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Secret Wars Megaband 1

Rezension von Ingo Gatzer


Marvel-Events sind bei vielen Fans von Superheldencomics sehr beliebt. Denn sie brechen oft altbekannte Strukturen auf und setzen einzelne Episoden in einen größeren – oft epischen - Kontext. Das maßgeblich von Jonathan Hickman gestaltete Großereignis „Secret Wars“ - aus dem Jahr 2015, nicht die Mini-Serie aus dem 80ern - darf zu den interessanteren dieser Mega-Ereignisse gezählt werden. Zu diesem Event hat Panini nun einen fetten, 324 Seiten umfassenden, Megaband herausgebracht.

 

In Battleworld – eine Schöpfung von Dr. Doom, der diese Welt auch als Gottkönig beherrscht – leben zahlreiche Superhelden und -schurken aus mehreren Universen, die sich aber zum größten Teil nicht mehr an ihre Vergangenheit erinnern können. Hier ist Dooms Wort Gesetz, wobei die einzelnen Herrschaftsgebiete und ihre Barone etwas Autonomie genießen, solange Sie nicht gegen den die Regeln der Gottkönigs verstoßen, die er mithilfe seines Sheriffs Strange(!) und seiner Polizeitruppe, den Thors, durchsetzt. Der Sammelband umfasst insgesamt vier Geschichten die ursprünglich zwischen Juli 2015 und Januar 2016 erschienen.

 

Für die inhaltliche Gestaltung der Storys sind Margueritte Bennet, G. Willow Wilson, Marc Guggenheim, Rick Remender und Al Ewing verantwortlich.In den insgesamt vier Geschichten stehen die Geschicke von A-Force, Squadron Sinister, Hydra bzw. Nomad sowie Captain Britain and the Mighty Defenders im Vordergrund.

 

In der ersten Story geht es primär um die A-Force, mit der Baronin She-Hulk die Insel Acardia schützt. Schwierig wird es, als ein Teammitglied gegen Dooms Gesetze verstößt, eine seltsame Besucherin auftaucht und es Hinweise auf Verrat gibt. Der Auftakt ist routiniert, aber nicht ohne Reiz inszeniert. Leider ist die Auflösung bezüglich des Verräters für Kenner des Marvel-Universums recht vorhersehbar.

 

Deutlich komplexer ist im Vergleich dazu die Geschichte um die Squadron Sinister gestaltet, die von Hyperion angeführt wird. Doom lässt den machthungrigen Baron zwar in seinen Eroberungen gewähren, doch als ein Thor getötet wird, verschärft sich die Lage. Die Charaktere der zweiten Episode sind deutlicher vielschichtiger als die der Auftaktstory. Leider haben sich die Macher wieder das Thema Verrat ausgesucht. Immerhin liefern die Autoren einige überraschende Wendungen, auch wenn das Ende nicht ganz überzeugen kann.

 

Das Highlight des Sammelbandes ist die dritte Geschichte „Hail Hydra“. Hier gelangt Nomad in eine von der Verbrecherorganisation Hydra beherrschte Welt, in der er zum Jagdobjekt wird. Bald merkt er, dass ihm seine machthungrigen Gegner nur allzu bekannt sind. Hier gelingt den Autoren eine düstere Dystopie, bei der sie die vielschichtige Figur von Nomad – der ja einerseits der Sohn des Schurken Zola, andererseits aber auch Adpotivsohn von Steve Rogers alias Captain America ist – ausgelotet wird. Neben guter Action besticht „Hail Hydra“ auch durch einen durchweg spannenden Plot.

 

Den Abschluss des Megabands bildet eine Story, um eine geheimnisvolle Frau, die in ein Reich kommt, in den Baron Rescue herrscht. Der fühlt sich dem Gemeinwohl verpflichtet, nachdem Iron Man sein Leben für ihn gab. Zwar bietet die Geschichte eine überraschende Auflösung. Die ist aber leider nicht wirklich plausibel und den Machern fällt dazu auch kein überzeugendes Ende ein. Außerdem dürften sich einige Comic-Fans fragen, warum hier schon wieder She-Hulk im Fokus steht, wo es doch noch viele andere spannende Charaktere im Marvel-Universums gibt, die bei Secret Wars leider keine Rolle spielen. Zum Glück ist die vierte Story auch mit Abstand die kürzeste.

 

Eine hervorragende, eine gute, eine passable und eine schwache Geschichte: Das ist das positive Fazit des ersten Megabands „Secret Wars“. Insgesamt hätten die Autoren etwas mehr an den Festen der Battleworld rütteln dürfen. Dr. Doom selbst und die Frage, wie gut oder böse er ist, hätte ruhig mehr in den Fokus rücken können. Dafür dürfen sich Fans aber über teilweise wirklich interessante Crossovers zwischen Helden und Schurken freuen, die hier nicht verraten werden sollen.

 

Zeichnerisch bewegt sich Secret Wars – dank Jorge Molina,Carlos Pacheco, Roland Bosci und Alan Davis – auf einem erfreulich hohen Niveau. Die Auftaktstory „A-Force“ besticht durch eine hohe Dynamik. Das ist nicht nur auf die Choreografie der Kämpfe, sondern auch auf die abwechslungsreiche Panelgestaltungen und Perspektivwechsel zurückzuführen. Das Auftauchen eines - Marvel-Fans nur allzu bekannten - Roboters setzt ein starkes Ausrufezeichen und besonders der Endkampf ist visuell mitreißend umgesetzt. Der Zweitling „Squadron Sinister“ wirkt optisch zwar etwas konservativer, aber immer noch – vor allem beim Figurendesign - mehr als nur gefällig. Die Dystopie von „Hail Hydra“ setzen die Künstler auch optisch sehr schön durch dunkle, schattenreiche Szenerien um, wobei die durch eingestreute helle Panels tolle Kontraste setzen. Die lichteren Zeichnungen gegen Ende sind allerdings nicht ganz auf diesem hohen Niveau und einige Hintergründe wirken etwas lieblos gestaltet. Die letzte Story bietet auch optisch keine wirklichen Höhepunkte. Vor allem das Abschlussbild wirkt völlig überzeichnet.

 

 

Fazit:

Der Megaband „Secret Wars“ kann mit kleinen Abstrichen überzeugen und bietet Crossover-Fans – inhaltlich und optisch - gute Unterhaltung sowie mit „Hail Hydra“ eine richtig starke Story, während bei der immer noch guten Geschichte „Squadron Sinister“ Fans von Verschwörung und Verrat voll auf ihre Kosten kommen.

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Eure Meinung:

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Comic

Secret Wars Megaband 1

Autoren: Margueritte Bennet, G. Willow Wilson, Marc Guggenheim, Rick Remender und Al Ewing

Zeichner: Jorge Molina,Carlos Pacheco, Roland Bosci und Alan Davis

Erscheinungsdatum: März 2016

Panini - 324 Seiten - Softcover

ISBN-10: 3957987849

ISBN-13: 978-3957987846

 

Erhältlich bei: Amazon

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Erstellt: 04.04.2016, zuletzt aktualisiert: 20.04.2019 08:40