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Rache von Claudia Kern

Reihe: Der verwaiste Thron, Bd. 3

Rezension von Christel Scheja

 

Mit „Rache“ schließt Claudia Kern ihre erste Fantasy-Saga „Der verwaiste Thron“ ab. Die Autorin bringt man eigentlich eher mit Science Fiction oder Horror in Verbindung und so lässt sie auch viel von der Nüchternheit einfließen, die man in diesen Genres erwartet.

Sie erzählt die Geschichte der jungen Fürstentochter Ana, die während ihrer Geburtstagsfeier miterleben musste, wie die „Nachtschatten“, ein halbmenschliches Volk von Gestaltwandlern die Burg überfallen. Allein ihrem Leibwächters Jonan hat sie es zu verdanken, dass sie entkommen kann.

Doch auch ihr Bruder Gerit hat überlebt. Dem Jungen gelingt es schließlich, sich mit den Nachtschatten zu arrangieren und kann sich wieder frei bewegen, nachdem er ihre Achtung gewonnen hat. Über die Zeit lernt er sie sogar sehr gut kennen, dass sich mehr als nur Toleranz zwischen ihm und einigen Vertretern dieses Volkes entwickelt hat.

 

Da Somerstorm nicht gerade arm war und seine Lage eine interessante Machtposition bietet, wird Ana sehr schnell zu einem Spielball zwischen den verschiedenen Fraktionen unter den Adligen. Intriganten trennen sie von Jonan, der nun auf eigene Faust versuchen muss zu überleben und die junge Frau wieder zu finden, die zwar einmal zu fliehen versucht, aber dadurch noch mehr in Schwierigkeiten gerät, denn man verschleppt sie als Sklavin nach Sranizar. Dort erfährt sie von nicht mehr ganz so ehrenhaften den Machenschaften und noch mehr.

Auch das Volk der „Verlorenen“ versucht Profit und Macht aus dem Kampf um Somerstorm zu gewinnen, denn das Land birgt auch ein schreckliches Geheimnis. Der schwarze Sand, der von einem Gewässer aus den Tiefen der Berge hervor geschwemmt wird, verleiht magische Macht. Wer diesen Ort tief unter der Erde kontrolliert, kann von nun an alles steuern und zudem auch noch seelenlose Soldaten schaffen.

Derweil verbündet sich Gerit mit den Nachtschatten. Durch eigene Spionage im feindlichen Lager findet er heraus, dass er so oder so der Verlierer sein könnte, denn die anderen Adligen werden sich nicht scheuen ihn zu töten, wenn sie herausgefunden haben, dass er noch lebt. Und so wählt er die Seite, die viel offener und ehrlicher zu ihm ist.

Auch Jonan hat die Spur seiner Geliebten wieder gefunden und versucht sie nun aus der Gefangenschaft ihrer unheimlichen Wächter zu befreien. Vor Sommerstorm treffen alle Parteien schließlich zusammen, und es kommt zu einem blutigen Kampf zwischen den Völkern, die alle ihre eigenen Motive haben, um Somerstorm an sich zu bringen und nicht wieder aufzugeben. Werden Gerit, Ana und Jonan lebend und unverletzt aus den Kämpfen entkommen und ihre eigenen Seelen retten können.

 

Claudia Kern verzichtet bewusst auf die üblichen blumigen und märchenhaften Beschreibungen der exotische Umgebung und der auftauchenden Rassen. Ihre Welt ist sehr an die des Mittelalters und der Renaissance angelehnt, die Magie spielt nur eine untergeordnete Rolle.

Machiavelliesche Fürsten versuchen einander auszubooten, ein geheimnisvolles Volk, über das man leider viel zu wenig erfährt, arbeitet daran, Menschen und Nachtschatten gegeneinander aufzureiben um als lachende Dritte da zu stehen, und der Rest – einschließlich der Helden eigentlich nur zu überleben. Jede der Parteien hat ihre Motive und Gründe um mitzumischen.

Überraschend schwach ist die Hauptfigur. Denn auch wenn Ana nicht will, dass ihre Heimat den Falschen in die Hände fällt, so arbeitet sie doch weniger daran als Gerit, der immer wieder Leben und Verstand riskiert und lässt sich fast nur vom Geschehen treiben, anstatt ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen.

Claudia Kern behält bei, dass ihre Figuren nicht in Kategorien einzuordnen sind. Jeder hat seine guten und schlechten Seiten, wer gut und wer böse ist bestimmt immer die eigene Sichtweise, denn die Grenzen sind mehr als verwischt.

„Rache“ führt letztendlich die Handlungsstränge zusammen und das ganze Buch zu einem glaubwürdigen Ende, in dem jeder die Früchte ernte, die er vorher gesät hat. Das zieht sich allerdings in der ersteh Hälfte des Buches ziemlich hin, so dass das Buch erst wirklich auf den letzten Seiten in Gang kommt und sich dort die Spannung zu einem kleinen Höhepunkt steigert.

 

„Rache“ bietet wie seine Vorgänger ein recht nüchternes und blutiges Fantasy-Abenteuer, das die meisten Fragen beantwortet, sich aber auch Hintertürchen für weitere Geschichten offen lässt. Zwar ist der Roman nicht ganz so spannend wie der Auftakt, da sich das Ende doch ein wenig hinzieht, aber der Zyklus wird trotzdem gelungen zu einem sauberen Ende geführt, der auch weiterhin ohne all zu große Klischees auskommt.

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Rache

Reihe: Der verwaiste Thron, Bd. 3

Autorin: Claudia Kern

Klappbroschur, Paperback - 384 Seiten

Heyne, erschienen August 2009

Titelfoto von Eric Bouffart, Karte von Domenica Pilzek

ISBN-10: 3442244226

ISBN-13: 978-3442244225

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 01.11.2009, zuletzt aktualisiert: 11.11.2019 13:33