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RTL Winter Sports 2008 (Wii)

Rezension von Björn Backes

 

Gerade erst hat Nintendos Eliteschmiede mit den olympischen Spielen um Sonic, Mario und Co. einen grandiosen Einstieg in das sportliche Mehrkampf-Genre feiern dürfen, nun legt die Konkurrenz, in diesem Fall die von RTL geförderten Entwickler bei 49Games, mit einem weiteren vergleichbaren Event nach. Im Gegensatz zum zugkräftigen Nintendo-Original steht in diesem sportlichen Wettstreit jedoch Wintersport auf dem Programm. 15 olympische Disziplinen unterschiedlichster Coleur werden dem begeisterten Universal-Gamer in „Winter Sports 2008“ geboten, darunter eher minder Populäres wie Skeleton und Rodeln, aber auch klassische Ausdauersportarten wie Eisschnelllauf und Skilanglauf.

Ziel dieser Zusammenstellung dürfte auf jeden Fall gewesen sein, auf ganz unterschiedliche Ansprüche einzugehen und vor allem im Bezug auf die Steuerung genügend Abwechslung zu bieten, um dementsprechend ein authentisches Spielgefühl zu erzeugen. Während man sich am PC und den Standard-Konsolen diesbezüglich noch mit Gamepads und Tastatur behelfen kann, ist auf der Wii nämlich die authentische Nachahmung der Echtzeitbewegungen in jeglicher Sportart gefragt. Kondition, Geschick, Technik und Schnelligkeit werden beansprucht, ganz so wie im Original – und daher verwundert es auch kaum, dass der winterliche Spaß alsbald zur schweißtreibenden Angelegenheit wird!

 

 

Die Sportarten:

Im Großen und Ganzen ist das Spiel fokussiert auf die einzelnen Spezialgebiete des Wintersports ausgerichtet, wobei vor allem der Bahn- und Alpinsport im Zentrum des Geschehens stehen. Ganze vier Disziplinen im alpinen Bereich stellen den größten Anteil der einzelnen Themengebiete, angefangen bei der flotten Abfahrt und den nicht minder temporeichen Super G bis hin zu technischen Varianten wie dem Slalom und dem Riesenslalom. Auf der Bahn hingegen werden alle erdenklichen Schlitten auf die Reise geschickt. Zweier- und Viererbob auf der einen und im Individualbereich Skeleton und Rodeln auf der anderen Seite versetzen die Spieler in einen kleinen Geschwindigkeitsrausch, der jedoch dank der vergleichsweise einfachen Steuerung recht leicht zu beeinflussen ist. Dies schaut bei den nordischen Disziplinen indes schon wieder ganz anders aus; besonders der Skilanglauf erfordert in den ersten Versuchen enorm viel Geduld, da es unheimlich schwer ist, den Rhythmus und die Schlagzahl der Stöcke in Harmonie zu bringen. Da die Strecken zudem recht lang sind und dem Körper beim Schwingen der beiden Remotes somit alles abverlangt wird, kann man hier schon einmal leicht verzweifeln. Nur lange, lange Übung macht im Skating-Stil den Meister! Ganz ähnlich verhält es sich beim Eisschnelllauf, der zwar anfangs souverän zu bewältigen scheint, bei schrumpfender Kondition aber gerade in den letzten Kurven selbst den hartgesottenen Sportler in die Knie zwingt. Die 1500m-Strecke wird demnach auch schon mal als doppelt und dreifach so lang empfunden.

Einfacher wird es einem wiederum bei Skispringen und Curling gemacht. Die Techniken sind leicht zu erlernen, sie zu perfektionieren indes die große Kunst, die über mehrere Runden erlernt werden will. Als Zwischendisziplinen zwischen Kurbeln, Schwingen und Lenken sind sie als Ruhepol aber unheimlich wertvoll. Die einzige Sportart, die nicht so ganz in diesen Kreis hineinpassen will, ist der Eiskunstlauf. Hier werden Bewegungen im Takt der Musik simuliert und durch entsprechende Bewegungen von Nunchuk und Wii-Mote insofern gelenkt, dass die Schauläuferin ihr Pflicht- und Kürprogramm fehlerfrei durchstehen kann. Im schwersten Modus kann aber selbst dies zu Schindelgefühlen führen!

