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Ring der Wahrheit

Reihe: Y: The Last Man (Bd. 5)

Rezension von Martina Klein

 

„DAS GEHEIMNIS WIRD ENTHÜLLT! Warum hat Yorick als einziger Mann der Erde die Seuche überlebt? Die Antwort könnte erstaunlicher nicht sein. Aber was nützt die Erkenntnis, wenn diverse Personen versuchen, ihm das Lebenslicht auszublasen? Personen aus der geheimnisvollen Vergangenheit der Agentin 355. Und eine Ninja-Kämpferin, die alles tut, um Ampersand, Yoricks Äffchen, in die Finger zu bekommen.“ Das besagt die Verlagsankündigung.

 

Und hinten auf dem Buch steht:

„Seit zwei Jahren ist Yorick Brown, der letzte überlebende Mann der Erde, auf einer Odyssee durch Nordamerika, gemeinsam mit seinem Haustier, dem Äffchen Ampersand (dem einzigen anderen männlichen Säugetier, das die Seuche überstand, die im Jahr 2002 alle mit einem Y-Chromosom ausgestatteten Lebewesen dahinraffte). Doch nun haben Yorick und seine Gefährtinnen - Agentin 355 und die Kloning-Spezialistin Dr. Allison Mann - endlich das Labor von Dr. Mann in San Francisco erreicht. Hier kann sie hoffentlich dem Geheimnis auf den Grund gehen, warum Yorick und Ampersand überlebt haben.

 

Aber jetzt, da das Trio nicht mehr ständig unterwegs ist, haben auch dessen zahlreiche Verfolger Gelegenheit aufzuschließen. Diesen Bedrohungen können Yorick und seine Gefährtinnen wenigstens ins Auge schauen. Weit tückischer jedoch sind die Gefahren, die sie nicht sehen können. Sie könnten dem letzten Mann den Garaus machen - und mit ihm auch der ganzen Menschheit.“

 

Leider gibt es am Anfang keine Zusammenfassung darüber, was bisher geschah, sondern nur den kurzen Text auf der Rückseite des Buches. Da der ziemlich dünn ist, muss man eigentlich schon alle Teile der mehrbändigen Reihe gelesen haben, um wirklich mitzukommen.

 

Der Band beginnt natürlich mittendrin...: Yorick Brown, der Hauptheld, ist alleine in einer Kirche und hadert mit sich und seinem Schicksal. Zur Tarnung, damit ihn niemand als den letzten noch lebenden Mann erkennt, trägt er eine Gasmaske und einen weiten Umhang.

 

Er lernt dort eine - im wahrsten Sinne des Wortes! - heißblütige Frau kennen - die nämlich damit droht, ihn anzuzünden, weil er in eben die Kirche eingedrungen ist, die sich als Wohnort ausgesucht hat. Wegen seiner Verkleidung erkennt sie ihn zunächst nicht als Mann. Als jedoch sein Umhang Feuer fängt und er ihn wegwirft und sich somit enttarnt, ist sie sprachlos...

 

Er erzählt ihr seine Geschichte, und somit erhalten wir doch noch unsere Kurzzusammenfassung darüber, was bisher in der Geschichte geschehen ist: Yorick ist zusammen mit ein paar Frauen unterwegs zu einem Genlabor in San Francisco, um dort herauszufinden, warum ausgerechnet er als einziger Mann die schlimme Seuche vor mittlerweile zwei Jahren überlebt hat.

 

Er nennt seine Begleiterinnen vertrauensvoll "meine Mädels" - so hat er zu Beginn der Geschichte noch nicht über sie gesprochen, es muss also in der Zwischenzeit eine Menge passiert sein...!

 

Die Frau in der Kirche heißt Beth, genau wie Yoricks verschollene Verlobte, an die er nun wehmütig denken muss. Die beiden unterhalten sich schließlich über die Kirche, und zwar nicht nur über das Gebäude, in dem sie sitzen, sondern auch über die Institution im Allgemeinen: Das große Problem, das die Kirche in diesen Tagen hat, ist, dass alle wichtigen Positionen eigentlich nur mit Männern besetzt werden können - und die gibt es ja nun bekanntlich (fast) nicht mehr...! Also kann einem nun noch nicht mal mehr jemand die Beichte abnehmen, was Yorick jetzt so dringend gebrauchen könnte...

 

Er gesteht Beth, dass er eine Frau umgebracht hat - oder besser gesagt eigentlich noch ein Mädchen. Es geschah aber in Notwehr! Und er wollte sie eigentlich nicht töten. Wollte sie, nachdem er sie angeschossen hatte, sogar noch retten, als sie nicht aufhörte zu bluten, doch vergeblich. Das alles belastet ihn jetzt sehr.

 

Und auch Beth hat Schlimmes erlebt...: Sie war früher - also bis zu der grausamen Katastrophe! - Stewardess. Sie war an Bord eines Flugzeuges, als die große männermordende Seuche zuschlug.

