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Rocketman (Bd. 7)

Rezension von Martina Klein

 

„Die wirkliche Welt ist nicht langweilig – das Leben ist ein Abenteuer!“ sind die Worte von Autor und Zeichner Motohiro Kato.

 

Und in der Vorschau vom Heyne-Verlag zu dieser Manga-Reihe heißt es weiter: „Ein Juwel unter den Mangas: Der japanische Star-Mangaka Motohiro Kato gibt sich nicht damit zufrieden, lebendige Geschichten und einen einzigartigen Zeichenstil zu liefern. Es geht ihm außerdem darum, seinen Lesern die Welt, in der wir alle leben, näher zu bringen. Moderne Technik und Politik, Freundschaft und erbitterte Machtkämpfe – Rocketman bietet all das in Yos ungewöhnlichen und rasanten Abenteuern. Höchste Spannung und beste Unterhaltung für Manga-Leser von 6 bis 60.“

 

Und das stimmt sogar! Dem kann ich mich echt nur anschließen!

 

Doch zunächst zum Inhalt. Drinnen im Buch gibt es wieder eine super Einführung in die Story und in die Charaktere. Darin ist zu lesen: „Yos Leben verläuft friedlich, wenn auch mit dem ständigen Gefühl, anders zu sein. Das ändert sich schlagartig, als er R, dem Agenten der Organisation ‚True Eyes’, begegnet! R, den der rätselhafte Yo interessiert, bittet ihn aus einer Laune heraus, ihm bei einem Auftrag von ‚True Eyes’ zu helfen. Dafür will er Informationen über Yos verlorene Erinnerungen beschaffen.“ ... Durch eine hinterhältige Falle wird Yo später dazu gezwungen, auf seinen Freund R zu schießen, der daraufhin einen Wasserfall hinabstürzt. ... „Als Sieger des Kampfes wird Yo an Stelle von R Agent bei ‚True Eyes’.“ R ist der „Rocketman“, nach dem diese Reihe benannt ist. Sein wirklicher Name, Alter und Herkunft sind (noch...?) unbekannt. Alles dreht sich um eine Rakete, die R zu bauen angefangen hatte, um damit ins All zu fliegen. Für seine Arbeit bei ‚True Eyes’ erhielt er Raketenteile. Nach dem tödlichen Kampf beschließt Yo, R’s Rakete fertig zu bauen. Doch ist R wirklich tot...? In diesem Band der Reihe erfahren wir die Wahrheit – doch dazu mehr weiter unten!

 

Dieser Band besteht wieder aus insgesamt vier Episoden, die zwei in sich abgeschlossene Geschichten bilden. Man liest erfreulich lange an einem Band dieser Manga-Reihe. Die Geschichten sind wieder sehr spannend und eine gute Mischung aus Krimi und Agenten-Thriller. Der Text hinten auf dem Buch besagt: „Viele Fälle hat Yo schon gelöst, und als Agent von ‚True Eyes’ ist er ganz schön erwachsen geworden.“

 

Aber zurück zur eigentlichen Story: Die erste Geschichte beginnt mit einem Rückblick auf das Jahr 1970 und den Start der Mond-Rakete ‚Apollo 13’. (Wir erinnern uns: Das war die Mission, die fast in einer Katastrophe endete! ... Aber diese Information tut hier eigentlich nichts zur Sache...) Zeitgleich explodiert in Tokio in einem russischen Lokal eine Bombe. Dabei stirbt eine geheimnisvolle Frau namens Sascha... Damals haben die Polizisten Sakamaki (der viel später den Polizeidienst quittiert hat und Yos Mentor wurde) und sein Kollege Kinouchi den Fall bertreut.

 

Schnitt in die ‚Jetzt-Zeit’: Es gibt wieder einen Raketenstart. Diesmal ist es eine japanische Rakete! Sakamaki und Kinouchi sind immer noch befreundet. Als sie beschließen, gemeinsam essen zu gehen, landen sie in dem Lokal, das Yayois Familie gehört – Yayoi ist die beste Freundin von Yo, die ihn auch meistens auf seinen Geheimdienst-Missionen begleitet und durch ihre Gewitztheit diejenige ist, die ihn sozusagen immer, wenn es nötig ist, auf den „Boden der Tatsachen“ zurückholt.

 

Die beiden alten Männer reden über ihren damaligen Fall , der nie richtig gelöst worden ist: Den Hintermann, der hinter der grausamen Explosion steckte, ist ihnen damals entwischt und hat sich seitdem auch weiterhin allen Versuchen entzogen, ihn zu fassen. Es handelt sich um einen geheimnisvollen Waffenhändler namens Phi, der Waffen hinter den „eisernen Vorhang“ in den Ostblock geschmuggelt hat. Sakamaki und sein Partner Kinouchi sollten ihn daran hindern, doch er ist ihnen wie gesagt durch die Finger geschlüpft, und dann starb diese Frau...

