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Siegfried

Reihe: Siegfried Bd.1

Rezension von Christian Handel

 

Um es gleich vorweg zu nehmen: Am Nibelungenstoff haben sich bereits viele Künstler und Autoren – mal mehr, mal weniger erfolgreich – versucht. Alex Alice’ “Siegfried”-Trilogie gehört, zumindest was den bisher erschienenen Auftaktband angeht, zu den gelungenen Interpretationen. Eine allesumfassende Beurteilung fällt schwer, den der erste Teil der Reihe erfüllt in erster Linie den Zweck, dem Leser die Welt, den Hintergrund und den Titelhelden vorzustellen.

 

Für eben jenes Hintergrundkolorit, die Abstammungsgeschichte der Hauptfigur und die Ereignisse, die das eigentliche Drama in Gang setzen, verpflichtet sich Alice den nordischen Wurzeln des Stoffes, wie es bereits Richard Wagner (und viele andere nach ihm) getan haben. Das deutsche Volksgut, das “Nibelungenlied”, bleibt größtenteils außen vor.

Den klassischen Überlieferungen mengt der Künstler jedoch auch jede Menge eigene Ideen bei und erschafft so eine interessante und auch glaubhafte neue Version einer bekannten Geschichte.

 

So sind es nicht die Rheintöchter Wagners, die das verfluchte Gold bewachen, das der Katalysator für den Untergang der Nibelungen sein wird. Stattdessen ist es Odins eigene Tochter. Dem Nibelungen Fafnir gelingt es erst, den unglücksbringenden Schatz zu stehlen, als die Göttin in Liebe zu einem Menschen entbrennt.

Erzürnt sowohl wegen ihres Versagens als Hüterin des Goldes als auch wegen ihres Ungehorsams verfolgt Odin seine Tochter und ihren Geliebten und bestraft sie mit dem Tod. Das Kind der beiden allerdings, der Junge Siegfried, wird der Obhut des Schmiedes Mime übergeben, der ihn fernab der Menschheit in einer Einsiedelei groß zieht.

 

Wie Fafnir gehört Mime dem Volk der Nibelungen an, die hier kein Menschenklan sind, sondern nichtmenschliche, zwergenähnliche Wesen. Mime ist alles andere als ein perfekter Vaterersatz. Er sieht in dem Kind nichts weiter als ein künftiges Werkzeug, welches er zum Erreichen seiner eigenen Ziele schmieden will wie ein Schwert.

Mit zunehmenden Alter beginnt Siegfried jedoch, gegen seinen Schutzherrn und Lehrmeister zu rebellieren und zieht alsbald ein eigenständiges Leben im Wald unter Wölfen vor. Er wächst zu einem Mann heran, der sich vor nichts und Niemandem fürchtet – noch nicht einmal vor den Göttern …

 

Der Leser verfolgt die Geschichte durch die Augen einer Walküre, die sich offenkundig für Siegfrieds Schicksal interessiert und der, das dürfte jedem klar sein, der mit dem Sagenstoff vertraut ist, in den Folgebänden eine tragende Rolle zukommen wird.

 

Obwohl diese Coming-of-Age-Story eines jungen Helden eher tragischer Natur ist, spart Alice Humor und Leichtigkeit nicht völlig aus. In wunderbaren, stimmungsvollen und bunten Bildern erzählt er seine Geschichte. Obwohl die Zeichnungen mit Details nicht überfrachtet sind, gelingt es dem Künstler durch gekonnte Bildkomposition, dem perfekten Einsatz von Schattierung sowie einer sehr passenden Farbgebung eine intensive Atmosphäre zu schaffen.

Alice setzt auf klare Bilder, die sich teilweise fast komplett über Doppelseiten erstrecken und zum Verweilen und Betrachten einladen.

 

Trotzdem sorgt ein schneller Erzählfluss dafür, dass die Handlung sehr dynamisch wirkt: Langeweile kommt keine auf. Die hochwertige Hardcover-Aufmachung in Übergröße, mit der der Splitter-Verlag so gerne arbeitet, runden das Gesamtbild ab und schaffen so ein kleines Comic-Kunstwerk.

 

“Siegfried – Band 1” kann sich im wahrsten Sinne des Wortes sehen lassen und macht neugierig auf die beiden weiteren Teile der Trilogie.

 

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Siegfried

Reihe: Siegfried Bd.1

Skript & Zeichnungen: Alex Alice

Übersetzung: Tanja Krämling

Splitter-Verlag, Hardcover, 72 Seiten

ISBN: 978-3940864185

Erhältlich bei: Amazon


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Erstellt: 05.07.2008, zuletzt aktualisiert: 23.06.2019 12:39