 

Viele der überlebenden Frauen glaubten damals, dass Gott die Männer zu sich in den Himmel geholt und die Frauen als Strafe dafür, dass sie die Töchter der sündigen Eva sind, alleine unten auf der Erde zurück gelassen hatte. Ganz so weit würde Beth zwar nicht gehen, dennoch hält auch sie die Seuche für eine Strafe Gottes.

 

Die Krankheit verlief sehr schnell und extrem blutig. Mit dem halben Flugzeug voller Leichen musste Beth eine Notlandung durchführen. Sie und drei weitere Frauen überlebten als einzige...

 

Nun fühlt sich Beth schuldig, weil so viele weitere Menschen bei der missglückten Notlandung ums Leben kamen.

 

Wegen ihres gemeinsamen Leides verlieben sich Yorick und Beth ineinander - zumindest für den Moment! - und verbringen die Nacht zusammen. Prompt hat Yorick ein schlechtes Gewissen wegen seiner Verlobten, die wie gesagt zufällig auch Beth heißt. Er hat nicht mehr mit ihr sprechen können seit der großen Katastrophe, die ja immerhin schon zwei Jahre her ist. Und er weiß nicht mal, ob sie noch lebt! Sie war damals im australischen Outback und kam dort nicht mehr rechtzeitig weg, bevor alles zusammenbrach.

 

Dann bekommen Yorick und Beth überraschend Probleme mit einer Hand voll Amazonen - der allgegenwärtigen Bedrohung dieser Zeit. Die kämpferischen Frauen sind bis an die Zähne bewaffnet und machen nichts als Ärger. Jetzt wollen sie die Kirche, in der Beth haust und die für die Amazonen nur ein "ekelhaftes Zeichen der alten männlichen Vorherrschaft" ist, abfackeln.

 

Gemeinsam gelingt es Beth und Yorick, sie davon abzuhalten und loszuwerden. Und dabei beeindruckt Yorick Beth mit ein paar kleinen Zaubertricks, die er beherrscht und die ihm schon so manches Mal in heiklen Situationen geholfen haben.

 

Doch obwohl sie ihn sehr mag, ist Beth nicht bereit, mit Yorick nach San Francisco zu kommen. Sie sieht ihren Platz auch weiterhin als Hüterin dieser Kirche.

 

Schnitt: Wir sind jetzt bei Yoricks Verlobter (die, die auch Beth heißt...) im australischen Outback. Doch auch sie und ihre Begleiterin Margo bekommen schnell Probleme...

 

Weiter geht es mit Yoricks großer Schwester Hero. Sie war früher der Rebell in der Familie Brown. Wir erinnern uns: Yoricks und Heros Mutter war einst eine wichtige Politikerin, die ihren Kindern viel an Leistung und Disziplin abverlangt hat.

 

Heros große Liebe Joe ist bei der verheerenden Katastrophe in ihren Armen gestorben. Jetzt macht sie sich auf die Suche, um ihre Mutter wiederzufinden. Die beiden Frauen wissen, dass Yorick noch am Leben ist, haben jedoch unterschiedliche Konsequenzen daraus gezogen.

 

Hero nämlich war in der Zwischenzeit bei den Amazonen und wollte wie sie die Männer alle (!!) auslöschen! Dazu hatte Hero ein paar Frauen, die in einem früheren Teil der Geschichte eine Rolle gespielt hatten, geholfen, indem sie Yoricks Affen Ampersand, das zweite männliche Säugetier, das die Seuche überlebt hatte, vermittels eines Senders, den ihre Mutter bei dem Tier versteckt hatte, aufgespürt hatte. Doch der Affe ist inzwischen wieder sicher bei seinem Herrchen. Und Yorick geht es ja auch noch gut...

 

Wir erfahren, dass mittlerweile tatsächlich ein kleiner Junge - zwar in Quarantäne, aber immerhin...! - das Licht der Welt erblickt hat, und das nach Ausbruch der schlimmen Seuche! Eine Astronautin kam schwanger zur Erde zurück und hat inzwischen in einer sogenannten „Hot Suite“, also in einem Quarantäneraum, in den sie sofort gebracht worden war, entbunden.

 

Yorick und seine Begleiterinnen erreichen endlich San Francisco. Dort rennt der einzige Mann der Welt wieder mit seiner Gasmaske und dem Umhang herum, um nicht erkannt zu werden. Hero ist ihm auf der Spur und mittlerweile ziemlich dicht auf den Fersen. Doch davon ahnt er nichts...

 

Währenddessen plagt sich die Gen-Spezialistin Dr. Allison Mann mit Yoricks Affen Ampersand herum, dem wie erwähnt zweiten lebenden männlichen Säugetier der Welt. Er lässt sich nämlich nicht so bereitwillig von der schönen Ärztin untersuchen wie sein Herrchen.