 

Jetzt ist Phi wieder in Japan...! Und diesmal wollen sie den Kerl unbedingt schnappen! Darüber hinaus will Sakamaki persönlich Rache an ihm nehmen, war er doch damals mehr als nur fasziniert von der schönen Russin Sascha Pawlowa, der das russische Lokal gehörte und die dann leider bei der Explosion ums Leben kam...!

 

Doch die Sache zieht noch weitaus größere Kreise: Yo und Yayoi werden von Ines, der Chefin des Geheimdienstes ‚True Eyes’ beauftragt, den Aufenthaltsort von Phi zu finden. Sakamaki soll die beiden einweisen. Dabei erfahren die beiden Teenager auch, dass er früher Polizist war. Der alte Mann erzählt ihnen von damals und von seiner ersten Jagd auf Phi - und auch davon, wie er damals Sascha Pawlowa kennen gelernt hatte und wegen ihr immer wieder hin und her gerissen war zwischen Zuneigung und nagendem Zweifel... Sollte sie etwa Phi sein...?!? So ganz sicher waren sich er und Kinouchi damals nicht. Keiner kannte und kennt bis heute Phis wahre Identität und Aussehen.

 

Yo und Yayoi machen sich auf die Suche nach Phi. ... Dabei werden sie beobachtet und sogar verfolgt. Doch die beiden Jugendlichen drehen den Spieß einfach um und verfolgen ihren Verfolger. Sie laufen ihm bis zur russischen Botschaft hinterher. Dort verlieren sie seine Spur...

 

Und dann findet wieder eine Schmuggel-Transaktion statt, von der die Polizei und der Geheimdienst Wind bekommen haben. Es kommt zu einer spannenden Verfolgungsjagd durch Tokios Kanäle. Aber Phi hat sie wieder alle reingelegt – der Schmuggel war nur ein Ablenkungsmanöver. Fast sieht es so aus, als würde Phi ihnen wieder entwischen.

 

Doch im letzten Moment kommt Yo die Erleuchtung: Die Lösung des Falls führt ins Tokioter U-Bahn-Netz – aber das zu erklären führt hier jetzt zu weit... (hehe, kleiner Wortwitz!) Und wir erfahren: Sascha Pawlowa lebt doch noch! Die verkohlte Frauenleiche damals war nur eine Finte! Und natürlich ist sie Phi! Doch darüber hinaus deckt Yo noch mehr auf: Die ganze Sache mit dem Waffenhandel war nur ein Täuschungsmanöver der CIA und gar nicht echt. Dadurch sollte damals lediglich Japans technologische Entwicklung hinsichtlich einer eigenen Raketenmission ins All blockiert werden, da man die Japaner durch die vermeintliche Bedrohung zwang, sich den USA anzuschließen.

 

Der zweite Fall beginnt mit der Geheimdienstchefin Ines, ihrem Bodyguard Jiha und einem Kampf auf Leben und Tod...

 

Parallel dazu besichtigen Yo und Yayoi eine alte Sojus-Rakete. Yo muss an R denken, den er sehr vermisst... Er konnte den Freund nie vergessen.

 

Aber zurück zu Ines: Sie ist bei dem tödlichen Kampf angeschossen worden und lebensgefährlich verletzt! Ihr Zustand ist kritisch, da eine genau platzierte Kugel direkt neben einem der großen Herzgefäße stecken geblieben ist. Jetzt muss sie eine lebensgefährliche Operation über sich ergehen lassen.

 

Die ganze ‚True Eyes’-Organisation ist in heller Aufruhr, da Ines sämtliche Fäden in der Hand hält, und jetzt, wo sie im Krankenhaus liegt und eventuell sterben wird, keiner weiß, was zu tun ist...

 

Ines lässt vor der Operation, die sie eventuell nicht überleben wird, Yo und Yayoi zu sich rufen, um Yo einen Auftrag zu erteilen. Dieser führt ihn mal wieder nach Deutschland, genauer gesagt nach Berlin – und zwar in ein Lokal namens „Die Laterne“ (... hab ich noch nie was von gehört, dabei bin ich aus Berlin... – hm...). Yo soll in der „Laterne“ jemanden treffen, erfährt jedoch vorerst nicht, wen...

