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Sniper Elite V2

Rezension von Cronn

 

Noch einmal tief durchatmen – dann die Luft entweichen lassen, bis die Lunge leer ist. Dann keinen Atemzug mehr! Der Puls ist ganz ruhig, das Hochpräzisionsgewehr ruht sanft in den Händen. Im Visier sehe ich den deutschen Offizier neben dem Auto stehen, er raucht eine Zigarette, deren Schwaden vom Wind nach links verweht werden. Anhand dieser Verwehung berechne ich die Schussabweichung. Ich warte noch auf das Fallen einer weiteren Fliegerbombe, welche meinen Schuss übertönen soll. Da kommt sie schon!

Das hohe Pfeifen kündigt sie an. Schnell fällt die Tonhöhe parallel zur Bombe. Und dann ist die Explosion laut zu hören.

Ich ziehe das Fadenkreuz noch ein wenig nach links – und drücke ab.

Wie geplant übertönt die Explosion der Bombe meinen Schuss. Aber ich habe zu stark verzogen und so durchschlägt meine Kugel lediglich die rechte Schulter des Deutschen. Hektisch ziele ich erneut. Diesmal kann ich nicht darauf warten, dass eine Bombe fällt. Ich muss den Typen jetzt erledigen, um jeden Preis!

Wiederum atme ich aus, warte aber nicht bis mein Puls ganz unten ist, sondern schieße auf den Offizier, der sich eben vom Boden erhebt, wohin mein erster Schuss ihn geschickt hatte. Die Kamera verfolgt die Flugbahn meines Geschosses in Zeitlupe. Dann schlägt es ein.

Wie ein gefällter Baum kippt der Offizier nach hinten um.

Doch die Situation gerät außer Kontrolle: Vom Schuss wurde ein halbes Dutzend Soldaten alarmiert. Sie eilen herbei, rufen sich Befehle zu und ich weiß – sie suchen mich!

Eilig klettere ich vom Hausdach und mache mich auf den Weg durch die Ruinen von Berlin, immer darauf bedacht, die Typen zu umgehen. Gottlob habe ich einige Drahtsprengfallen und Tretminen versteckt, die meinen Rückzug decken helfen werden.

Dennoch ist der Weg zurück kein Zuckerschlecken. Jetzt wird sich erweisen, ob ich tatsächlich zur Elite der Scharfschützen gehöre …

 

Rezension:

Sniper Elite V2 heißt der neueste Titel der Macher von Rebellion aus England. Rebellion hat sich als Studio einen Namen gemacht mit wegweisenden Games a la Aliens vs. Predator (1999) und dem gleichnamigen Remake von 2010.

Im Jahr 2005 erschien mit Sniper Elite eine weitere Innovation aus dem gleichen Studio. Hier konnte man zum ersten Mal einen Scharfschützen spielen, wobei ein hoher Wert auf dem Simulationsaspekt lag. »Sniper Elite V2« setzt hier als Nachfolger nahtlos an.

Als Publisher fungiert 505 Games und hierzulande vertreibt Avanquest das Spiel.

 

Hintergrund:

Berlin in den letzten Kriegsmonaten. Verschiedene Wissenschaftler arbeiten an der Wunderwaffe V2. Ein Scharfschütze soll im Auftrag der Alliierten die Wissenschaftler entweder töten oder vor den Russen in Sicherheit bringen. Zudem soll der Start der V2-Rakete verhindert werden.

 

Gameplay:

»Sniper Elite V2« erinnert frappierend an den ersten Teil. Auch im zweiten Teil ist der Schauplatz das zerbombte Berlin und wiederum soll man als Scharfschütze möglichst unbemerkt vorgehen. Dennoch unterscheidet »Sniper Elite V2« einiges vom Vorgänger, wie gleich ersichtlich werden wird, besonders im Multiplayer.

Im Singleplayer bietet das Game eine Kampagne an, in welcher man taktisch klug vorgehen muss. Das Gameplay unterscheidet sich hierbei von dem üblicher Shooter. Es gilt die Szene genau mit dem Fernglas zu beobachten, um möglichst alle Soldaten in Reichweite zu markieren. Das Spiel lässt einem dann die Freiheit, die Soldaten zu umgehen, oder sie einzeln auszuknipsen oder mit geballter Feuerkraft vorzugehen (auch das ist möglich). Am spannendsten ist es natürlich, die Feinde zu separieren und sie auszuschalten. Hierzu kann man mit einem Stealth-Kill unbemerkt von hinten die Gegner erledigen, die mittels einer Schalldämpfer-Pistole über den Jordan schicken oder mit einem geschickt platzierten Sniper-Schuss.

Darüber hinaus bietet das Spiel weitere Waffen an. So existieren Stolperdrähte, welche Granaten auslösen, Stielhandgranaten, Tretminen und verschiedene MPs. Um sich an die Feinde heranzuschleichen, sollte man das Deckungssystem nutzen und möglichst die Sichtwinkel und Laufwege der Feinde kennen.

Auf diese Weise geraten die Level sehr spannend und das Gameplay hebt sich erfreulich vom Genre-Brei ab. Die Freiheit, so vorzugehen, wie man möchte, ist ebenfalls lobend zu erwähnen.

 

Multiplayer:

»Sniper Elite V2« bietet einen kooperativen Multiplayer-Part mit verschiedenen Modi an. Auch existiert ein kompetitiver Multiplayer, ebenfalls mit mehreren Modi. Zunächst soll der kooperative Multiplayer-Modus betrachtet werden.

