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Rabenzauber von Patricia Briggs

Rezension von Christel Scheja

 

„Rabenzauber“ ist nicht der erste Roman der 1965 geborenen Autorin Patricia Briggs. Neben ihrer Mystery Reihe um die Werwölfin „Mercy Thompson“ ist auch noch der Band „Drachenzauber“ erschienen, der ähnlich wie das hier vorliegende Buch zwei zusammenhängende Werke der Autorin umfasst.

 

Die „Reisenden“ werden von den sesshaften Bewohnern der Dörfer gefürchtet und stellenweise sogar gehasst. Man sagt den nomadisierenden Clans nach, dass sie über dunkle Kräfte gebieten und die anderen Menschen nur ins Unglück stürzen wollen. Deshalb vertreibt und tötet man sie, wo man nur kann.

Dabei ist die Wahrheit eine ganz andere: Die „Reisenden“ sind die Nachfahren der einst mächtigen Zauberer der vor tausend oder mehr Jahren untergegangenen Stadt Colossae. Diese beschworen den Schatten des Pirschgängers über diese Welt, der nur durch die Opferung ihrer Stadt gebannt werden konnte. Da er aber immer noch darauf lauert, die magischen Fesseln zu durchbrechen, haben die Überlebenden des Untergangs ihre Nachfahren auferlegt, alles zu tun, um die Kraft des Bannes aufrecht zu erhalten und nach einer Möglichkeit zu suchen, um das Böse ein für alle Mal zu verbannen.

Doch mit den Jahren wird sehr viel vergessen und verlernt. Mit den Namen von Tieren bezeichnet, bleiben sie die magischen Fähigkeiten in der Erinnerung der Wanderer. „Raben“ waren die Magier, Kormorane die „Wetterzauberer“, Eulen die Barden, „ Falken“ die Jäger, „Adler die Hüter“ und „Lerchen“ die Heiler.

Die sogenannten „Weisungen“ werden mit jeder Generation seltener, und immer mehr Clans finden durch Angriffe und Krankheiten den Tod. So ist die sechzehnjährige Seraph die einzige Überlebende ihres Clans, als sie auf den nach Hause zurück kehrenden Söldner Tieragan trifft. Er ist einer der wenigen, der die Zauberin nicht fürchtet, ja sie sogar unter seinen Schutz stellt, als sie sie wie ihren Bruder umbringen und auf dem Scheiterhaufen verbrennen will. Er nimmt sie mit zu sich nach Hause.

Seraph entscheidet sich schließlich ihn zu heiraten, auch wenn sie ihn nicht liebt, denn sie möchte die quälenden Erinnerungen vergessen und spürt, dass es vielleicht auch ihr Schicksal ist, sich erst einmal mit Tier nieder zu lassen, da er - für einen Sesshaften ungewöhnlich - die Weisung des Barden besitzt.

Zwanzig Jahre später haben sie drei Kinder, die nicht nur gesund, stark und klug sind, sondern alle drei auch über unterschiedliche Weisungen verfügen. Seraph fragt sich, warum gerade ihre Kinder so gesegnet sind, aber als Tier vom Fallenstellen nicht nach Hause kommt und Fahrende berichten, dass er durch wilde Tiere umgekommen sein soll, ahnt sie warum. Denn schwache Spuren deuten etwas anderes an. Ihr Mann ist nicht tot, sondern von jemanden entführt worden, der im Schatten des Pirschgängers steht und in dem Wunsch, die alte Macht Colossaes in seine Gewalt zu bringen, das Böse frei zu setzen droht.

Indes kommt Tier in den Kerkern des Kaiserpalastes zu sich und muss erkennen, dass die Verschwörung und ein düsterer, der Magie zugewandter Geheimbund bis in die höchsten Kreise des Adels reicht. Es ist nun an ihm, mit den Fähigkeiten und der Geschicklichkeit des Geschichtenerzählers die Herzen und Seelen derer zu erreichen, die sich der Dunkelheit noch nicht verschrieben haben, denn auf ihn wartet nicht nur die Knechtschaft, sondern auch ein ritueller Tod.

 

Patricia Briggs erzählt keine epische Fantasy vor exotischer Kulisse und mit vielen fremden Rassen. Auch wenn Magie eine zentrale Rolle in ihrer Geschichte spielt, so setzt sie doch außergewöhnliche Elemente eher spärlich ein und verzichtet darauf, andere Rassen einzuführen.

Ihr genügt es schon die Menschen in ihrer Vielfalt zu präsentieren und sich dabei vor allem auf die Menschen zu konzentrieren, die die Geschichte tragen. Da sie aus ihrer Sicht erzählt, weiß man als Leser nicht sehr viel mehr als die Helden und erfasst den Hintergrund auch erst nach und nach.

Das gibt Patricica Briggs die Zeit, die komplexe Struktur von Mythologie Wissen und Wahrheit nach und nach zu entwickeln. Hin und wieder bringt sie ihre Helden in gefährliche Situationen, um die Spannung ein wenig zu erhöhen, Dramatik wird hier aber nicht mit Action verwickelt, und die Lösung für die meisten Probleme ist nicht Gewalt - auch wenn es die ein oder andere Ausnahme gibt - sondern meistens List, Verstand und Diplomatie. Die Magie wird hier nicht zum Selbstzweck, sondern bleibt ein zweischneidiges Schwert, dass man bewusst führen muss, um nicht selbst verletzt zu werden.

Daher sollte man nicht unbedingt viele Kämpfe erwarten. Die Autorin zeigt zwar manchmal recht deutlich, dass die Welt in der ihre Protagonisten leben nicht harmlos ist, setzt aber in erster Linie auf das Lösen von Rätseln und die Entwicklung ihrer Figuren, die mit den Erfahrungen, die sie machen, wachsen. Ein besonderes Augenmerk legt sie dabei auf die Kinder und Jugendlichen, vergisst dabei aber auch ihre Eltern nicht. Alle reifen mit den Abenteuern sie erleben und wachsen in ihre Rollen als stille Retter der Welt hinein.

 

Stilistisch und von der Gewichtung des Inhaltes her, lässt sich „Rabenzauber“ mit Frühwerken von Barbara Hambly vergleichen. Patricia Briggs folgt hier einer Tradition, die vor allem in den 1980ger Jahren sehr beliebt war: Eine vielschichtige Handlung zu schaffen, die mehr auf die Figuren setzte, als auf ein ungewöhnliches Setting oder opulente Klischees und wilde Action. Deshalb sollte man schon diese etwas ruhigere Geschichten mögen, die zwar die Magie als wichtiges Element nutzen, aber sich ansonsten eher mit einer schlichten mittelalterlichen Umgebung und einfachen Menschen zufrieden geben.

 

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Rabenzauber

Autorin: Patricia Briggs

Original: Raven’s Shadow, Raven‘s Strike, USA 2004/5

Taschenbuch, 992 Seiten

Heyne, Mai 2008

Übersetzerin: Regina Winter

Titelbild: Geoff Taylor

 

ISBN 978-3-453-52315-9

 

Erhältlich bei: Amazon

weitere Infos:


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Erstellt: 13.05.2008, zuletzt aktualisiert: 11.11.2019 13:33