 

Und wir lernen: „Früher war Berlin einmal durch die Mauer geteilt. Sie war das Symbol der Spaltung von Ost und West im Kalten Krieg.“ ... und erfahren Genaueres: „Außerdem ist es die Stadt, in der der Nachrichtendienst ‚True Eyes’ geboren wurde.“ Sein Geburt geschah durch das Ende der Stasi: Ines’ Vater hat 1990 in der Stasi-Zentrale eine Liste aller Stasi-Agenten entwendet, um diese jetzt arbeitslos gewordenen Agenten selber für ‚True Eyes’ zu engagieren.

 

Aber auch für R war Deutschland ein schicksalhafter Ort. R’s Großvater war dort am weltweit ersten Start einer V-2-Rakete beteiligt! R selbst war trotz deutscher Vorfahren Amerikaner und konnte sich somit vor und während der Wendezeiten relativ frei in Deutschland bewegen. Auf diese Weise hat er 1990 Ines in Berlin kennen gelernt, beide waren zu dem Zeitpunkt noch Teenager.

 

Doch zurück zu Yo. Dieser trifft in Berlin als erstes auf den Killer, der es zuvor auch auf Ines abgesehen hatte und nun den Jungen ebenfalls töten will. Als die Situation für Yo schon fast aussichtslos erscheint, taucht plötzlich jemand auf und kommt ihm zu Hilfe – R! Jaaa, Ihr habt richtig gelesen: R lebt und ist gesund und munter!

 

Schnell klärt sich alles auf: Dass R damals überlebte, als er und Yo auf Leben und Tod gegeneinander kämpfen mussten, war ein Trick von Yo. Erst jetzt erfahren die beiden, dass Ines sie wohl doch die ganze Zeit über durchschaut hatte. Es sieht ganz so aus, als wollte Ines R damals beschützen. Jetzt wissen wir auch, warum und wie nahe sich die beiden offensichtlich damals standen...

 

Im Finale dieses Bandes wird Yo entführt. Der böse Killer versucht, R somit in eine Falle zu locken - nämlich ins alte Stasi-Gebäude, wo damals alles begann. Aber natürlich lassen sich Yo und R nicht so leicht überlisten und gehen – wieder vereint! – als Sieger hervor! Und zu guter Letzt übersteht auch Ines ihre Operation und wird wieder genesen – Ende gut, alles gut!

 

Und zu guter Allerletzt (noch ein Wortwitz...!) gibt es in diesem Band der Reihe noch eine mehrseitige Leseprobe aus der neuen Manga-Reihe „Kagetora“. Da sie über 12 Seiten geht, soll sie hier auch erwähnt werden, obwohl sie inhaltlich nicht wirklich zum Rocketman passt und eigentlich eine ganz andere Zielgruppe anspricht, na ja... Ist aber eigentlich das einzige, was an diesem Manga nicht ganz so nachvollziehbar ist. Ansonsten ist der Rocketman wirklich super!

 

Die Grafik:

 

Die Zeichnungen sind, wie bei Mangas üblich, in schwarzweiß und mit spitzer Feder getuscht. Die Optik ist besonders dann sehr gelungen, wenn die Stadt in der Totale oder einzelne Straßenszenen gezeigt werden – wirklich z.T. toll atmosphärisch! Auch die „action“-reichen Kampfszenen sind sehr gut und äußerst dynamisch, ohne dabei allzu blutrünstig zu sein. Ansonsten wirken die Figuren leider teilweise etwas steif - besonders wenn sie erstaunt gucken. Dieser Gesichtsausdruck wirkt immer irgendwie etwas „eingefroren“. Aber das tut dem Ganzen eigentlich keinen wirklichen Abbruch!

 

Fazit:

 

Der Band hat mir wie die anderen der Reihe, die ich kenne, wirklich gut gefallen. Besonders gut daran ist, das man ihn auch verstehen und genießen kann, wenn man nicht alle Bände der Reihe gelesen hat, und das ist ja bei Mangas bekanntermaßen nicht selbstverständlich!

 

Es handelt sich um eine wirklich spannende Agenten-Geschichte, in der auch Freunde von abenteuerlichen politischen Verschwörungstheorien auf ihre Kosten kommen werden. Alles wird leicht und auch mit einer Prise Humor erzählt, so dass die Lektüre wirklich großen Spaß macht!

 

Eure Meinung:


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Comic:

Rocketman (Bd. 7)

Autor & Zeichner: Motohiro Kato

Verlag: Heyne, München 11/2006

Format: Softcover

Sprache: Deutsch

Seitenzahl: 192

ISBN-Code: 3-453-59557-2

Erhältlich bei Amazon


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Erstellt: 22.11.2006, zuletzt aktualisiert: 20.06.2018 20:50