Schulden (Der Killer Bd. 3)
 
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Schulden

Reihe: Der Killer Bd. 3

Rezension von Christian Endres

 

Er kommt einfach nicht zur Ruhe – bei der Vergangenheit im Grunde aber auch kein Wunder. Diesmal ist es ein kolumbianischer Drogenbaron, der an den Killer heran tritt – mit der Forderung, seine Schulden beim Drogenkartell zu bezahlen, die er mit dem so katastrophal von Statten gegangenen Auftrag damals in Paris anhäufte, als er unwissentlich einen Geschäftspartner des Paten ausgeschaltet hat. Wieder einmal zieht also der verpatzte Auftrag aus der französischen Hauptstadt seine Kreise. Doch da die Bezahlung trotz allem stimmt und er nur den Neffen des Paten mit nach New York nehmen muss, wo sie auf einer internationalen Drogenkonferenz ein paar Schlüsselfiguren im Kampf gegen den organisierten Drogenhandel ausschalten sollen, lässt der Killer sich abermals auf das Spiel ein und tut, was er am besten kann: Töten. Skrupellos, geschickt, gnadenlos ...

 

Es ist ein wenig befremdend, wie schnell der Killer sich nach den Ausstiegsgedanken des zweiten Albums sowie den bitteren Erfahrungen des ersten Bandes wieder aufrappelt und ferner sogar widerstandslos zustimmt, für die Kolumbianer Aufträge zu erledigen. Andererseits scheint dies wirklich der einzige Weg zu sein, der Rache des Drogenkartells zu entkommen, sodass man es auf anderer Art dann durchaus wieder nachvollziehen kann – das Heulen mit den Wölfen, sozusagen.

 

So oder so verfliegt jedwedes unsichere Gefühl schnell, sobald der Killer wieder im Fahrwasser ist und den Fingern am Abzug seiner Waffen hat. Schöne Bildzitate zum ersten Album werden genutzt, als der Killer einmal mehr in einem Hotelzimmer einer Großstadt über seinen Job, die Moral von Großstädten und ihren Einwohnern sowie Leben als solches philosophiert und zu dem Schluss kommt, nicht so viel falsch zu machen – nur vielleicht ein bisschen anders als der Rest der nicht weniger amoralischen, sündhaften Gesellschaft.

 

Der Abbau der Schulden wurde von Luc Jacamon einmal mehr wunderbar in Szene gesetzt. Zu den gewohnt guten Zeichnungen in seinem ganz persönlichen, nüchternen und detailreichen Stil gesellen sich im dritten Band der Reihe nun aber auch noch Panels hinzu, die an Pastellmalerei gemahnen – Impressionen eines Flugzeugstarts vor tropischem Hintergrund oder des von Leuchtreklame, Taxilichtern und wimmelndem Menschenmassen beherrschten Treiben in der New Yorker Fußgängerzone. Teilweise vermischt Jacamon diese beiden Elemente auch, sodass der Killer in einem Panel als einzig im »normalen« Stil gezeichnete Figur aus einem leicht verschwommenen »Pastell-Panel« heraus ragt – alles in allem eine wahrlich gelungene, etwas experimentelle Weiterentwicklung und Bereicherung des ohnehin schon ausgezeichneten Artwork dieser Serie, das auch im dritten Album viel mit Großaufnahmen von Gesichtern oder Händen arbeitet und dadurch in Passagen mit viel Dialog wieder wirkt, als sei es direkt einem Film Noir entsprungen.

 

Das war es dann auch schon mit Gedanken an Rente und Ruhestand im tropischen Paradies unter Palmen. Der Killer ist zurück – und mit ihm ein kreatives Duo, das trotz weniger als 60 Seiten Raum unglaublich viel Inhalt und Atmosphäre unterbringt. »Der Killer: Schulden« ist ein vielschichtiger, abwechslungsreicher und sehr stimmungsvoller Mittelteil der Reihe, der sowohl in erzählerischer, als auch in zeichnerischer Hinsicht vollauf zu überzeugen weiß und keine Schulden offen lässt. Ein Volltreffer!

 

Oje, das hat nicht geklappt, Elfenwerk! 202406180402582a0b1527
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Comic:

Schulden

Reihe: Der Killer Bd. 3

Autor: Matz

Zeichner: Luc Jacamon

Hardcover, 56 Seiten

Ehapa, 2004

ISBN-Code: 3770408233

Erhältlich bei Amazon


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Erstellt: 16.06.2007, zuletzt aktualisiert: 28.12.2022 16:07, 4143