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Schattenbeschwörer

nach einem Roman von G. P. Taylor

Rezension von Christian Endres

 

In England ein Bestseller und auch hierzulande bereits im Hardcover und im Taschenbuch erschienen, hat G. P. Taylors Roman »Der Schattenbeschwörer« inzwischen sogar seine eigene Comic-Adaption in zehn Kapiteln spendiert bekommen, die Ehapa nun als schmucken Hardcover-Band mit satten 240 Seiten veröffentlicht. Geschildert wird in Buch wie Comic der Kampf des jungen Halbwaisen Thomas, der sich mutig den finsteren Machenschaften eines gefallenen Priesters entgegen stellt, der deutlich vom Weg der Tugend abgekommen ist, Gott den Rücken zugekehrt und sich den teuflischen Künsten und der Beschwörung der Schatten zugewendet hat, während er in seiner Verblendung unerbittlich nach Macht strebt. Doch Thomas ist nicht allein, als es darum geht, sich gegen den abtrünnigen Gottesmann Demurral und seine menschlichen wie dämonischen Diener aus den Schatten zu stellen, um für den rechten Glauben und das Wohl der Menschen einzustehen...

 

Geschickt nutzen dabei sowohl Taylor in der Roman-Vorlage, als auch Comic-Scripter Tony Lee das Ambiente des historischen Englands an der rauen Küste, wo sie Schmuggler, Steinschlosspistolen und Kerzenlicht in einen ansprechenden Kontext rücken und eine gelungene Atmosphäre schaffen, die wie der perfekte Ausgangspunkt für einen Mix aus Abenteuer und Fantasy wirkt. Und auch die Gestaltung und zeichnerische Umsetzung dieser Kulisse weiß auf den ersten Blick durchaus zu überzeugen - zumindest in den ersten fünf sowie der letzten Episode, die allesamt von Pedro Delgado gezeichnet wurden. Die vier Kapitel kurz vor Ende, von Stephen Jorge Segovia in Szene gesetzt, können da keineswegs mithalten und schaffen einen regelrechten Bruch in der Optik, der dem Band nicht sonderlich gut zu Gesicht steht. Delgados Artwork hingegen überzeugt und lehnt sich an modernen Trickfilmen mit sanften Farbübergängen und weichen Konturen an, hat allerdings oftmals unter der sprunghaften Erzählweise und der seltsamen Positionierung der Sprechblasen zu leiden. Keine Wünsche offen hingegen lässt die Aufmachung des Hardcovers: Edles Covermotiv, Glanzpapier, Originalcover samt Variants - es wird einiges geboten.

 

Auch bietet die Geschichte einige Einblicke in den christlichen Glauben - kein Wunder, schließlich war Taylor vor seinem Autorendasein Priester. So driftet die Story dann hie und da auch mal ein wenig ab, wenngleich Lee sich auch bemüht, den Schaden in Grenzen zu halten und nicht so üppig zu schwadronieren wie Taylor im Buch. Ganz gelingt ihm das jedoch auch nicht, sodass sich auch in der Comic-Umsetzung immer wieder einige trockene Passagen mit erhobenem Zeigefinger finden, die dann zu allem Überfluss auch noch meist fürchterlich naiv wirken. Wenn schon nicht zum Anspruch als jugendliche Fantasy, so ist dies spätestens zur Trickfilm-Optik ein schwerer Widerspruch, welcher der Story oft die Spritzigkeit nimmt.

 

Über weite Strecken also viel zu moralinsauer, dafür aber an den falschen Stellen oberflächlich, seicht und sprunghaft, hat die Adaption von Taylors Schattenbeschwörer wie schon sein literarisches Original ab und an spürbar zu kämpfen. Hinzu kommt der Bruch im Artwork, der im Sammelband natürlich noch deutlicher wird als in den Einzelheften.

 

So gibt es am Ende fast mehr Schatten denn Licht auf den Hochglanzseiten des Schattenbeschwörers.

 

 

Eure Meinung:


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Comic:

G. P. Taylors

Schattenbeschwörer

 

Script: : Tony Lee

Zeichner: Pedro Delgado,

Stephen Jorge Segovia

Hardcover, 240 Seiten

Ehapa, September 2007

ISBN-Code: 3770431219

Erhältlich bei Amazon

weitere Infos:


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Erstellt: 25.09.2007, zuletzt aktualisiert: 07.04.2019 17:49