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Rampage – Rache ist unbarmherzig (DVD; Horror; FSK 18)

Rezension von Torsten Scheib

 

Rezension:

Rampage. Hm. Hört sich wie der Name eines Videospiels an; vornehmlich dem eines Ego-Shooters. Augenblick mal? Videospielverfilmung? Zwangsläufig fällt einem da natürlich der Name Uwe Boll ein. Der Wermelskircher, dem wir solche „Meisterwerke“ wie Alone in the Dark, Schwerter des Königs – Dungeon Siege oder Far Cry zu verdanken haben; samt und sonders Adaptionen von bekannten und erfolgreichen Spieleformaten. Das man von derlei, längst in ihrer eigenen Genrenische existierenden, Filmen keine künstlerischen beziehungsweise intellektuellen Höhenflüge zu erwarten hat, dürfte klar sein. Wenn dann aber eine angesehene Britische Publikation Boll attestiert, der legitime Nachfolger von Trashkönig Ed Wood zu sein, dann stimmt solch eine Aussage durchaus ein wenig bedenklich. Doch genau dort liegt der Unterschied: „Rampage“ ist nämlich keine Videospielverfilmung. Es soll die nüchterne und grauenvolle Analyse eines Amoklaufs sein und zugleich eine kritische Auseinandersetzung mit den Moralvorstellungen unserer Gesellschaft. Klingt das nach Videospiel? Eher nicht. Eigentlich auch nicht nach Uwe Boll. Und macht den Streifen dadurch noch interessanter.

 

Eine Kleinstadt irgendwo in Amerika. Der Mittelstand regiert. Spektakuläre Großereignisse kennt man nur vom Hörensagen oder aus dem Fernsehen. Der 23-jährige Bill Williamson (Brendan Fletcher) ist Teil einer typischen Mittelstandsfamilie – und reichlich angefressen. Schlimm genug, dass ihn seine Eltern (Matt Frewer und Lynda Boyd) ständig damit nerven, dass er endlich ausziehen und mehr aus seinem Dasein machen soll, als an Autos rumzuschrauben, kotzt ihn zusätzlich auch der gegenwärtige Zustand der Welt im Allgemeinen ziemlich an. Hungersnöte, Finanzkrisen, Rekordpreise beim Öl … die Gesellschaft schaufelt sich ihr eigenes Grab und lächelt dabei. Packt man noch die egoistischen Zwänge der vorherrschenden Ellbogengesellschaft und den allgegenwärtigen Konsumwahn dazu, entsteht ein menschlicher Vulkan, der kurz vor seinem Ausbruch steht. Davon wissen allerdings weder seine Erzeuger noch sein guter Kumpel Evan (Shaun Sipos). Letzterer ist sogar felsenfest überzeugt, dass die gemeinsamen Paintball-Ausflüge in den nahegelegenen Wald als ziemlich guten Stressabbau für seinen Freund fungieren. Doch weit gefehlt: Eines Morgens wacht Bill auf, schlüpft in die kugelsichere Panzerung Marke Eigenbau und verlässt sein Domizil im heimischen Elternkeller – schwer bewaffnet und zu allem fähig …

 

„Schlecht“ ist nicht gerade das passende Wort für Herrn Bolls neuestes Elaborat. Handwerklich ist „Rampage“ nämlich im Großen und Ganzen einwandfrei; wie es auch an der, sicherlich ziemlich simplen, Story im Grunde nicht viel auszusetzen gibt. Gleiches lässt sich auch von den Schauspielern und insbesondere von Brendan Fletcher sagen, der Dreh- und Angelpunkt des Streifens ist. Ferner gelingen Boll diesmal sogar einige wirklich originelle, teils sogar sehr kraftvolle Einstellungen, die einerseits den Protagonisten Bill Williamson näher beleuchten beziehungsweise der waffengeilen US-Gesellschaft den Spiegel unter die Nase hält. Gemeinsam mit den wackeligen Aufnahmen entsteht dadurch eine Art Pseudo-Dokumentation, welche die schrecklichen Vorgänge noch authentischer wirken lässt. So weit, so gut. Denn spätestens gegen Mitte des zweiten Akts sackt der vormals wirklich gute Film immer tiefer ab. Einerseits aufgrund diverser herausgeschnittener Szenen, die den Erzählfluss empfindlich stören, andererseits dank der neuen Richtung, die sich allmählich herauskristallisiert. Denn – und so viel sei verraten – die wahren Motive von Bens Amoklauf sind nämlich anderer Natur. Und sogar von langer Hand geplant. Ergo versucht sich Boll an einer Art billiger Sixth Sense-Abklatsch, scheitert jedoch in nahezu allen Belangen. Wo ein versierterer Regisseur sicherlich noch einiges zu retten gewusst hätte, hinterlässt Boll dadurch einen reichlich faden Beigeschmack und lässt die nüchtern-schonungslose Fallstudie ansatzweise zur Farce verkommen, die dank dem von Uwe Boll höchstpersönlich gesprochenen Audiokommentar noch zusätzliche Nahrung erhält, dass hier jemand zwar ein Konzept hatte, aber einfach nicht den passenden Ansatz zur adäquaten Umsetzung.

 

Fazit:

Mehr als gehobener Durchschnitt will Uwe Boll diesmal auch nicht gelingen – und beinahe empfindet man diesmal sogar Mitleid mit dem Mann, würde er sich nicht selbst sein eigenes Grab schaufeln, indem er versucht, eine klare und im Grunde überzeugende Handlung unversehens vollends auf den Kopf zu stellen – und daran scheitert; von den überdeutlichen und sehr ärgerlichen Schnitten ganz zu schweigen.

Eure Meinung:


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DVD:

Rampage – Rache ist unbarmherzig

Originaltitel: Rampage

Kanada/Deutschland 2009

Regie: Uwe Boll

Format: Dolby, PAL, Widescreen

Sprache: Deutsch (Dolby Digital 5.1), Englisch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Deutsch

Bildseitenformat: 16:9 - 2.35:1

Umfang: 1 DVD

FSK: 18

Splendid, 30. Juli 2010

Spieldauer: 76 Minuten

 

ASIN: B003KHJJKW

 

Erhältlich bei Amazon

 

Darsteller:

Brendan Fletcher

Shaun Sipos

Lynda Boyd

Matt Frewer

Michael Paré


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Erstellt: 25.09.2010, zuletzt aktualisiert: 27.03.2020 10:23