Scheibchenweise
 
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Scheibchenweise von ZEP

Rezension von Christian Endres

 

Zep, mit bürgerlichem Namen Philippe Chappuis, ist Vater, Musiker, Ehemann und nicht zuletzt Comic-Zeichner. Die Alben seiner Serie Titeuf erreichen in Frankreich Millionenauflagen und sind waschechte Bestseller. Mit seinem neuesten Werk verlässt Zep die Bühne seines vorpubertären Weltentdeckers mit der Haartolle und widmet sich seinem eigenen Leben, das er wie eine Grass’sche Zwiebel häutet und Scheibe für Scheibe einer näheren Betrachtung unterzieht: »Scheibchenweise«, sozusagen...

 

Zep zeichnet, um die Welt zu zähmen und sie ein Stück weit zu verstehen. Mit »Scheibchenweise« lässt er uns an diesem Versuch, ja diesem ewigen Bemühen um Verständnis teilhaben und nimmt uns mit auf eine Reise zu den Kuriositäten und Absonderlichkeiten des Alltags. Semiautobiographisch führt der Künstler ohne Blatt vor dem Mund uns so in den Kindergarten und zum Gitarrenkauf, in die Gefilde von Freunden und Familie, Träumen und Ambitionen, Liebe und Sex, Kunst und Kultur und all die anderen Zwischen- und Grautöne des bzw. gar seines Lebens. Dabei kommt dem 96 Seiten starken Hardcover vor allem eines zu Gute: Zep ist ein unglaublich sympathischer Künstler, wie zuletzt auf der Frankfurter Buchmesse einmal mehr bewiesen. »Scheibchenweise«, seine gewohnt humorvolle und augenzwinkernde, aber durchaus auch kritische und nachdenkliche Betrachtung der großen und kleinen Dinge des Lebens, ist dann auch eine nicht weniger sympathische Sammlung pointierter Episoden, in denen Zeps Comic-Alter Ego Philippe sich als Mensch, Vater, Künstler und »Außerirdischer auf dem Nussschokoladenplaneten Erde« bewähren muss, während er das Leben und seine Begeben- und Besonderheiten auf amüsant geistreiche Art und Weise scheibchenweise betrachtet.

 

Dennoch fehlt den meisten dieser in Zeps unverkennbar leichtem und humorvollen Zeichenstil festgehaltenen Episoden die Knackigkeit und der Biss seines Verkaufsschlagers Titeuf. Sicher, man schmunzelt, man lächelt, man grinst und man nickt zustimmend und sogar hie und da verlegen, da ertappt - aber wirklich zwingend ist »Scheibchenweise« am Ende dann leider viel zu selten. Vielleicht ist man von Titeufs gänzlich anders gestricktem Humor aber auch einfach nur etwas anderes gewohnt und in Bezug auf Zep zu festgefahren, um dieses nun deutlich ruhigere, reifere und etwas ernstere Werk aus seiner Feder richtig zu würdigen.

 

So könnte man dem sympathischen Schweizer noch eine weitere Episode für seinen Aufschnitt des Lebens mitgeben: Hat man die Massen als Comic-Künstler mit einem ganz eigenen Stil sowie einer eigenen Figur wie Titeuf erst einmal begeistert, muss man seinen Lesern die Zeit geben, hinter diese eine Sache zu blicken und zu erkennen, dass die eigene Kunst facettenreicher und vielfältiger ist und über die sexuelle und soziale Selbstfindung eines frechen Jungens mit blonder Tolle hinaus geht.

 

Denn Zeps Leben und Werk hat mehr zu bieten. »Scheibchenweise« liefert einen ersten wirklich netten und guten Ausblick darauf - und auf den ganzen Rest von Sein, Schein und ... Nussschokolade.

 

Oje, das hat nicht geklappt, Elfenwerk! 20240228005804c3c316a7
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Comic:

Scheibchenweise

Autor und Zeichner: Zep

Carlsen, Oktober 2007

HC-Album, 96 Seiten

ISBN-Code: 3551786224

Erhältlich bei Amazon


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Erstellt: 31.10.2007, zuletzt aktualisiert: 31.12.2023 11:30, 5177