Schlachthof 5 (DVD)
 
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Schlachthof 5 (DVD)

Redakteur: Ralf Steinberg

 

Verlagsinfo:

Vielfach preisgekrönte Verfilmung des populärsten Romans von US-Bestseller-Autor Kurt Vonnegut Jr.

 

"Zu den Dingen, die Billy Pilgrim nicht ändern konnte, gehören Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft..." US-Soldat Billy Pilgrim gerät im Zweiten Weltkrieg in deutsche Gefangenschaft und wird im Keller eines stillgelegten Schlachthofes in Dresden festgehalten. Traumatisiert durch die Kriegserlebnisse und die schweren Luftangriffe auf die Stadt, flüchtet er sich in eine Fantasiewelt. Von der Zeit gelöst, erlebt Billy abstruse Abenteuer auf dem imaginären Planeten Tralfamadore und begibt sich auf eine Reise durch die unterschiedlichen Abschnitte seines Lebens.

 

Koch Media präsentiert mit "Schlachthof 5" die vielfach preisgekrönte Verfilmung des populärsten Romans von US-Bestsellerautor Kurt Vonnegut Jr., die sich in einer einzigartigen Erzähl- und Bildsprache mit den Themen Krieg und Gewalt auseinandersetzt.

 

Rezension:

Die Thematik ist so brisant wie viel diskutiert, doch wann begann man tatsächlich über die Zerstörung Dresdens im zweiten Weltkrieg nach zudenken, mal abgesehen bei den Überlebenden?

Kurt Vonnegut Jr. war ein Überlebender. Sein Roman Slaughterhouse Five or The Children’s Crusade gilt als Versuch einer Verarbeitung. Für uns Friedenskinder ist das Ausmaß eines solchen Traumas nur schwer zu begreifen. Selbst ein Besuch ein Besuch der Elbmetropole bringt uns dem Verständnis nicht näher, sind wir doch Lücken und sich füllende Brachen gewohnt.

Als George Roy Hill sich dem Thema widmete, als ein der ebenfalls überlebte, befand sich sein Land mitten in der Auseinandersetzung mit dem eigenen Krieg, dem Desaster in Vietnam. So wurde die Verfilmung von Schlachthof 5 auch eine Spiegelung der aktuellen Lage, ein eindringlicher Blick in die Welt des Krieges und ihre Wirkungen.

Im Gegensatz zu gewöhnlichen Kriegsfilmen wird diese Eindringlichkeit weniger durch die typischen Szenen erzielt, als vielmehr durch den Wechsel stark kontrastierender Ereignisse im Leben Billy Pilgrims. Während er willkürlich die verschiedenen Zeiten seines Lebens bereist, nie wissend, wann und wo es weitergeht, erlebt er die Zeitsprünge in den Krieg in der korrekten Abfolge. Jene Momente, die ihre zerstörerische Kraft in seinen Geist auslösten, mit all ihrer enormen Absurdität und trotzdem so irritierend banal, muss Pilgrim mit uns durchleben, wie ein Fluch oder eine Strafe, die er verbüßt ist, wenn der letzte Tag abgesessen ist.

Von seiner Hatz durch leere Schneelandschaften, über Gefangenschaft im Kriegsgefangenlager bis nach Dresden in den Schlachthof Nummer 5, Pilgrim steht stets etwas neben dem Geschehen. Michael Sacks spielt diese Unwirklichkeit als Mischung aus engelhafter Unnahbarkeit und närrischem Fatalismus, voller natürlicher Traurigkeit. Die Kamera bleibt stets als neutraler Beobachter dabei, enthält sich einer Fokussierung oder eigenem Tempo.

Geschärft wird diese Fremdheit durch die wunderbare Musik von Glen Gould, die scheinbar nie zu den Szenen zu passen scheint. Fröhlich bei der Ankunft in Dresden etwa und dabei so aufdringlich, dass es fast weht tut.

Deutlicher lässt sich die Absurdität des Krieges kaum zeigen. Erschütternd in seiner Beiläufigkeit auch der Tod seines Beschützers, der im Bildhintergrund erschossen wird bis hin zur symbolträchtigen Befreiung durch die Russen in den Ruinen Dresdens, als Pilgrim unter dem schweren sargähnlichen Kasten eines Regulators liegt, dessen Uhrwerk im Moment der Bombardierung stehen blieb.