 

 

Handling/Steuerung:

Die wohl wichtigste Frage vorab beschäftigte sich zweifelsohne mit der Umsetzung der Steuerung für Nintendos neuestes Prachtstück. Mario und Sonic haben jüngst vorgelegt, nun ist es an der verkürzten Winterolympiade, zumindest im Ansatz gleichzuziehen. Denn ganz ehrlich: Einen vergleichbaren Geniestreich durfte man nicht wirklich erwarten. Und in der Tat: In den ersten Runden kostet es so manchen Versuch, bis man halbwegs sicher über den Bildschirm navigieren kann. Vor allem die alpinen Disziplinen, die im Grunde genommen nur eine Neigung der beiden Steuerungselemente abverlangen, erfordern eine ganze Menge Erfahrung an Nunchuk und Wii-Mote, fast auch schon persönliche Erlebnisse auf Brettern und Piste. Ein Fingerspitzengefühl für den rechten Wendungsmoment im Slalom zu kreieren, geschweige denn das hohe Tempo einigermaßen in den Griff zu bekommen, sind zwei der größten Herausforderungen, die das Spiel bietet. Allerdings zeigt sich auch hier, dass die hoch angesetzte Authentizität mitunter ihren Preis hat. Ganz ohne Ruckeln funktioniert der Alpin-Skisport auf der Wii jedenfalls nicht und mausert sich auf Anhieb zur Königsklasse in Sachen Schwierigkeitsgrad.

Ganz andere Voraussetzungen verlangen die beiden Ausdauer-Varianten, die zwar grundsätzlich leicht antrainiert werden können, wegen der konstanten Beanspruchung sämtlicher Arm-Muskelpartien aber auf Dauer ihren Tribut fordern. Hier muss der Spieler lediglich Wii-Mote und Nunchuk auf und ab respektive vor und zurück bewegen und eine absolute Balance in den Bewegungen erzielen. Tatsächlich entsteht hier ein realitätsnahes Feeling, welches lediglich dadurch getrübt wird, dass der Rhythmus der eigenen Bewegungen nicht mit denen der Sportler auf der Mattscheibe in Einklang ist. Man muss teilweise viel hektischer zucken, als dies grafisch simuliert wird. Dennoch: Gerade diese Sportarten versprechen eine Menge Spielspaß, da sie besonders im direkten Wettkampf im Mehrspieler-Modus die mit Abstand spannendsten sind.

Weniger ausgewogen, dafür jedoch auch relaxter ist die Steuerung der vier verschiedenen Schlittenvarianten. Lediglich am Start muss man die Wii-Mote in schnellen Bewegungen rotieren lassen, um so das Maximum bei der Startgeschwindigkeit herauszuschlagen. Der Rest besteht lediglich aus dem bereits in diversen Rennspielen erprobten Lenken mit der Fernbedienung, wobei man bei entsprechendem Eingangstempo fast schon freie Bahn zum Erfolg hat. Hervorzuheben ist jedoch, dass individuell ein ganz anderes Fahrgefühl aufkommt. Der Skeleton-Schlitten beispielsweise steuert sich völlig anders als der wesentlich schwerere Bob, so dass man auch hier die Realität immer im Blickwinkel hat. Vorbildlich!

