So weit die Füße tragen (50 Jahre Jubiläums-Edition)
 
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So weit die Füße tragen

Rezension von Björn Backes

 

Inhalt:

Das Kriegsende bietet für Oberleutnant Clemens Forell nicht den erhofften Frieden. Im Herbst 1945 wird er von den russischen Besetzern nach Sibirien beordert, um dort die Strafen für seine Kriegsverbrechen abzubüßen. 25 Jahre soll er unter menschenverachtenden Voraussetzungen in einem Bleibergwerk schuften und gemeinsam mit 3000 weiteren deutschen Soldaten die Konsequenzen für die Gräuel des zweiten Weltkriegs ertragen. Doch je häufiger sich der Tod in den eisigen Regionen der nördlichen Sowjetunion einnistet, desto größer wächst der Wille des Widerstands in Forell. Nachdem mehrere Fluchtversuche gescheitert sind, nutzt er im richtigen Moment die Gelegenheit, aus dem Arbeitslager auszubrechen und sich zu Fuß auf den Heimweg zu machen. Allerdings weicht die Euphorie über den gelungenen Ausbruch recht bald der Verzweiflung ob der tödlichen Gefahr, die die riesige Eiswüste bedeutet. 14.000 Kilometer muss Forell bestreiten, und jeder einzelne Meter ist bestimmt vom Überlebenskampf, der den einstigen Leutnant immer wieder an den Rand des Aufgebens bringt. Mir urzeitlichen Methoden sichert er sich seine Nahrung, bettelt, stiehlt und bildet Zweckkoalitionen, die ihn auch durch die kritischen Regionen führen. Doch eines lernt Forell unterdessen seinem Leben: Traue niemandem, denn jeder ist sich selbst der nächste…

 

Rezension:

Bei „So weit die Füße tragen“ denken jüngere Semester zunächst an das monströse Film-Epos von Hardy Martins aus dem Jahre 2002, welches aufgrund seiner grandiosen dramaturgischen Struktur seinerzeit auf mehreren Independent-Festen abräumte und dank seiner authentischen Darbietung sowohl erschreckende als auch faszinierende Auswirkungen auf das Publikum hatte. Was vielen gar nicht bewusst war: Martins adaptierte den Stoff auf der Basis des ersten echten gleichnamigen TV-Mehrteilers aus dem Jahr 1959, der zur Erstveröffentlichung rege Diskussionen auslöste, gleichzeitig aber auch als waghalsiges Meisterwerk gepriesen wurde, welches ein pikantes Thema der Nachkriegsgeschichte durchaus kritisch, vor allem aber mit der nötigen Authentizität bearbeitete. Pünktlich zum 50-jährigen Jubiläum wird dieser Sternstunde des deutschen Fernsehens nun erstmals mit einer kommerziellen Veröffentlichung gedacht, die neben dem Originalstoff noch eine ganze Reihe Extrasequenzen bietet, die sich mit all den grausamen Aspekten der Nachkriegszeit beschäftigt – und eben auch die Foltermethoden der sibirischen Aufseher beleuchtet.

Während der Inhalt unbestritten genial aufgearbeitet wurde und durch die fabelhaft agierenden Schauspieler in jeglicher Hinsicht glaubhaft und emotional transferiert wird, spielt bei diesem Release in erster Linie die qualitative Seite des Filmmaterials eine gewichtige Rolle. Aber genau hier haben die treibenden Kräfte hinter dem DVD-Package keine Mühen gescheut und eine durchweg astreine Restaurierung der alten s/w-Vorlage zusammengestellt. Hin und wieder rauscht das Bild zwar noch ein wenig, und auch die Mono-Aufnahmen sind anfangs gewöhnungsbedürftig. Doch im Hinblick auf das Erstveröffentlichungsjahr und die damaligen technischen Möglichkeiten ist es nahezu unglaublich, wie viel man aus den alten Rollen noch hat herausholen können. Das Bild ist für eine 59er-Vorlage ungewohnt sauber, der Ton der Sprecher prima auf die übrige Soundkulisse abgestimmt, und zuletzt muss man auch attestieren, dass die unterschiedlichsten Sequenzen durch die Bank mit einer unverhofften Schärfe aufwarten. Das Komplettpaket ist eine einzige positive Überraschung, zuletzt gerade deshalb, weil es sich um die Vollversion des Mehrteilers handelt und eben nicht um die zuletzt noch im TV ausgestrahlte Kompaktedition.

 

Doch noch einmal zurück zum Film selber, der aus heutiger Sicht natürlich um den Vergleich mit der Neuauflage nicht vorbeikommt. Und hier punktet das ältere Material vor allem auf Ebene der Charaktere. Hauptdarsteller Heinz Weiss findet sich in seiner Rolle als Flüchtling sofort zurecht, gerade so als habe er selbst erlebt, was er als Protagonist darstellt. Man nimmt ihm die Qualen sofort ab, spürt seine Verzweiflung, aber auch seinen Überlebenswillen. Die Mimik ist fantastisch, das Wechselspiel zwischen Glückseeligkeit und Hoffnungslosigkeit wunderbar eingefangen, und – was noch viel mehr ausmacht – zu guter Letzt gelingt es den Darstellern auch, dieses emotionale Drama über die Gesamtdistanz auf einem unheimlich bewegenden, hohen Level zu halten. Die bloße Inhaltsangabe lässt bereits vermuten, wie tief hier gegraben wird. Und dennoch: „So weit die Füße tragen“ will erlebt und auf bizarre Art und Weise auch genossen werden. Denn auch wenn die Materie grausam ist und gelegentlich sogar misanthropische Züge trägt: Es ist schlichtweg phänomenal, beobachten zu können, wie dieses dunkle Kapitel der Nachkriegshistorie mit größter Leidenschaft aufbereitet wird. Selbst nach 50 Jahren ist dieser zusammen geschobene Mehrteiler immer noch eine Referenz im cineastischen Antikriegsbereich!

 

Fazit:

“So weit die Füße tragen“ in der Jubiläumsedition ist durchaus ein richtig fettes Paket. Neben dem superben Originalstoff stehen als Bonus noch zahlreiche ausführliche Interviews und Hintergrundberichte auf dem Programm. Dazu gibt es ein massives Booklet und eine sehr edle Verpackung, die vor allem Sammler direkt ansprechen sollten. Und selbst wenn der äußere Rahmen noch nicht gänzlich den Ausschlag gegeben haben sollte: Inhaltlich ist „So weit die Füße tragen“ absolut makellos!

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Oje, das hat nicht geklappt, Elfenwerk! 202404181207224c4b4046
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DVD:

So weit die Füße tragen (50 Jahre Jubiläums-Edition)

BRD: 1959

Regisseur: Fritz Umgelter

Format: Dolby, PAL

Sprache: Deutsch (Dolby Digital 2.0)

Region: Region 2

Bildseitenformat: 4:3 - 1.33:1

Umfang: 4 DVDs

FSK: 12

Ascot Elite, 19. November 2009

Spieldauer: 360 Minuten

 

ASIN: B002PHVKCI

 

Erhältlich bei: Amazon

 

Darsteller:

Heinz Weiss

Wolgang Büttner

Edgar Mandel


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Erstellt: 25.02.2010, zuletzt aktualisiert: 16.03.2023 18:04, 10096