 

Dazwischen die vielen Alltagsbegebenheiten, die gerade im Wechsel mit denen des Krieges ebenso absurd erscheinen, obwohl sie es eigentlich nicht sind. Der Besuch im Autokino, die Hochzeit oder der Tod seiner Frau. Pilgrim wandelt fast unbeteiligt hindurch, als gelänge es ihm nicht, eine emotionale Beziehung zu ihnen aufzubauen, wohl auch, weil er sich nie sicher sein kann, wie lange er in dieser Zeit bleibt.

Und so treibt er zwangsläufig auf eine Sinnkrise zu, die ihm Montana Wildhack entdecken lässt und später gelöst wird durch die Entführung nach Tralfamadore, jener außerirdischen Welt, auf der Zeit und Zeitlichkeit keine Rolle spielen, wo Pilgrim gesagt wird, dass nur die Menschen nach einem Sinn des Lebens suchen.

Hill lässt es offen, ob Pilgrim diese Philosophie der Irrelevanz übernimmt, um seine traumatischen Erlebnisse zu überwinden oder ob er tatsächlich eine eigene Sicht auf die Ereignisse fand, weil sie genauso abliefen, als wirrer Strudel der Zeit.

Drehbuchautor Stephen Geller leistete eine große Arbeit, die wesentlich komplexere Handlung des Romans so zu adaptieren, dass nicht nur die Wirkung bestehen blieb, sondern diese auch in ihrer ganz speziellen cineastischen Art und Weise interpretiert wird.

 

Als der Film in die Kinos kam, war Dresden kein Thema. Lange Jahre galten die deutschen Zivilverluste als selbstverschuldete Kollateralschäden und überhaupt nicht so bedeutend, wie behauptet. In Zusammenhang mit Napalmbomben und Dauerbombardements erschienen die Dinge nun in einem anderen Licht, brach eine Diskussion darum aus. Dass der Film darüber hinaus seine Spuren nur in Insiderkreisen hinterließ ist genau so bedauerlich, wie es das bei anderen Filmen auch ist, die mehr als nur unterhalten wollen. Aber immer mal wieder gelingt es, sie aus den Tiefen des kollektiven Vergessens auszugraben.

 

Koch Media präsentiert dieses Meisterwerk in einer speziellen Pappschachtel um das Slimcase und ergänzte den Film um ein sehr informatives Essay über den Film von Olaf Möller. Als Features gibt es den Originaltrailer und eine Bildergalerie.

Leider fehlen weiterführende Informationen zur DVD-Veröffentlichung, etwa warum die letzte Sequenz des Filmes als originale Fassung mit Untertiteln zu sehen ist. Hier ist nur zu vermuten, dass diese Sequenz in der deutschen Kinofassung fehlte.

Aber dieser plötzliche Bruch passt letztendlich haargenau in die Szene. Die Untertitel sind ein fernes Medium, durch die die frohe Botschaft von Tralfamadore ebenso unwirklich zu uns kommt, wie zu Billy, dort in den Ruinen der zerstörten Stadt.

 

Fazit:

Da die wirklich guten Filme im Fernsehen entweder nicht ausgestrahlt werden oder im Mitternachtsprogramm untergehen, ist es umso erfreulicher, dass diese Perle den Weg ins Programm von Koch Media fand. Ein Film, der mit heute ungewöhnlichen Mitteln eindringlich und tiefgründig gegen ein Kriegsbild in unseren Köpfen ankämpft, dass uns weismachen möchte, es gäbe dort Ruhm und Ehre zu erlangen.

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Oje, das hat nicht geklappt, Elfenwerk! 202404171507578e65a431
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DVD:

Schlachthof 5

USA, 1972

Regisseur: George Roy Hill

Original: Slaughterhouse Five

Drehbuch: Stephen Geller

Sprachen: Deutsch, Englisch

Filmlänge: ca. 98 Minuten

1 DVD-Slimcase im Pappschuber

FSK: 16

Komponist: Glenn Gould

Soundsysteme: Dolby Digital 2.0

Bildformate: 1.85:1 (16:9)

Koch Media, 07.03.2008

DVD Features: Originaltrailer

 

ASIN: B0012CF8WU

 

Erhältlich bei: Amazon

 

Darsteller:

Michael Sacks

Ron Leibman

Valerie Perrine u.a.

 


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Erstellt: 25.04.2008, zuletzt aktualisiert: 16.03.2023 18:04, 6362