Räderwerk (Der Killer Bd. 2)
 
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Räderwerk

Reihe: Der Killer Bd. 2

Rezension von Christian Endres

 

Nachdem er bei seinem letzten Auftrag die Nerven verloren hat, flüchtete der Killer nach Venezuela, um dort seine Wunden zu lecken und die geschundene Seele ein wenig baumeln zu lassen. So genießt er am anderen Ende der Welt zu Beginn von »Räderwerk« auch das Leben, versucht zu vergessen, ja freundet sich sogar mit dem Gedanken an einen Ausstieg aus dem Geschäft und den Beginn eines richtigen Lebens an. Doch die jüngste Vergangenheit und sein Scheitern in Paris holen ihn auch an der verträumten Küste Venezuelas wieder ein, als ein Beamter der französischen Polizei ihn im Paradies aufstöbert. Ohne zu zögern greift der Killer zum Gewehr, um den unangenehmen neugierigen Schnüffler im Sumpf zwischen Alligatoren und Schilf zum Tanz zu fordern ...

 

Zurück in Paris, bittet er Rechtsanwalt Edouard, seinen langjährigen Geschäftspartner und Freund, der Sache nachzugehen und zugleich sein Geld locker zu machen, damit er nach dem Ausstieg genügend Sicherheit auf dem Bankkonto hat. Im Gegenzug soll der Killer noch einen letzten Auftrag erledigen, bis das Geld flüssig ist - in den Bergen, zwischen flotten Skihasen und schnellen Abfahrten. Doch wo im ersten Band der Reihe noch primär die Doppelmoral regierte, herrscht nun vor allem ein doppeltes Spiel vor, das der Killer erst einmal durchschauen muss ...

 

Autor Matz nutz geschickt die Angst und Paranoia seines Killers, deren Grundstein er durch die Geschehnisse zum Ende des ersten Albums gelegt hat. Es ist interessant zu beobachten, wie der in die Enge getriebene Killer, plötzlich gefangen zwischen Furcht und Verrat, mit der neuen Situation fertig werden muss, indem er vor allem seinen Instinkten vertraut. Dass menschliche, zivilisierte Begriffe wie »Freundschaft« und »Loyalität« in einem Geschäft, dessen Währung der Tod ist, andere Werte haben und dennoch wichtig sind und ganze Welten ins Wanken bringen können, ist eine weitere interessante Erkenntnis und Facette der Geschichte um den Profi-Killer, den nicht nur das Cover dieses Bandes mit den räuberischen Aligatoren des Sumpfes verbindet.

 

Bereits 64 großformatige Seiten genügen, um das Können von Luc Jacamon eindrucksvoll zu demonstrieren – was nicht zuletzt daran liegt, dass Matz das Szenario sehr abwechslungsreich gestaltet hat: Tropische, von Alligatoren verseuchte Sümpfe im heißen Venezuela, Domino-Spielchen und Gespräche im flirrenden Hotelschatten, aber eben auch das hektische Treiben am Pariser Hauptbahnhof oder die kühlen, von Touristen bevölkerten Skiregionen der Alpen. Grafisch ist das also alles ebenfalls sehr abwechslungsreich, und trotzdem auf gewisse Art und Weise auch homogen - und vor allem stets großartig gezeichnet und koloriert. Diesmal gibt es außerdem noch eine gesteigerte Dosis Sex, ein einmal mehr sehr schönes Cover und dazu schließlich noch eine Reihe einheitlich gefärbter Flashbacks, welche die ohnehin schon ungemein dichte Handlung über den Weg der Zeichnungen noch um eine weitere stilistische Komponente erweitern, wenn der Killer die letzte Nacht aus seiner Sicht schildert oder wir gar etwas über seine Familie erfahren.

 

Die in allen Belangen konsequente Fortsetzung der Geschichte führt schließlich dazu, dass einem guten ersten Schuss ein nahezu perfekter zweiter folgt. Somit ist »Räderwerk« die kompromisslose Fortsetzung einer bisher wirklich ausgezeichneten Comic-Reihe mit einer Prise noir.

 

 

 

 

Oje, das hat nicht geklappt, Elfenwerk! 202310011001062a613e66
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Comic:

Räderwerk

Reihe: Der Killer Bd. 2

Autor: Matz

Zeichner: Luc Jacamon

Hardcover, 64 Seiten

Ehapa, 2004

ISBN-Code: 3770408225

Erhältlich bei Amazon


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Erstellt: 16.06.2007, zuletzt aktualisiert: 28.12.2022 16:07, 4135