Für die Exoten ist schließlich auch einiges geboten, gerade beim Curling, dem Trendsport schlechthin. Leider spielt die Steuerung hier nicht ganz so mit, wie man es sich bei den einzelnen Bewegungen erhofft. Die Kontrolle über die Krafteinteilung ist nur bedingt gewährleistet, ein taktisches Vorgehen dadurch wiederum erschwert. Aber auch hier gilt: Spaß macht’s allemal! Ähnliches lässt sich für den Eiskunstlauf sagen; die Musik und auch ein spezielles Fenster im Bildschirm geben vor, wann man welche der beiden Steuerelemente nach unten ziehen muss, jedoch ist diese Aufgabe in den einfachen Modi derart leicht, dass die Relation zu manch anderer Disziplin kaum mehr gegeben ist. Außerdem distanziert man sich hier am deutlichsten von der authentischen Nachahmung des Sports, da die Bewegungen nun überhaupt nicht auf die getanzten Figuren ausgelegt sind. Jenen Umstand muss sich das Skispringen, eine der interessantesten Spiele in „RTL Winter Sports 2008“, nicht ankreiden lassen. Vom Start über den Absprung bis hin zu Haltung und Landung hat man alles selber in der Hand, muss aber in den ersten Runden ebenfalls ein paar Abstriche machen, da die Steuerung äußerst schwierig zu beherrschen ist – doch auf lange Sicht ist dies (und das gilt für alle 15 Optionen) nur willkommen!

 

 

Grafik:

Ein Knackpunkt vieler aktueller Wii-Spiele besteht in der grafischen Umsetzung des Spielthemas, der einzigen nennenswerten Schwäche, die auch vor „Winter Sports 2008“ nicht Halt macht. Die Möglichkeiten der Hardware werden in keinster Weise ausgeschöpft, die teils wirklich groben Schemen indes liegen recht weit hinter gängigen Standards zurück. Natürlich kann man hier das Argument bringen, dass bei der Wii in erster Linie das Spielgefühl und die außergewöhnliche Steuerung ausschlaggebend sind, allerdings wäre ein bisschen mehr Liebe zum Detail in der optischen Aufarbeitung der Winterolympiade auf alle Fälle wünschenswert gewesen. Keine Frage, hier wäre in vielerlei Hinsicht deutlich mehr drin gewesen!

 

 

Die Modi/allgemeine Vielschichtigkeit:

In „RTL Winter Sports 2008“ ist man selbst dann nicht Meister aller Klassen, wenn man das Handling der einzelnen Sportarten sicher beherrscht und die ersten Rekorde bricht. Die unterschiedlichen Spielmodi bieten nämlich überdies eine ganze Reihe Zusatzoptionen, die auch über die persönliche Demonstration der perfekten Technik hinaus den Spielreiz aufrechterhalten. Die Spieler haben schließlich die Wahl aus folgenden Spielmodi:

 

a) Wettkämpfe

Der Wettkampf gliedert sich in eine kleine und eine große Runde, die aus 7 bzw. 15 Disziplinen besteht. In allen angebotenen Sportarten kämpft man hier um Medaillen, die individuell drei, zwei oder einen Punkt wert sind. Nach dem Abschluss der Wettkampfsaison werden die addierten Punkte gewertet und derjenige mit der höchsten Gesamtpunktzahl zum Sieger gekürt. Der Wettkampf-Modus eignet sich dabei besonders zu Beginn, um alle Disziplinen einmal näher kennen zu lernen. Sollte man hierbei eigene Stärken entdecken bzw. Schwächen ausmerzen wollen, kann man im virtuellen Wettkampf bis zu 18 Sportarten auswählen (also manche auch doppelt) und so seine eigene Meisterschaft durchführen. Die Wertung erfolgt nach dem bewährten Schema.

 

b) Kampagne

Der Kampagne-Modus eignet sich vornehmlich für fortgeschrittene Spieler; es gilt Rekorde in unterschiedlichen Bereichen zu knacken und Höchstleistungen zu erzielen, um neue Strecken und Austragungsorte frei zu spielen. Insgesamt sind zwölf verborgene Schlösser zu durchbrechen, hinter denen sich besagte Bonus-Level befinden.

