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Sieben Winde von Matthias A.W. Ott

Reihe: DSA

Rezension von Christian Lange

 

"Sieben Winde" von Matthias A.W. Ott ist der 91. Roman des FanPro-Verlags zum Rollenspiel "Das Schwarze Auge". Mit fast 380 Seiten gehört er zu den dickeren Büchern der Serie, was evtl. erklärt, warum der Verlag auf die sonst üblichen Beigaben verzichtet hat. So findet man im Buch weder die bis dato übliche Kurzbiographie des Autors noch ein Glossar. Einzig eine Personenliste, die alte Aventurienkarte und einige Werbeseiten am Ende des Romans sind zu finden.

Das Cover zeigt einen Skalden, der mit seiner Laute an einem Felsen lehnt und aufs Meer schaut. Selten hat ein Cover so genau eine Szene wiedergegeben, die auch so im Roman stattfindet. Grosses Lob dafür. Der Titel ist relativ allgemein, hat auch nichts Konkretes mit dem Inhalt zu tun, ist aber trotzdem akzeptabel.

 

Zum Inhalt: Asbahk Waskirsson wird in Thorwal geboren. Ein berühmter Skalde nimmt ihn als Schüler auf. Über die Jahre lernt Asbahk so viel über die Kultur der Thorwaler und vor allem über deren Geschichte, welche er als Skalde seinem Volk nahe zu bringen hat.

 

Was erwartet man von einem DSA-Roman? Hintergrundinformationen, spannende Geschichten, Action, Magie, lebendige Charaktere, glaubwürdige Handlung, gute Unterhaltung? Wohl von allem ein wenig.

"Sieben Winde" erfüllt leider nicht genug der Kriterien, um zur Spitzengruppe der bisher veröffentlichten DSA-Romane zu gehören. Bedauerlicherweise kann man ihn noch nicht einmal zur großen Gruppe der durchschnittlichen Romane zählen. Nein, dieses Buch gehört unglücklicherweise in die Gruppe jener Bücher, die unterm Durchschnitt liegen.

 

Aber fangen wir mit den positiven Seiten des Buches an, die trotz schlechtem Gesamteindruck durchaus vorhanden sind.

Es gibt nur wenige Bücher, die so vor Hintergrundinformationen strotzen, wie dieses. Der Autor hat es sehr gut verstanden, vieles Wissenswerte über thorwalsche Bräuche und Sitten, Lebensumstände, Glaube und Religion, Geschichte und Recht, etc. in sein Buch einfließen zu lassen. Natürlich kam ihm seine Hauptfigur zu Hilfe, die als angehender Skalde natürlich genau diese Dinge zu lernen hat, um sie später zu vermitteln. So kann man auch ohne viel Wissen über die thorwalsche Kultur und trotz fehlendem Glossar viel lernen.

Allerdings gibt es auch ein kleines Manko auf diesem Gebiet. Der Autor ahnte/wusste wohl, dass es aufgrund der Länge des Buches kein Glossar geben würde und hat so die evtl. unbekannten Begriffe im Text erklärt. Dabei ging er ungleichmäßig geschickt vor. Während vieles nahtlos in die Handlung passte, stachen einige Erklärungen deutlich hervor. Hier hätte man an einigen Stellen kürzen können um Platz für das Glossar zu lassen.

 

Ebenfalls uneingeschränkt positiv sind die sprachlichen Qualitäten des Autors zu werten. Der von ihm produzierte Text lässt sich wunderbar lesen und zeugt von hohem Können auf diesem Gebiet. Besonders hervorzuheben sind dabei einige Gedichte, die wohl aus Hand und Geist des Autors stammen. Auf diese Weise bringt Matthias Ott dem Leser auch jene Methode dar, die traditionell von Skalden verwendet wird.

 

Bei diesen beiden positiven Punkten bleibt es dann aber leider auch. Die Negativliste ist leider länger.

