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Schattenseelen von Olga A. Krouk

Reihe: Nachzehrer Trilogie Bd. 1

Rezension von Carina Schöning

 

Rezension:

„Schattenseelen“ ist zugleich der Auftakt der „Nachzehrer“ Trilogie, wie auch das Phantastik-Debüt der in Russland geborenen Autorin Olga A Krouk, die seit 2001 in Deutschland lebt und arbeitet. Der Dark Fantasy Roman erzählt von dem ewigen Kampf zwischen den vampirähnlichen Nachzehrern und Metamorphe.

 

Die 27jährige Evelyn Behrens hat es in ihrem Leben schon nicht leicht gehabt. Als Kleinkind wurde sie von ihren leiblichen Eltern auf einer Müllkippe entsorgt und die wenigen schönen Momente in ihrer Adoptiv-Familie wurden von einem anderen Trauma überschattet, denn als Jugendliche wurde sie mehrfach von ihrem Adoptiv-Onkel missbraucht und vergewaltigt. Später ist sie von der gehässigen Dorfgemeinschaft mit den vielen Lästereien in die Großstadt Hamburg geflüchtet, wo sie versucht trotz ihrer Vergangenheit ein ganz normales Lebens zu führen.

Die gelernte Krankenschwester wird nun eines Nachts während ihrer Schicht von einem ganz besonderen Opfer überrascht. Ein unbekannter Motorradfahrer hat sich schwer verletzt und wird von Evelyn und dem zuständigen Notarzt behandelt, doch binnen weniger Augenblicke geschieht etwas Unerklärliches zwischen ihr und dem gutaussehenden Unbekannten. Ihre Erinnerungen sind seltsam getrübt und erschrocken erfährt sie, dass nicht nur der hübsche Motorradfahrer angeblich tot sein soll, sondern auch dass der charmante Notarzt Dr. Kehrfeld einem spontanen Anfall von Beulenpest erlegen ist. Letzteres stimmt, aber ersteres nicht. Im Gegenteil, der Motorradfahrer ist plötzlich nicht nur quicklebendig, sondern auch komplett geheilt. Kurzerhand nimmt er die nun vollends verwirrte Evelyn mit und entführt sie auf das Anwesen einer guten Freundin, wo der armen Krankenschwester der nächste schwere Schicksalsschlag erwartet. Denn Evelyn ist kein normaler Mensch, sondern ein verfluchter Nachzehrer, der von der Lebensenergie der Menschen lebt.

 

Man merkt schnell, dass auch „Schattenseelen“ dem immer noch aktuellen Vampirtrend folgt. Statt sich jedoch auf die altbekannten Figuren von Vampir, Werwolf oder Gestaltwandler zu verlassen, hat die Autorin verschiedene Mythen ausgegraben und etwas Eigenes geschaffen. Die Handlung beginnt dabei rasant und schnell. Binnen zwei Kapiteln wird die anfangs sympathische Krankenschwester mit ihrer wahren Natur konfrontiert und auch als Leser staunt man. Nachzehrer oder auch Gierrach oder Totenküsser genannt, sind ursprünglich normale Menschen, die von einer Hexe, aus welchen Gründen auch immer, verflucht worden sind. Nachdem sie gestorben sind, wird im Grab ihr Fluch aktiv und sie beginnen die Lebensenergie von den Wesen um sie herum abzusaugen. Mittels Telepathie können sie ihre Opfer rufen. Der Erfolg ist aber von ihrer Erfahrung abhängig, so dass häufig zuerst die eigenen Verwandten dran glauben müssen. Wenn ein Opfer den Totenkuss erhalten hat, stirbt es schnell an Beulenpest, dadurch werden auch die großen Pest-Epidemien im Mittelalter erklärt. Ein besonderer Leckerbissen sind für die Nachzehrer die Metamophe, die durch eine Virus-Erkrankung bewusst eine Verbindung mit einem Seelentier eingehen. Das kann wie bei den klassischen Gestaltwandler ein mächtiger Wolf oder Bär sein, aber auch so etwas unspektakuläres wie eine Kuh oder ein Zwergkaninchen. Da beide Parteien Jagd aufeinander machen, sind Konflikte vorprogrammiert. Evelyn schlägt sich zuerst auf die Seite der Nachzehrer, um dann im Laufe der Handlung auch die Gemeinschaft der Metamorphe näher kennen zu lernen. Zwischen ihr und dem hübschen Motorradfahrer alias Adrián Rivas Sarmiento und dem Metamorphen Killian Ney entsteht eine spannende Dreiecksbeziehung, die nicht besonders glücklich endet. Anderes als der Rückentext verspricht, steht auch nicht Evelyns Liebe zu den beiden unterschiedlichen Männern im Vordergrund, sondern eher die Entscheidung ihrer eigenen Existenz mit all ihren Vor- und Nachteilen. Die Figuren sind hierbei noch nicht ganz ausgereift und wirken noch etwas zu blass und oberflächlich. Stellenweise agieren sie meiner Meinung nach auch einen Tick zu melodramatisch, da es sich hier aber um den ersten Teil einer Trilogie handelt, kann man noch leicht darüber hinweggucken. Die Mischung zwischen Action und Dramatik ist jedoch gut gewählt und auch einige wenige Erotik-Szenen sind passend zur Vergangenheit von Evelyn gestaltet. Die düstere Grundstimmung im Roman wird hin und wieder auch von Evelyns Humor und sarkastischen Sprüchen aufgelockert und die Autorin hat zudem einige dramatische Wendungen in die Handlung hineingebaut, die die Geschichte geschickt in eine andere Richtung lenken. Besonders gut gelungen ist auch der Schluss, der mit einem kleinen Aha Erlebnis überraschen kann. Auch sprachlich kann der Roman überzeugen. Modern und flüssig geschrieben, kommt hier wenig Langeweile auf.

Die Fortsetzung „Nachtseelen“ ist übrigens auch schon für die Sommermonate angekündigt und wird stärker die Nebenfigur Finn Rothenberger und sein Seelentier, einen Rotmilan in den Mittelpunkt rücken.

 

Insgesamt ist Olga Krouk mit „Schattenseelen“ ein spannendes Dark Fantasy Abenteuer mit starkem Mystery-Einschlag gelungen. Trotz der kleineren Schwächen kann der Roman mit frischen Ideen und einem originellen, wie auch düsterem Setting überzeugen.

 

 

 

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Roman:

Schattenseelen

Reihe: Nachzehrer Trilogie Bd. 1

Autor: Olga A. Krouk

Deutsche Originalausgabe 2010

Umschlaggestaltung Nele Schütz Design

Karte Andreas Hancock & Herbert Ahnen

Heyne Verlag

Klappenbroschur, 478 Seiten

ISBN 978-3-453-52621-1

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 06.03.2010, zuletzt aktualisiert: 18.01.2019 08:39