Shaka Zulu – Die komplette Serie (DVD)
 
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Shaka Zulu – Die komplette Serie

Filmkritik von Christel Scheja

 

Rezension:

Afrika ist für viele Europäer immer noch immer ein eher unbekannter Kontinent, um den sich viele falsche Vorstellungen ranken, die durch Filme und Serien aus rein weißer Sicht noch mehr vertieft wurden. Um so interessanter sind dann diejenigen, die sich darum bemühen, die Geschichte auch einmal so darzustellen, wie sie die Ureinwohner selbst erlebt haben. Und was eignet sich dafür besser als eine historische Persönlichkeit, die weit über die Grenzen seines Landes bekannt wurde?

Es war für den südafrikanischen Regisseur William Fauvre immer ein Anliegen gewesen, trotz Apartheid und der ganzen Rassentrennungsgesetze, das Bewusstsein der Bevölkerung in seinem Land zu ändern.

Er hatte schon früher die Idee, das Leben von Shaka Zulu (1787-1828) umzusetzen, fand aber erst in dem Autoren Joshua Sinclair einen Mitstreiter, der ähnlich objektiv dachte wie er. Geldgeber fand man zwar nicht in eigenen Land aber doch in mehreren europäischen Fernsehsendern (unter anderem auch das ZDF), die den beiden bei der Gestaltung der Serie freie Hand ließen. Auch wenn man auf vornehmlich britische Schauspieler zurück griff, so spielten doch eigentlich die Männer und Frauen, die selbst aus dem Zulu-Volk stammten, viel wichtigere Rollen.

1984 konnte die Serie endlich teilweise sogar an Originalschauplätzen gedreht werden, auch wenn es Proteste und Embargos wegen der südafrikanischen Politik der Rassentrennung gab und die europäischen Schauspieler fast auf der „schwarzen“ Liste gelandet wären. 1986 kam die Serie schließlich auch ins Zweite Deutsche Fernsehen. Anders als andere Serien wurde sie so gut wie gar nicht wiederholt, so dass sie fast vergessen ist. Erst jetzt veröffentlicht Polyband dieses ungewöhnliche Stück Filmgeschichte auf DVD.

 

Die Verantwortlichen in der britischen Kolonie am Kap von Afrika verfolgen mit Sorge die Gerüchte um einen König der Zulu, der im Landesinneren immer mehr an Macht gewinnt und sein Herrschaftsgebiet konsequent erweitert. Deshalb befürchtet der Gouverneur, Lord Charles Somerset, das Schlimmste und wendet sich an die Krone, um die Militärpräsenz zu verstärken. Aber ist das wirklich der richtige Weg? Francis Farewell, ein junger Leutnant, der gerade erst frisch nach Kapstadt gekommen ist, hat einen anderen Vorschlag. Er ist der Ansicht, dass man sich unter Umständen auch friedlich mit diesem König Shaka einigen kann. So werden auf beiden Seiten Verluste vermieden und vielleicht auch freundschaftliche Bande geknüpft, die viel mehr nutzen könnten.

So beschließt der Gouverneur, dass der junge Idealist die Aufgabe übernehmen und die Verhandlungen führen soll, wenn er meint, dass dies mehr bringt. Und nur kurze Zeit später bricht eine kleine Expedition gen Norden und ins Ungewisse auf.

Je weiter sie in den Dschungel vordringen, desto mehr bekommen sie von der Macht des Mannes zu spüren, den seine Untertanen respektvoll „großen Elefanten“ nennen. Da Henry Fynn, der Arzt der Gruppe, einem Mädchen das Leben rettet, machen sie ihn schneller und anders als erwartet auf sich aufmerksam, als sie erhofft haben und müssen ihre Taktik umstellen, als sie vor König Shaka geführt werden. Gerade der nun entstandene der Glaube, dass die weißen Männer Tote wieder zum Leben erwecken vermögen, könnte sich auch als zweischneidiges Schwert erweisen, deshalb agieren sie um so vorsichtiger.

Schon bald wird ihr Können und ihr Verhandlungsgeschick wieder auf die Probe gestellt, als Shaka fast einem Mordanschlag zum Opfer fällt. Es gelingt Dr. Fynn zwar, den König zu retten, er beschließt aber auch, die weißen Männer und ihre Zauber für sich nutzbar zu machen und sie bei sich zu behalten.

Auch die Weißen nehmen sich die Zeit, die für sie fremde Welt kennen zu lernen und sind von Tag zu Tag mehr von der andersartigen Kultur fasziniert, vor allem Farewell und Flynn. Gerade letzterer lässt sich immer wieder auf philosophische Gespräche mit dem Zulu-König ein und erfährt schließlich auch dessen Lebensgeschichte, um sie für die Nachwelt aufzuzeichnen.

