicht ist bei Vista der Code drauf? Oder auf den neuen Grafik-Karten?) um das Spiel ohne jedes Problem spielen zu können.

 

Auch ist es ein bisschen unverständlich, dass das Spiel den Rechner beständig voll auslastet, selbst wenn nur ein einziges Schiff wochenlang über die Weltmeere schippert und man minutenlang nur den Globus vor Augen hat, über den ein paar Tiefdruckgebiete und der Sonnenschein rauschen. Wofür wird die ganze Rechnerleistung gebraucht? Und das, obwohl – vermutlich wegen des fehlenden, vorgenannten Codes – der Vollbildschirmmodus nicht benutzt werden konnte.

 

 

Spielspaß

 

Ports of Call hatte schon immer einen gewissen Suchtfaktor, ähnlich wie Monopoly. In jeder freien Minute wurde der Amiga angeworfen und die Schiffe wurden wieder durch die Welt geschickt. Schleppergebühren wurden grundsätzlich gespart, weil man irgendwann im Schlaf mit jedem Typ Schiff in jeden Hafen einparken konnte. Irgendwie ging es immer weiter, egal wie sehr man gerade in wirtschaftlichen Schwierigkeiten war.

 

Das ist mit dem neuen Ports of Call nicht anders, denn es ist das gleiche Spiel. Haargenau. Geändert hat sich nur die Optik. Es gibt ein paar mehr Schiffe, man hat sie sehr liebevoll und detailliert in 3D an realistische Vorlagen angepasst. Es gibt auch ein paar mehr Häfen, die ebenso ein gutes Stück detaillierter dargestellt sind, in beiden Varianten. Auch gibt es ein paar mehr verschiedene Frachtgüter. Aber das Prinzip ist das Gleiche geblieben und alle „Zwischenfälle“ (Kriegsgebiete, Piraten, Untiefen, Stürme etc.) mit denen man schon früher zu kämpfen hatte, ebenso, so dass man keine Gebrauchsanweisung braucht wenn man das Spiel schon vor 20 Jahren gezockt hat.

 

Aber das braucht man auch sonst nicht, man wird am Anfang sicher eingeführt und die Handlungsschirme sind übersichtlich und intuitiv. Weniger intuitiv sind die Hafendarstellungen, wenn man sich überlegen muss, ob man selbst aus-/einparken soll oder Schlepper rufen. Man sieht nicht eindeutig, wo man liegt, wie herum man liegt und wie kompliziert die Hafenausfahrt am Ende wirklich wird, da man nur einen Ausschnitt sieht.

 

Die 3D-Ansichten sind hübsch anzusehen und für den erfahrenen Zocker sicher auch kein Problem in der Steuerung (und das zusätzliche Feature mit der 3D-Brille macht das noch zu einem echten Erlebnis). Für jemanden mit fehlendem räumlichen Sehvermögen sind sie verwirrend. Der Spielspaß wird durch den Wechsel auf 2D aber nur geringfügig getrübt, denn der eigentliche Reiz liegt an anderer Stelle.

 

 

Fazit

 

Ein Klassiker im neuen Gewand, nicht mehr und nicht weniger. Und auch ein Beweis dafür, dass die Spiele der Atari- und Amiga-Generation ihrer Zeit schon weit voraus waren, nicht nur in der Grafik. Die Ideen, die dahinter stecken, sind wie die Klassiker der Brettspiele (z.B. „Mensch ärgere dich nicht“ oder Monopoly ) unverwüstlich und niemals altmodisch.

 

Wer seinen Amiga vermisst, der wird in nostalgische Schwärmerei verfallen, für alle anderen ist es eine reizvolle Wirtschaftssimulation mit toller Optik.

 

Bleibt nur zu wünschen, das man sich auch mal der anderen Amiga-Spiele-Klassiker annimmt und sie für die PCs der heutigen Zeit aufbereitet. Vielleicht als nächstes „Emerald Mine“? Man darf die Hoffnung ja nie aufgeben...

 

 

 

 

Eure Meinung:


Keine Einträge
Keine alten Kommentare vorhanden.

Zum Seitenanfang

Platzhalter

Ports of Call Deluxe(PC)

von Astragon Software GmbH

USK-Einstufung: Freigegeben ohne Altersbeschränkung gem. 14 JuSchG

Spiel und Handbuch auf Deutsch

ASIN: 393844987X

Erhältlich bei: Amazon

 

Minimale Systemvoraussetzungen:

Betriebssystem: Windows XP / Vista

Prozessor: PIV 2,0 GHz CPU

Speicher: 512MB RAM

Grafikkarte: Grafikkarte NVIDIA 5800 mit 256 MB oder neuer

DirectSound-kompatible Soundkarte

Eingabegeräte: Tastatur, Maus

Laufwerk: DVD-ROM

 


Platzhalter
Platzhalter
Erstellt: 25.03.2008, zuletzt aktualisiert: 10.05.2019 10:50