 

c) Karriere

Eine Karriere setzt sich aus jeweils einen großen und einem kleinen Wettkampf zusammen, die im Verbund in drei unterschiedlichen Liegen gemeistert werden müssen. Man erreicht allerdings nur die nächste Liga, wenn man in der vorherigen den großen Wettkampf gewinnen konnte. Andenfalls ist ein Neustart angesagt.

 

d) Einzeldisziplinen

Selbstverständlich kann man auch einzelne Disziplinen separat anwählen. Dies dient der Perfektion des eigenen Stils und der geforderten Technik und ist gerade nützlich, wenn man in speziellen Gebieten des Spiels noch erhebliche Defizite hat.

 

e) Mehrspieler-Modus

„RTL Winter Sports 2008“ kann mit bis zu vier Spielern erlebt werden. In den Wettkämpfen wird hierbei das Bild entweder geteilt, oder aber muss jeder nacheinander und gegeneinander antreten. Maximal sind aber immer nur zwei Leute gleichzeitig aktiv, bei den Schlittenrennen sogar nur einer. Die daraus resultierenden Wartezeiten sind aber leicht zu verkrafte, da das Tempo des Spiels ansonsten sehr hoch ist und die Arme doch zwischenzeitlich immer mal eine Ruhepause benötigen.

 

 

Spielspaß:

Auch wenn die Steuerung vorerst schwierig ist und sich bisweilen auch als Stimmungshemmer herausstellt, so ist der Spielspaß stets auf oberstem Level. Gerade im Mehrkampf mit Freunden und Bekannten werden der besondere sportliche Ehrgeiz und somit auch der Witz des Spiels herausgekitzelt, was sich wiederum umfassend auf den ungebremsten Spielreiz auswirkt. Doch auch im Single-Player-Game legt man die beiden Steuerungen erst aus der Hand, sobald die Muskeln ihren Tribut fordern und eine Entspannungsphase dringend angebracht ist. Freiwillig geschieht dies allerdings selbst dann nicht! Ergo: „RTL Winter Sports 2008“ bietet alle Voraussetzungen, selbst den unsportlichsten Konsolenspieler langfristig an das Spiel zu fesseln, und dies in erster Linie wegen des erhöhten Spaßfaktors.

 

 

Fazit:

„RTL Winter Sports 2008“ hat es bei der derzeit starken Konkurrenz auf der innovativen Nintendo-Konsole sicherlich nicht leicht, sich auf Anhieb zu etablieren. Und in der Tat ist in dieser Hinsicht aller Anfang schwer, vornehmlich wegen der kleinen Problemchen bei der Steuerung und den schweren Defiziten bei der Grafik. Dass der neueste Titel aus dem Hause 49Games dennoch eine ganz klare Empfehlung bekommt, liegt in erster Linie am authentischen Spielgefühl und dem diesbezüglich unerwartet stark umgesetzten Handling bei den meisten Disziplinen. Bedingt durch die zahlreichen Modi wird man des Spiels letztendlich auch kaum müde und wird seinen Ehrgeiz erst dann wieder einschränken, sobald alle Bonus-Level frei geschaltet sind. Bis dorthin werden aber noch viele Stunden voller erbitterter Wettkämpfe, spannender Kampagnen und privater Duelle ins Land ziehen, in denen man sich immer wieder bestätigt fühlen wird, dass langsam aber sicher die Zeit beginnt, in der die Testphase der Hardware abgeschlossen ist und die ersten angehenden Klassiker auf den Markt kommen. In Sachen Sportspiele gehört „RTL Winter Sports 2008“ möglicherweise auch schon bald dazu!

 

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RTL Winter Sports 2008 (Wii)

von NBG EDV Handels & Verlags GmbH

Plattform: Nintendo Wii

USK-Einstufung: Freigegeben ohne Altersbeschränkung gem. 14 JuSchG

Erhältlich bei: Amazon


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Erstellt: 10.12.2007, zuletzt aktualisiert: 25.01.2015 23:59