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Silberlicht von Laura Whitcomb

Rezension von Christel Scheja

 

„Silberlicht“ ist das Debüt der in Pasadena, Kalifornien, geborenen Laura Whitcomb, für das die heute in Portland lebende Autorin mehrere Preise gewann und doppelt so viele Male nominiert wurde.

Was, wenn nicht alle Seelen in das Licht eingehen und ihren Frieden im Jenseits finden, sondern ruhelos herumirren, weil sie eine unbestimmte Angst davor haben los zu lassen und nicht einmal mehr wissen, warum?

 

Helen ist ein solcher Geist. Ihr gelingt es, in der stofflichen Welt zu bleiben, indem sie sich immer wieder „Bewahrer“ sucht, Männer, die ihr einen Grund geben, weiter da zu sein und sich um sie zu kümmern. Meistens sind es solche, die eine künstlerische Ader haben – Schriftsteller mit keinem oder mäßigen Erfolg. Denn eines weiß sie. Sie hat schon immer Prosa und Poesie geliebt und möchte beides nicht missen.

Ihr aktueller „Bewahrer“ ist Mr. Brown, ein junger Mann, der zwar gerne schreibt, aber seinen Lebensunterhalt damit verdient, in der nahe gelegenen Highschool zu unterrichten. Schließlich hat er bald auch eine Familie zu versorgen.

Helen hat ihn seit ihrer Jugend begleitet und kämpft im Moment mit der Eifersucht gegenüber ihrer Frau. Denn sie weiß, dass es eigentlich keinen Sinn hat, diese zu vertreiben, da Mr. Brown sie niemals wirklich wahrnehmen wird. Das können Menschen nicht.

Um so größer ist der Schock, als einer der Schüler sie anspricht – sie als das wahrnimmt, was sie ist. Nach dem ersten Schrecken gewöhnt sich Helen an die Tatsache und beginnt es zu schätzen, dass sie sich endlich mit jemandem unterhalten kann.

So erfährt sie, dass der Jugendliche auch kein normaler Mensch ist, sondern eine verlorene Seele wie sie. James ist in den Körper des jungen drogenabhängigen Billy gefahren, als dieser sich eine Überdosis verabreichte. Seither versucht er ein Leben zu führen, in dem er sich nicht verrät aber auch nicht ganz zum anderen wird.

Helen begleitet sie. Schließlich ergibt sich auch für sie die Chance, einen Körper zu übernehmen, den von Jenny, der Tochter zweier religiöser Fundamentalisten. So hat die Geheimniskrämerei noch immer kein Ende, denn um James auch körperlich nahe zu sein, müssen beide einiges auf sich nehmen, da ihre neuen Identitäten aus unterschiedlichen Gesellschaftsschichten stammen, die eigentlich nicht zusammen passen.

 

„Silberlicht“ ist eine poetische und romantische Liebesgeschichte zweier Seelen, die noch immer in der Menschenwelt herumirren, weil sie am Ende ihres richtigen Lebens viel Leid erlebt haben. Welches, dass erfährt der Leser erst später. Bis dahin erfährt er viel von der Einsamkeit der dahintreibenden Geister, ihrem Verlangen nach Menschlichkeit, der sie schließlich dazu bringt, Grenzen zu überschreiten. Doch wie so oft wähnt das Glück nur kurz, denn ihre wahre Erfüllung liegt im Licht, nicht in der stofflichen Welt.

Das alles wird sehr einfühlsam und ruhig von der Autorin erzählt. Sie geizt nicht mit literarischen Zitaten aus allen möglichen klassischen Werken und steigert die Spannung durch kleine Hinweise aber nicht durch übersteigerte Dramatik.

Helen und James bleiben ausgesprochen natürlich und lebensnah, auch ihre Umgebung ist passend in Szene gesetzt. Vielleicht kommt dem ein oder anderen Leser die Handlung bekannt vor – denn es ist nicht das erste Werk dieser Art, aber die Autorin kann mit einer liebevoll gestaltete und atmosphärisch dichten Handlung punkten.

 

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Buch:

Silberlicht

Autorin: Laura Whitcomb

Gebunden, Flexeinband, 311 Seiten

Pan/Knaur, erschienen März 2010

Übersetzung aus dem Englischen von Sabine Thiele

Titelbild von Trevillion & Chiara Versini, Innenillustrationen von Veronika Preisler

ISBN-10: 342628328X

ISBN-13: 978-3426283288

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 15.04.2010, zuletzt aktualisiert: 18.04.2019 10:40