Man kann die Kampagne gemeinsam mit einem Freund bestreiten, was großen Spaß macht, da man sich hier absprechen kann und daraus Vorteile zieht. Wie im Singleplayer gibt es Gold-Barren zu sammeln, welche im Multiplayer beiden Spielern angerechnet werden, so dass kein Konkurrenzdruck entsteht.

Im Modus Bombardierung geht es darum aus einem zerbombten Gebiet zu flüchten. Hierzu soll ein Panzer dienen. Aber dieser ist defekt. Die beiden Spieler müssen zusammenarbeiten, um sechs Ersatzteile im Level zu finden und zum Panzer zurückzubringen. Der Modus macht zu zweit großen Spaß, da Absprachen unausweichlich sind und die Gegner allerorten. Allerdings sieht es manchmal so aus, als würden die Feinde vom Programm beliebig respawnt werden, was zu unfairen Szenen führen kann.

Überwachung ist ein asynchroner Modus. Hierbei ist ein Spieler als Scharfschütze auf dem Dach, während der andere auf dem Boden mit MP bewaffnet verschiedene Missionsziele erfüllen muss. Der Spieler am Boden markiert zudem für den Sniper auf dem Dach die Gegner. Dieser soll dann den Spieler am Boden bei seiner Mission unterstützen. Dieser Modus konnte am meisten gefallen, da hier die stärkste Kommunikation zwischen den Spielern nötig ist.

Kill-Serie wirft den Spielern Welle um Welle von Soldaten und Fahrzeugen entgegen. Der Modus konnte nicht begeistern, da die Spieler den Feinden unterlegen waren, da sie inmitten der Level-Map sozusagen auf dem Präsentierteller von allen Seiten angegriffen werden konnten.

Den kompetitiven Multiplayer-Bereich dominieren momentan auf den öffentlichen Servern die Modi Deathmatch und Team-Deathmatch, obgleich auch König der Entfernung, sowie Team-König der Entfernung zur Verfügung steht.

Im Deathmatch kämpft jeder gegen jeden, wobei der Reiz nun darin besteht, möglichst ungesehen durch die Maps zu kommen. Bei Team-Deathmatch sind es zwei Teams, die sich bekämpfen.

Interessant sind die Modi König der Entfernung, sowie Team-König der Entfernung. Hier zählt nicht der Kill an und für sich, sondern die Entfernung dabei. Derjenige (oder dasjenige Team) gewinnt, der die weitesten Entfernungen aufweisen kann. Das führt zu spannenden Stellungskämpfen mit der Suche nach der besten Schussposition.

Während die beiden Modi Deathmatch und TDM Spaß machen, aber keine Innovation darstellen, sind König der Entfernung, sowie Team-König der Entfernung sehr gelungene Abwechslungen vom Multiplayer-Einheitsbrei und sollten von jedem Gamer einmal ausprobiert werden.

 

Grafik und Sound:

Grafisch ist »Sniper Elite V2« als ordentlich zu bezeichnen. Schaltet man alle Effekte ein, ist das Spiel durchaus vom Grafischen her gut gelungen, aber die Framerate geht doch sehr in den Keller. Dies liegt aber vor allem am Supersampling, was man vermeiden sollte.

Die Texturen sind bei genauerem Hinsehen nicht allzu hoch aufgelöst und auch die Animationen könnten stimmiger sein. Dennoch ist »Sniper Elite V2« kein hässliches Entlein, aber zur Grafikkrone reicht es nicht.

Im Soundbereich macht das Game nahezu alles richtig. Die Umgebungskulisse ist reichhaltig ausgeschmückt und auch die Sprecher machen ihren Job zumeist hervorragend. Die Musik ist allerdings nach kurzer Zeit nervtötend, da sie sich wiederholt.

 

Fazit:

»Sniper Elite V2« ist ein Spiel, das sich ganz klar an erwachsene Gamer richtet. Das liegt nicht nur an der Tatsache, dass die Bullet-Kamera den Flug der Kugel bei besonders geglückten Treffern bis hin zum Einschlag in den Körper des Pixelsoldaten folgt, sondern auch daran, dass es in »Sniper Elite V2« gemächlicher als in anderen Shootern zugeht. Nicht der schnellste Zeigefinger gewinnt, nicht der beste Reflex erhält die Oberhand über die Situation, sondern derjenige, der seine Aktion am kühlsten plant, besonnen vorgeht und stets ein wachsames Auge auf die Umgebung hat.

Wer also lieber schleicht, Deckung und Schatten zu seinem Vorteil ausnutzt, um dann im geeigneten Moment das Glücksgefühl auszukosten, alles richtig gemacht zu haben, ist bei »Sniper Elite V2« an der passenden Adresse.

Dennoch lässt das Spiel auch eine andere Vorgehensweise zu. Die Freiheit des Vorgehens ist nicht hoch genug zu schätzen. Auch wenn es vom Grafischen her nicht in der Oberliga spielt, ist »Sniper Elite V2« vom Gameplay her absolut erstklassig.

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Eure Meinung:

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Game:

Sniper Elite V2

Rebellion/505 Games/Avanquest, 30. Mai 2012

Plattform: Windows 7 / Vista

USK: 18

 

ASIN: B0083H93AA

 

Erhältlich bei: Amazon

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Erstellt: 19.06.2012, zuletzt aktualisiert: 10.05.2019 12:32