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Schatten über dem Kongo

Filmkritik von Christel Scheja

 

Rezension:

 

Anders als es uns viele Abenteuerromane und Filme glauben machen wollen, hat die Kolonisation Afrikas den Eingeborenen nicht nur die Zivilisation und eine rasante Entwicklung im Gesundheitswesen und anderen Bereichen gebracht, sondern in erster Linie Not und Elend.

 

Denn nicht wenige der Entdecker und Eroberer waren nur mit einem Ziel auf den dunklen Kontinent gekommen: Durch die dort zu findenden Schätze die Natur und Boden hergaben selbst reich und berühmt zu werden und ihren Ländern in die Hand zu arbeiten.

Vor allem im 19. Jahrhundert sorgte der fortschreitende Imperialismus dafür, dass die Länder Afrikas kostbarer Bodenschätze und Güter beraubt wurden, ohne dass die Männer und Frauen, die sie herbei schaffen mussten etwas davon bekamen. Eher im Gegenteil. Sie konnten von Glück sagen, wenn sie am Leben gelassen wurden und ihr karges Leben fristen konnten.

Exemplarisch für diese Zeit der Ausbeutung steht der Kongo, der 1885 während der gleichnamigen Konferenz zu großen Teilen Leopold II. von Belgien zugesprochen wurde. Der Herrscher des kleinen Landes gaukelte der europäischen Öffentlichkeit von nun an vor, dass er sich mit der liebevollen Aufopferung eines wahren Landesherrn um die Menschen in Schwarzafrika kümmere, tatsächlich begann unter seiner Herrschaft ein tyrannisches Regime der Ausbeutung.

In seiner Gier nach Kautschuk und Elfenbein töteten Handlanger mit seiner Billigung unzählige Menschen, die sich den Knebelverträgen nicht unterwerfen wollten und behandelten den Rest wie Gefangene in einem Arbeitslager. Man betrog die Eingeborenen so gut es ging und machte die mundtot, die ihre Stimme dagegen erhoben

Leopold II. blutete er Land aus und beraubte es seiner besten Handelswaren. Er hatte bereits gut 1,1 Milliarden Dollar aus der Kolonie, die er als Privatbesitz ansah, gezogen, als man ihm 1908 den Kongo wieder absprach.

Endlich hatte man in Europa auf die Menschen gehört, die ihre Stimmen gegen den Missbrauch erhoben hatten, wie Edmund Morel, den Kontoristen einer Liverpooler Firma. Durch ihn und befreundete Missionare waren genügend verifizierte Informationen außer Landes geraten, die nicht länger übersehen werden konnten.

Aber an den Folgen der Ausbeutung leidet der Kongo bis heute. Auch nach der Unabhängigkeit, schlugen einzelne Menschen weiterhin ihrem Profit aus den Schätzen des Landes, nicht zuletzt der Diktator Joseph Désiré Mobutu, der den frei gewählten Präsidenten Lumumba ermordete, und für viele Jahre sein Terrorregime ausübte.

 

Die Dokumentation „Schatten über dem Kongo“ von Pippa Scott folgt der Spur, die bereits das gleichnamige Buch von Adam Hochschild aufzeigt. Sie schildert die Ereignisse in chronologischer Reihenfolge beginnend mit dem Entdecker und Abenteurer Henry Morton Stanley, der erst die Kunde von den Schätzen nach Europa brachte und später gemeinsame Sache mit Leopold II. machte. Sie zeigt, mit welcher Brutalität sein Handlanger Léon Rom die eingeborenen behandelte- die Aufsässigen wurden brutal vor den Augen ihrer Dörfer getötet, die Überlebenden zur Sklavenarbeit gezwungen, während man der Weltöffentlichkeit vorgaukelte, dass man legalen und gerechten Handel mit den Eingeborenen trieb und Kritiker aus Europa und Amerika lächerlich machte.

Erst nach und nach änderte sich das, was vor allem Edmund Morel zu verdanken war, der sich leidenschaftlich für den Kongo einsetzte.

Anders als das Buch beleuchtet die Dokumentation aber auch die Geschichte der letzten vierzig Jahre genauer und zeigt, dass auch Mobutu und seine Nachfolger nicht unbedingt gerechter und freundlicher mit ihren Landsleuten umsprangen.

Es gibt viele bedrückende Bilder zu sehen, aufnahmen von der letzten Jahrhundertwende, aber auch moderne Aufnahmen, die im krassen Gegensatz zu dem stehen, was die Verantwortlichen der Öffentlichkeit vorgaukeln wollten. Nüchtern und pragmatisch setzt Pippa Scott das Grauen in Szene und lässt die Zuschauer nachdenklich werden. Letztendlich bleibt ein bitterer Geschmack zurück.

 

 

Fazit:

 

Vielleicht war der Kongo einer der extremsten Schauplätze für imperialistische Ausbeutung, ein Einzelfall ist er nicht. Engagierte und spannend aufgemachte Dokumentationen wie diese entlarven aber viele der Abenteuerromane von damals als weltfremde Märchen und zeigen, warum man in Schwarzafrika auch heute noch den ehemaligen Kolonialmächten so kritisch gegenüber steht.

 

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Oje, das hat nicht geklappt, Elfenwerk! 20230204211855182c7437
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DVD:

Schatten über dem Kongo

GB 2006

Original: King Leopold’s Ghost

Regie & Produktion: Pippa Scott

Buchvorlage: Adam Hochschild

Bildformat: 16:9

Synchro: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 2.0)

Spieldauer: 92 min

Umfang: 1 DVD

FSK: 12

Polyband, 27. März 2009

 

ASIN: B001DDP4U4

 

Erhältlich bei: Amazon


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Erstellt: 14.04.2009, zuletzt aktualisiert: 02.08.2022 20:01