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Princess, Princess +

Rezension von Christel Scheja

 

Nicht nur Boys Love, auch Shonen-Ai oder Yaoi genannt, das heißt, die Liebe zwischen zwei Jungen oder Männern, die auch körperlich werden kann, wirkt in westlichen Augen exotisch und fremdartig, weil man das in unserer Kultur nicht mehr kennt, auch die Verleugnung des eigenen Geschlechts durch das Schlüpfen und Frauenkleider wird hier eher belächelt als einfach als natürlichste Sache der Welt hingenommen. Zwar kennt man auch in Japan dieses Tabu, aber einige kulturelle Entwicklungen der Vergangenheit - in denen Männer zum Beispiel in weibliche Theaterrollen schlüpften und fortan auch als Frauen betrachtet wurden - machen es für fernöstliche Augen einfacher, die Geschichten als normal anzusehen, in denen dieses Thema eine große Rolle spielt.

 

Um wenigstens einen Hauch von Weiblichkeit in die Schulveranstaltungen zu bringen, wählen die Angehörigen der reinen Jungeninternats jedes Jahr aus ihrer Mitte die hübschesten Jungen der Einstiegsjahre zu ihren „Prinzessinnen“. Diese müssen dann bei den verschiedenen Sportfesten, Wettkämpfen oder sonstigen Feiern in Frauenkleidern auftreten, um den Veranstaltungen eine besondere Note zu verleihen.

Das trifft bei den Auserwählten zwar nicht immer auf Begeisterung, aber diesen wird das Amt durch besondere Vergünstigungen innerhalb dieses Jahres schmackhaft gemacht. Nach einem Jahr Amtszeit und einer kurzen Einlernzeit für ihre Nachfolger, dürfen sie dann wieder ins normale Leben als Junge zurückkehren, auch wenn sie Spaß am Verkleiden und der besonderen Pflege ihres Körpers gefunden haben.

Das merken auch die drei Helden aus „Princess, Princess“, die nun nur noch die Aufgabe haben, den beiden Frischlingen Tomoe und Kiriya die wichtigsten Regeln bei zu bringen, die sie als Schulprinzessinen beherzigen müssen. Auch wenn die beiden Spaß an den Verkleidungen haben, so stimmt doch etwas nicht zwischen ihnen. Immer wieder geraten sie aneinander und streiten sich.

Den ehemaligen Prinzessinnen kommt ein Verdacht: Kann es vielleicht daran liegen, dass die beiden aus unterschiedlichen sozialen Schichten stammen? Denn während Tomoe der Sohn superreicher Eltern ist, hat Kiriyas Familie nur wenig Geld, mit dem sie kaum über die Runden kommt. Ist es Neid, der einen Keil zwischen ihre Nachfolger treibt? Und wenn ja - auf was genau?

 

Wie in ihrer ersten - fünfbändigen „Princess, Princess“-Reihe nimmt sich Mikiyo Tsuda sehr viel Zeit, um die Konflikte zwischen den Figuren auszugestalten und die Bandbreite der Aufgaben ihres Amtes vorzustellen. Mit filigramen Strich und verspieltem Detailreichtum stellt sie die Charaktere in den unterschiedlichsten Kostümen dar und hat deutlich ihren Spaß dabei.

Letztendlich klären sich alle Probleme mit ein paar einfachen Unterhaltungen. Konflikte lösen sich ohne viel hin und her in Luft auf. Tiefe und Charakterentwicklung sollte man daher von dem Manga nicht erwarten. Er bietet in erster Linie augenzwinkernde und fröhliche Unterhaltung mit vielen schönen Zeichnungen.

 

Die Künstlerin wendet sich dabei an eine alterslose Klientel. Auch wenn vor allem junge Mädchen zwischen zwölf und zwanzig ihren Spaß daran haben werden, so können auch ältere immer noch über die liebevollen Charaktere und ihr manchmal schräges Verhalten schmunzeln, weil Mikiyo Tsuda in Darstellung und Sprache der Figuren Rücksicht auf diejenigen nimmt, die bereits seit vielen Jahren die Schule nicht mehr von innen gesehen haben.

 

Obwohl die Künstlerin vor allem durch ihre Boys Love Mangas bekannt geworden ist, klammert „Princess, Princess +“ dieses Thema aus. Es geht ganz allein um Crossdressing und das Schlüpfen von Jungen in eine weibliche Identität ohne transsexuell zu sein. Und genau das bringt sie dem Leser sehr verspielt und amüsant näher.

 

Eure Meinung:


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Princess, Princess +

Autorin und Zeichnerin: Mikiyo Tsuda

Aus dem Japanischen von Christine Steinle

Egmont Manga und Anime, München, Dezember 2007

Mangataschenbuch, 192 Seiten

ISBN 978-3-7704-6836-2

Erhältlich bei: Amazon


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Erstellt: 18.12.2007, zuletzt aktualisiert: 20.04.2019 08:39