 

Dann hat die Spezialistin endlich eine Idee, was Yorick nun wirklich als (fast) einzigen am Leben erhalten hat: Er hatte für seine Verlobte (die, die auch Beth heißt...) einen Verlobungsring aus einem seltsamen metallischen Material erstanden. Da er vor der großen Katastrophe noch keine Gelegenheit gehabt hatte, ihn ihr zu überreichen, trägt er ihn nun immer noch an einem Schnürsenkel um den Hals. Und als er ihm jetzt abhanden kommt, geht es ihm auf einmal gar nicht gut...

 

Daher auch der Titel dieses Bandes: "Ring der Wahrheit"... Doch es kommt noch ganz anders...

 

Yorick wird ohnmächtig und fällt ins Koma. Der Ring muss also unbedingt wieder her! Nur leider haben ihn jetzt ein paar verbohrte Agentinnen, die Agentin 355, eine von Yoricks Gefährtinnen, noch von früher kennt. Es gibt also wieder mal Ärger...!

 

355 will den Ring gegen ein geheimnisvolles Amulett austauschen, das die anderen Agentinnen unbedingt haben wollen. Sie glauben, dass das Amulett die Seuche verursacht hat. Vor 355's Augen zerstört ihre Anführerin Anna Strong das kleine Objekt. Und dann mischt sich plötzlich Yoricks Schwester Hero ins Geschehen ein...

 

Mittlerweile kommt heraus, dass Yorick gar nicht stirbt, sondern sich nur den Magen verdorben hat, und der Verlust seines Rings nichts mit seiner plötzlichen Erkrankung zu tun hat. Schnell geht es ihm wieder besser.

 

Schließlich erfahren wir ihn doch noch...: den wahren Grund, warum Yorick die schreckliche Seuche als einziger Mann überlebt hat: Und zwar... ha, das wird hier aber nicht verraten!!

 

Das Wiedersehen von Yorick und seiner Schwester verläuft hingegen alles andere als erfolgreich - zu viel ist in der Zwischenzeit passiert! Besonders für Yorick! Er ist verzweifelt: "Ich hab echt mal gedacht, es gäbe 'nen Grund, dass ich noch hier bin. Göttliche Fügung, Schicksal, scheiß Magie... Es musste irgendeine tolle Erklärung geben, warum es nicht Stephen Hawking war oder... oder Clint Eastwood oder Chuck Palahniuk oder einer der Millionen anderen Kerle, die wesentlich besser für diesen Job gerüstet gewesen wären als ich." Dabei ist der wahre Grund für seine Rettung total banal.

 

Und dann wird Ampersand entführt – nämlich von einem "Ninja-Mädchen", das schon eine ganze Zeit lang hinter ihm her und Yorick dabei bereits aufgefallen ist. Das ist wirklich ziemlich übel, da der Affe der Schlüssel zur Rettung der Menschheit ist...

 

Somit endet dieser Band.

 

Die Comicreihe „Y: The Last Man“, ursprünglich erschienen in der Reihe „Vertigo“ bei DC Comics stammt aus den genialen Federn von Brian K. Vaughan (Text und Story) und Pia Guerra (Zeichnungen), die dafür mehrfach ausgezeichnet wurden, u.a. mit dem Eisner Award für Brian K. Vaughan.

 

Die erzählte Geschichte um das interessante Endzeitszenario fast (!) ohne Männer ist sehr komplex. Mit der sehr wissenschaftlichen Auflösung erinnert sie etwas an die Fernsehserie „Akte X“, wie auch die „Chicago Tribune“ laut einem Zitat hinten auf dem Buch findet. Dafür, dass in dieser Welt bis auf minimale Ausnahmen nur Frauen leben, geht es dort ziemlich gewalttätig zu. Von wegen Frauen sind das vernünftigere Geschlecht...!

 

Grafisch ist der Comic wirklich sehr opulent. Die Zeichnungen sind wie gewohnt wirklich herausragend. Hinten im Buch gibt es noch zwei Bleistiftskizzen von Massimo Carnevale (Entwürfe für die ursprünglichen Heftcover), die das nochmals anschaulich belegen.

 

Die Farben sind zwar manchmal etwas grell, schaffen aber dennoch eine eindringliche Atmosphäre.

 

Fazit:

 

„Y: The Last Man“ lohnt sich! Und zwar nicht nur, wenn man sowieso gerne Comics liest. Die Geschichte wird so ausführlich und tiefgründig erzählt, dass man eher glaubt, einen wirklich spannenden Science-Fiction-Film zu sehen.

 

Eure Meinung:


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Comic:

Ring der Wahrheit

Reihe: Y: The Last Man (Bd. 5)

Autor: Brian K. Vaughan

Zeichnerin: Pia Guerra

Tuscher: José Marzán Jr.

Verlag: Panini Comics

Einband: broschiert

Seitenzahl: 192 Seiten

ISBN (10): 3-86607-488-3

ISBN (13): 978-3-86607-488-0

Auflage: 1 (August 2007)

Erhältlich bei Amazon


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Erstellt: 29.08.2007, zuletzt aktualisiert: 15.09.2018 12:38