 

Es beginnt mit recht schlechten Charakterstudien. Zwar schafft der Autor es, seine Hauptfigur halbwegs zum Leben zu erwecken, aber leider nicht, ihre Handlungen nachvollziehbar zu machen. Immer wieder gibt es Situationen, in denen der Protagonist völlig unerklärlich Dinge tut oder lässt, ohne dass der Leser den Grund verstehen kann. Auch die anderen auftretenden Figuren leiden stark unter diesem Mangel. Hierbei haben es bekannte Persönlichkeiten (z.B. Hetmann der Hetleute Tronde Torbenson) natürlich leichter, weil der Leser wohl bereits ein ungenaues Bild von ihnen hat.

 

Eine Folge schlechter Charaktere ist oft auch eine schlechte bzw. unglaubwürdige Handlung, weil der Leser die Entscheidungen der Figuren nicht nachvollziehen kann. Mit diesem Problem hat der Autor eigentlich weniger zu kämpfen. Das liegt daran, dass es keine vernünftige Handlung gibt.

Der Leser erfährt Asbahks Geschichte aus dem Mund eines Erzählers. Angefangen von seiner etwas ungewöhnlichen Geburt nimmt man somit an seinem Leben teil. Doch der Autor hat es nicht verstanden, dieses Leben mit Handlung zu versehen. Man hätte Alrik Normalbürger nehmen können und eine ähnliche Handlung erhalten. Relativ unbeeinflusst durch Asbahk selbst plätschert die Handlung dahin. Hin und wieder passiert mal etwas Aufregendes, doch wenig davon hat speziell mit seiner Hauptfigur zu tun. Diese ist bestenfalls Zeuge oder Hilfskraft.

Hinzu kommen zahlreiche Szenen, die mit der eigentlichen Handlung, so man sie denn so nennen will, nichts zu tun haben. Jenen Szenen merkt man allzu deutlich an, dass sie dem Zweck der Informationsvermittlung dienen. So gut gemeint dies ist, so wenig hat es abseits der Handlung in einem Roman zu suchen.

 

Als Folge der ungenügenden Handlung leidet natürlich auch die Spannung. Der Autor hat in diesem Roman ein seltenes Talent bewiesen. Er zeigt, wie man einer Romanhandlung sämtliche Spannung nimmt. Wann immer in Asbahks Leben mal etwas halbwegs Interessantes bzw. Spannendes passiert, überspringt der Autor die Szene und setzt hinterher wieder ein. Wenn dann doch mal eine Episode halbwegs spannend ist, dann stammt diese meist nicht direkt aus der Feder des Autors, sondern aus offizieller DSA-Geschichtsschreibung, denn Matthias Ott bedient sich (völlig zu Recht) einiger Ereignisse aus der aktuelleren Geschichte Thorwals.

Zwar hat der Autor gute Ansätze in seine Geschichte eingebaut, aber unverständlicherweise benutzt er sie dann später nicht, so dass der unbedarfte Leser sich von Kapitel zu Kapitel quält, in der Hoffnung, die eigentliche spannende Handlung würde nach der langen langen Einführung nun endlich beginnen.

 

Dieses Buch kann man nicht guten Gewissens weiterempfehlen. Niemand kann sich ernsthafterweise für einen so unspannenden und damit langweiligen Roman interessieren. Einzig als Quelle für diverse Hintergrundinformationen ist dieses Buch gut. Der Autor, dessen sprachliche Qualitäten hier keineswegs beanstandet sind, sollte sich der Ausarbeitung von Quellenbüchern widmen, hier scheint sein Talent zu liegen.

 

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Hinweis:

Mit freundlicher Unterstützung von Fantasy Productions GmbH,

www.fanpro.com und www.f-shop.de

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Sieben Winde

Autor: Matthias A.W. Ott

Broschiert - 376 Seiten - Fantasy Productions

Erscheinungsdatum: Februar 2006

ISBN: 3890644619

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 14.03.2006, zuletzt aktualisiert: 18.01.2019 08:39