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Simon Lamont - Im Rausch des Plexums von Jessica Tewes und Ian Stra

Rezension von Olaf Kieser

 

Rezension:

Für Autoren und Rezensenten sind Debütromane immer etwas Besonderes. Top oder Flop? Entdeckt man einen neuen Star? Simon Lamont – Im Rausch des Plexums ist so ein Debütroman. Die beiden Autorinnen Jessica Tewes und Ian Stra haben ihn in Eigenregie beim Engelsdorfer Verlag veröffentlicht. Die beiden jungen Frauen haben sich über das Internet kennen gelernt. Beide haben in ihrer Kindheit und Jugend bereits erste schriftstellerische Gehversuche unternommen. Während eines Aufenthaltes auf dem Flughafen Kuwait zwischen heimkehrenden US-Soldaten bekam Stra die Idee für die Geschichte. Wieder in Deutschland erzählte sie ihrer Freundin davon, die sich schnell begeistern ließ und so entstand die Geschichte um Simon Lamont und das Plexum.

 

Simon arbeitet bei einer Sicherheitsfirma in Kuwait und will zu seiner Familie nach Schottland fliegen. Bei einem Zwischenstopp auf dem Frankfurter Flughafen trifft er auf einen merkwürdigen alten Mann. Dieser nimmt Simon ohne weitere Erklärungen mit auf eine Reise, die das Leben des jungen Mannes verändern soll. Als Simon in einer ländlichen Umgebung zu sich kommt erklärt ihm der Mann, der Tareq heißt, dass es neben Simons Welt unzählige weitere Parallelwelten gibt. Sie seien auf dem Weg ins Plexum, das das Zentrum dieser Welten ist. Warum er Simon mit auf diese Reise nimmt erklärt Tareq zunächst nicht. Im Plexum angekommen machen sich die beiden in die Waldstadt Tara auf, wo sie auf Fiona und Aiden treffen. Sie stammen wie Simon von der Erde. Tareqs Bruder Akiel hat das Geschwisterpaar auf dem Weg zur Universität aus ihrer Welt entführt. Es stellt sich heraus, dass ihre „Entführer“ mächtige Druiden sind. Die Entführungen sind zum Schutz der jungen Menschen geschehen. Simon und Aiden sind Nachkommen des letzten rechtmäßigen Herrschers des Plexums. Der nach dem Tod des letzten Herrschers eingesetzte Stellvertreter hat inzwischen Ambitionen auf die Alleinherrschaft entwickelt. Er schreckt dabei auch nicht vor einem Pakt mit finsteren Mächten zurück. In Tara, der Stadt des freundlichen Volkes der Fir, finden die drei eine neue Heimat und werden auf ihre Aufgabe vorbereitet. Sie lernen den Umgang mit Magie und Schwert. Eine erste Bewährungsprobe muss Simon bestehen, als er unverhofft an dem Perplexum, dem Rennen der Welten, als Starter für die Fir teilnehmen muss.

 

Das Romandebüt der Autorinnen Tewes und Stra ist eindeutig ein Fantasy-Roman, den sie mit ein wenig irisch-keltische bzw ägyptischer Mythologie (die Fomori, ein Ankh als Schutzsymbol), Science Fiction (Fahrstühle in den Wohnbäumen der Fir, Fluggleiter beim Rennen) und moderner Pop-Kultur (Kaioshin kennt man aus Dragonball) angereichert haben. Aus diesen Zutaten haben sie eine insgesamt unterhaltsamen und spannende Geschichte geformt. Da man in der Regel genauso wenig weiß wie die Hauptfiguren Simon, Aiden und Fiona, baut sich rasch Spannung auf. Man möchte ja schließlich wissen, was das alles soll und wohin es führt. Immer wieder gibt es temporeiche Kapitel. Beispielsweise ist das Perplexum dynamisch und packend geworden. Auch Tara, die Stadt der Firs, ist interessant beschrieben und weist so manchen ungewöhnlichen Einfall auf. So befindet sich auf einem der riesigen Sequoias das Stratosphäre, ein Restaurant mit grandiosem Panorama, das regelmäßig von den Figuren aufgesucht wird. Auch gibt es neue Wesen zu entdecken wie z.B. die Wohlfühler. Tewes und Stra haben Figuren geschaffen, denen man gerne durch die Geschichte folgt.