 

Und so erfährt auch der Zuschauer in etwa der Hälfte der Serie, wie Shakas Leben eigentlich anfing, und welche bedeutsame Rolle seine Mutter spielte, so lange sie lebte. Man erfährt, dass er der uneheliche Sohn eines kleineren Königs ist, der nicht von seinem Vater anerkannt wurde und während seiner Jugend sogar mehrfach um sein Leben fürchten musste. Schließlich gelang es ihm durch den Bestand seiner Mutter und der Freude, die er sich im Laufe der kommenden Jahre durch seine Tapferkeit und seinen Mut machte, das zu erkämpfen, was man ihm vorenthalten hatte. In diesen Episoden taucht auch kein weißer Schauspieler auf.

Nachdem der Bogen geschlagen ist, kehrt die Geschichte wieder in die Gegenwart zurück. Die Expedition muss erfahren, dass sich Shaka zwar beeindrucken lässt, aber nicht dumm ist, denn er fordert für den Vertrag, den er entgegen der Warnungen seiner Gefolgsleute abschließt, auch eine Gegenleistung.

Alles in allem ist die Beschreibung der afrikanischen Kulturen mit sehr viel Respekt und Hochachtung vor den anderen Moralvorstellungen geschehen. Nur selten schimmert eine eher westliche und weiße Sichtweise durch, und um die Altersfreigabe niedrig zu halten, wurde die Gewalt sehr zurückhaltend dargestellt, auch wenn man aus der Geschichte weiß, dass vie Kriege zwischen der schwarzen Bevölkerung viel grausamer und brutaler abgelaufen sind, als man sie hier darstellt.

Durch die eher gemächliche Erzählweise hat man viel Zeit, sich in die fremdartige Umgebung einzufinden und kann in ruhe die Kulissen bestaunen und die versponnene Handlung verdauen. Die Figuren sind ungewöhnlich vielschichtig dargestellt – so lernt man Shaka nicht nur als skrupellosen und kaltblütigen Krieger, sondern auch als oft sehr nachdenklichen und manchmal feinfühligen Mann kennen, der vor allem auf seine Mutter nichts kommen lässt. Flynn und Farewell können zwar auch nicht ihre britischen Wurzeln, und damit das Weltbild, in dem sie aufgewachsen sind, verleugnen, sehen ihren Verhandlungspartner aber doch schließlich als ebenbürtig an und beginnen ihn später sogar für seine vorausschauende Politik zu bewundern.

Das und nicht die Action oder das Abenteuer macht den Reiz der Serie aus. Ebenso fehlt eine Liebesgeschichte, auch wenn auf die Protagonisten zu Hause schon ihre Frauen warten. Die Serie konzentriert sich allein auf Shaka Zulu und seine Welt – alles an westlichem Einfluss ist nur eine unvermeidliche Zugabe um die Serie auch für europäische und amerikanische Zuschauer interessant zu machen.

Durch die Erzählweise ist sie zwar sperriger als moderne Formate, hat dafür aber überraschende Tiefe und ungewöhnliche Einblicke zu bieten, die man sonst nur in Dokumentationen findet.

Bild und Ton sind dem Alter angemessen, auch wenn auffällt, dass nur eine deutsche Tonspur vorhanden ist. Untertitel gibt es keine. An Extras gibt es nur ein Interview mit dem Regisseur und der Darstellerin von Shakas Mutter, die von der Entstehung, den Dreharbeiten und der Bedeutung der Serie erzählen. Dabei geben die beiden recht interessante Informationen preis, die die Betrachtung der Serie abrunden.

 

 

Fazit:

„Shaka Zulu“ bietet Abenteuer der anderen Art, denn es geht nicht nur um reine Unterhaltung, sondern wie in den klassischen Romanen, die von Expeditionen in von weißen noch unerforschte Welten erzählen auch und vor allem um die Vorstellung einer unbekannten und nicht minder faszinierenden Kultur.

 

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Oje, das hat nicht geklappt, Elfenwerk! 2024042321113204d3c23c
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DVD:

Shaka Zulu – Die komplette Serie

Südafrika 1984

William Faure’s Shaka Zulu – A True Story

Regie: William Faure

Buch: Joshua Sinclair

Bildformat: 4:3

Synchro: Deutsch (DD 2.0)

Spieldauer: ca. 450 min (10 Folgen a ca. 45 min)

Umfang: 3 DVD

FSK: 12

Extras: Interviews mit William C. Faure und Dudu Mkhize

Polyband & Toppic Video/WVG, 30. Januar 2009

 

ASIN: B001KEMGMA

 

Erhältlich bei: Amazon

 

Darsteller:

Henry Cele

Dudu Mkheze

Edward Fox

Robert Powell

Trevor Howard

Fiona Fullerton

Christopher Lee

Roy Dotrice

Kenneth Griffith

Gordon Jackson


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Erstellt: 08.03.2009, zuletzt aktualisiert: 07.02.2024 17:01, 8383