 

Wie es nicht anders sein kann, gibt es bei einem Debüt einige Dinge, die noch zu verbessern sind.

Auf drei Punkte soll hier kurz eingegangen werden. Es handelt sich bei dem Roman um eine Selbstveröffentlichung. Das heißt, dass die Autorinnen viel Verantwortung für den Inhalt etc. tragen. Ein Lektor wird zwar von Verlagsseite gestellt, doch haben sich auf den gut 420 Seiten einige Fehler eingeschlichen. Da ist leider nicht mit ausreichender Gründlichkeit gearbeitet worden. Zu vermeiden wäre aber besonders ein Fehler, der immer wieder auffällt. Die Höflichkeitsanrede „Sie“ und „Ihr“, die laut Duden auch nach der neuen Rechtschreibung immer groß geschrieben wird, ist in dem Roman konsequent klein geschrieben worden! Das kann beim Lesen schon zu Irritationen führen.

 

Den oben erwähnten temporeichen und spannenden Kapiteln stehen auch Abschnitte gegenüber, in denen nichts oder zumindest kaum neues zur Geschichte beigetragen wird. Das ist dann der Fall, wenn wiederholt der oft gleiche Tagesablauf von Simon, Aiden und Fiona beschrieben wird. Beim Magie-Training in Tara und auf Reisen ist das mehrfach der Fall. Diese mehrfache Wiederholung wirkt beim Lesen mitunter etwas zäh und nehmen Fahrt aus der Geschichte.

 

Wie bereits gesagt folgt man den Figuren gerne durch die Geschichte. Dennoch muss festgehalten werden, dass die Charaktere gelegentlich oberflächlich und austauschbar erscheinen. Dies hat seine Ursache darin, dass die Beschreibung der Gefühle und Reaktionen der einzelnen Figuren wenig abwechslungsreich und unterschiedlich geraten ist. Dass sie häufig perplex sind, ist als ironisches Spiel mit dem Titel des Romans zu verstehen und soll deshalb nicht kritisiert werden. Leider beschränken sich die weiteren Reaktionen und Gefühlsregungen oft auf ein Grinsen, ein Schmunzeln oder beleidigtes Schmollen. Das führt dazu, dass die einzelnen Charaktere in ihrem Verhalten sehr ähnlich sind und sich kaum voneinander unterscheiden.

 

Stilistischen Schwächen sind aber in einem Debütroman nicht wirklich überraschend. Die Autorinnen sind dabei ihren eigenen Stil weiter zu entwickeln, was Zeit und Übung braucht. Es ist etwas ganz anderes, einen mehrere hundert Seiten umfassenden Roman zu schreiben als eine Kurzgeschichte, die nur wenige Seiten hat. Wenn Stra und Tewes weitere Abenteuer aus der Welt des Plexums folgen lassen, wird sich ihr Stil weiter entwickeln. Welcher Autor hatte zu Beginn seiner Karriere seinen Stil schon perfektioniert?

 

Das Fazit für „Simon Lamont – Im Rausch des Plexums“ fällt insgesamt positiv aus. Die beiden Autorinnen haben in ihrem Debütroman ein ideenreiches Szenario entworfen. Es gelingt ihnen immer wieder, Tempo und Spannung zu erzeugen. Es gibt ein paar stilistische Schwächen, die jedoch leicht abgestellt werden können. Insgesamt ist „Simon Lamont – Im Rausch des Plexums“ ein solides Debüt, das eine interessante Alternative zu den vielen „Tolkien-Nachfolgern“ mit ihren auf Massengeschmack getrimmten Werken darstellt.

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Buch:

Simon Lamont - Im Rausch des Plexums

Autorinnen: Jessica Tewes und Ian Stra

Taschenbuch, 421 Seiten

Engelsdorfer Verlag, März 2009

 

ISBN-10: 3867037825

ISBN-13: 978-3-86703-782-2

 

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 25.06.2009, zuletzt aktualisiert: 18.04.2019 10:40